Ver­netzt ins Al­ter

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON AN­GE­LA RIETDORF UND JAN SCH­NETT­LER

Die ZWAR-Grup­pe macht es vor: Mit di­gi­ta­len Me­di­en las­sen sich Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten und Hilfs­an­ge­bo­te gut or­ga­ni­sie­ren. Nun sol­len stadt­teil­ge­bun­de­ne Se­nio­ren­netz­wer­ke ent­ste­hen und die Lob­by der Ge­ne­ra­ti­on 55 plus ge­stärkt wer­den.

RHE­YDT Als Wer­ner Kohn vor zwei­ein­halb Jah­ren bei ZWAR ein­stieg, wur­de ihm schnell klar: Das ist ein tol­les An­ge­bot, aber die Or­ga­ni­sa­ti­on ist schwie­rig bis chao­tisch. Das hat sich in­zwi­schen grund­le­gend ge­än­dert. ZWAR Mön­chen­glad­bach or­ga­ni­siert sich nun über ei­ne In­ter­net­platt­form und über Whats­ap­pG­rup­pen. Ganz wie die Ju­gend­li­chen, nur dass die ZWAR-Mit­glie­der al­le schon im Ru­he­stand sind be­zie­hungs­wei­se kurz da­vor. ZWAR heißt ja auch „Zwi­schen Ar­beit und Ru­he­stand“und wen­det sich an die Ge­ne­ra­ti­on 55 plus.

ZWAR ist ei­ne lan­des­wei­te Initia­ti­ve, die es seit 2011 gibt. Sie bie­tet die Mög­lich­keit, kurz vor und vor al­lem wäh­rend des Ru­he­stands Men­schen zu fin­den, mit de­nen man ge­mein­sam ak­tiv wer­den kann. Sei es beim Fahr­rad­fah­ren oder Wan­dern, bei Thea­ter­be­su­chen oder Fo­to­work­shops. Das ist ein An­ge­bot, das an­kommt.

In Mön­chen­glad­bach gibt es rund hun­dert ak­ti­ve Mit­glie­der, die sich re­gel­mä­ßig zu ver­schie­dens­ten Ak­ti­vi­tä­ten tref­fen. Das be­deu­tet: 20 bis 30 Ter­mi­ne pro Wo­che und ein mo­nat­li­ches Ba­sis­tref­fen. Zu den An­ge­bo­ten ge­hö­ren ei­ne Li­te­ra­tur­grup­pe, Platt zum Mit­ma­chen und ei­ne Dop­pel­kopf­run­de. Seit neu­es­tem auch das Di­gi­ta­le Früh­stück, um den Mit­glie­dern Hil­fe und Un­ter­stüt­zung beim Um­gang mit den di­gi­ta­len Me­di­en zu ge­ben. Denn die spie­len seit ei­ni­ger Zeit ei­ne im­mer grö­ße­re Rol­le bei der Or­ga­ni­sa- ti­on der Ak­ti­vi­tä­ten. Da­durch läuft al­les viel rei­bungs­lo­ser, aber na­tür­lich muss man pro­blem­los mit Smart­pho­ne, Ta­blet, PC und In­ter­net um­ge­hen kön­nen.

Wer­ner Kohn ge­hört zu den trei­ben­den Kräf­ten hin­ter der Di­gi­ta­li­sie­rung und Ver­net­zung der ZWARG­rup­pe. „Ich ha­be ei­ne Platt­form pro­gram­miert, die im Fe­bru­ar ge­star­tet ist“, er­klärt der 70-Jäh­ri­ge. Hier wer­den nun al­le Ter­mi­ne ein­ge­stellt, man sieht die Vor­schau für die kom­men­de Wo­che, aber auch die Fo­tos der ver­gan­ge­nen Ak­ti­vi­tä­ten. Für die schnel­len, wet­ter­ab­hän­gi­gen Ab­spra­chen wur­den Whatsapp-Grup­pen ein­ge­rich­tet. So ist al­len Teil­neh­mern ganz zeit­nah klar, ob die Rad- oder Wan­der­tour statt­fin­det oder we­gen Re­gen aus­fällt. Frü­her wur­de auf­wen­dig he- rum­te­le­fo­niert.

Über die Platt­form kön­nen auch sehr schnell Mit­glie­der für spon­ta­ne Ak­tio­nen ge­won­nen wer­den. Ein­mal soll­te ei­ne Niers­be­ge­hung mit ei­ner Bio­lo­gin man­gels An­mel­dun­gen aus­fal­len, aber ZWAR war in­ter­es­siert und brach­te in­ner­halb von zwei St­un­den 19 In­ter­es­sen­ten auf die Bei­ne. „Die­se Me­di­en sind ide­al, um sich im Al­ter zu ver­net­zen“, sagt Wer­ner Kohn. Er plant als nächs­tes ein Hil­fe­fo­rum. „Da kann man je­man­den zum Ein­kau­fen su­chen, wenn man krank ge­wor­den ist oder Hil­fe beim Auf­bau ei­nes Ikea-Re­gals“, er­klärt er. „Die Kin­der le­ben in Zei­ten der Glo­ba­li­sie­rung weit weg, aber im Al­ter braucht man Men­schen, die in der Nä­he le­ben und mal hel­fen kön­nen.“Des­halb plä­diert er auch für Se­nio­ren­netz­wer­ke in al­len Stadt­tei­len. „Die An­lauf­stel­len soll­ten fuß­läu­fig zu er­rei­chen sein“, meint er.

Es gibt na­tür­lich schon ei­ni­ge Netz­wer­ke. In Hard­ter­b­roich zum Bei­spiel das von der evan­ge­li­schen Ge­mein­de in­iti­ier­te Netz­werk. In Oh­ler und Holt wur­de ein öku­me­ni­sches Netz­werk ge­grün­det. Eben­so vor kur­zem in Oden­kir­chen. Wer­ner Kohn hat Kon­takt zu den meis­ten Netz­wer­ken, denn die ZWAR-Platt­form wird gern als Vor­bild ver­wen­det. Und Schu­lungs­be­darf ha­ben die meis­ten. Für Hard­ter­b­roich ist es jetzt ge­lun­gen, mit städ­ti­schen Mit­teln ei­ne Gr­und­aus­stat­tung für Schu­lungs­zwe­cke an­zu­schaf­fen. Da­mit die Ver­net­zung nicht am Man­gel di­gi­ta­ler Kennt­nis­se schei­tert.

„Das The­ma ist in­zwi­schen in den In­sti­tu­tio­nen an­ge­kom­men“, lobt Kohn. So­wohl das Amt für Al­ten­hil­fe als auch der Evan­ge­li­sche Kir­chen­kreis Glad­bach-Neuss be­schäf­ti­gen sich mit der The­ma­tik, ge­ben An­stö­ße zu Netz­werk­grün­dun­gen und un­ter­stüt­zen die be­ste­hen­den. Da­mit die Ge­ne­ra­ti­on noch weit vor dem Rol­la­tor ih­re Zeit ge­mein­sam ak­tiv ge­stal­ten kann. Und zwar di­gi­tal ver­netzt.

FO­TO: DET­LEF ILGNER

Wer­ner Kohn ge­hört zu den trei­ben­den Kräf­ten hin­ter der Di­gi­ta­li­sie­rung bei ZWAR, dem Netz­werk „Zwi­schen Ar­beit und Ru­he­stand“, das sich an die Ge­ne­ra­ti­on 55 plus wen­det.

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