Red­ford al­lein auf ho­her See

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - MEDIEN - VON JES­SI­CA BALLEER

Ro­bert Red­ford treibt als ein­sa­mer Seg­ler mit­ten auf dem Oze­an, bis er ein Leck im Rumpf ent­deckt.

DÜS­SEL­DORF Al­les dreht sich um ei­nen Mann. Er ist ein äl­te­rer Herr, aber vor al­lem ist er der Ka­pi­tän (Ro­bert Red­ford), in ei­nem Aben­teu­er al­lein auf ho­her See. Mit sei­ner Se­gel­jacht „Vir­gi­nia Je­an“treibt er vor sich hin, doch mit­ten in die See­len­ru­he tritt plötz­lich das Un­vor­her­ge­se­he­ne ein: Ein trei­ben­der Con­tai­ner hat die „Vir­gi­nia Je­an“ge­rammt und ein Loch in die Schiffs­wand ge­schla­gen. Der Rumpf füllt sich lang­sam aber be­droh­lich mit Was­ser. Not­dürf­tig flickt der Ka­pi­tän sein Schiff, die Jacht kann ih­re Rei­se fast wie ge­habt fort­set­zen. Doch das Salz­was­ser hat die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­te­me kom­plett zer­stört. Und dann zieht auch noch ein Sturm auf und reißt den Ka­pi­tän fast auf den Grund des Oze­ans. Sein Über­le­bens­kampf be­ginnt. Das Dra­ma „All Is Lost“fei­ert heute ei­ne 100-mi­nü­ti­ge TV-Pre­mie­re. Die ein­zi­ge Rol­le da­rin: der Ka­pi­tän. Wie gut, dass die­se von Ro­bert Red­ford ge­spielt wird.

Der 80 Jah­re al­te Schau­spie­ler glänzt in dem Sur­vi­val-Dra­ma. In „All Is Lost“ist Ro­bert Red­ford der ein­zi­ge Darstel­ler, und je­der Hand­griff des Hol­ly­wood­stars ist es Re­gis­seur J.C. Chan­dor wert, ei­ne ei­ge­ne Sze­ne dar­aus zu ma­chen. „All Is Lost“ist ein klei­nes Meis­ter­werk, re­du­ziert auf ein Mi­ni­mum an Re­qui­si­ten und Ka­me­ra­ein­stel­lun­gen, an Ak­ti­on und Spra­che. Das EinMann-Dra­ma zeigt, dass es nicht vie­ler Wor­te be­darf, um Emo­tio­nen und Über­le­bens­wil­len zu trans­por­tie­ren. Weil der Film pa­ckend und wen­dungs­reich in­sze­niert ist, gab es schon bei der Pre­mie­re in Can­nes mi­nu­ten­lan­ge Stan­ding Ova­tions. So avan­cier­te er schnell zum Kri­ti­ker­lieb­ling: „Wenn das kei­nen Os­car wert ist, dann fängt Hol­ly­wood wohl wirk­lich mit dem Ster­ben an“, schrieb der Film­kri­ti­ker Ge­org Seeß­len in „Die Zeit“über die Leis­tung von Red­ford. Doch der Os­car blieb ihm da­mals ver­wehrt. „All Is Lost“konn­te bei der Preis­ver­lei­hung nur ei­nen Os­car für das „Bes­te Sound Edit­ing“ge­win­nen. Red­ford aber kämpft le­dig­lich in der Rol­le ums Über­le­ben. Der 80-Jäh­ri­ge ist eben­so le­ben­dig wie Hol­ly­wood selbst, und er ist schon bald ne­ben Kol­le­gin und Freun­din Ja­ne Fon­da (79) im Dra­ma „Our Souls at Night“zu se­hen.

„All Is Lost“, ZDF, 22.15 Uhr

FO­TO: OBS/ZDF/DA­NI­EL DAZA

Schwe­ren Her­zens muss der Über­le­ben­de (Ro­bert Red­ford) die „Vir­gi­nia Je­an“zu­rück­las­sen.

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