Kei­ne war­me Ba­de­wan­ne fürs Pu­bli­kum

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR - VON SILKE SCHNETTLER-JÜNGERMANN

Ei­ne Kom­po­si­ti­on von Rü­di­ger Blö­mer, das Ju­gend­sin­fo­nie­or­ches­ter un­ter der Lei­tung von Chris­ti­an Ma­les­cov und DJ Kor­bi­ni­an Groll la­den ein zur „Cha­conniADE“. Über­ra­schun­gen sind ga­ran­tiert.

Was ist das denn für ein ver­rück­ter Ti­tel? „Cha­conniADE/Hard boi­led Won­der­band“. So nennt sich ei­ne Urauf­füh­rung der Mu­sik­schu­le bei der En­sem­blia am Frei­tag, 23. Ju­ni, in der Kai­ser-Fried­rich-Hal­le. Tat­säch­lich hat der Kom­po­nist Rü­di­ger Blö­mer bei dem Kon­zert ei­ni­ges ver­rückt: Er hat die ro­man­ti­sche Cha­conne in g-Moll, die To­ma­so Vi­ta­li zu­ge­schrie­ben wird, wei­ter­ge­führt in ei­ne „Cha­conniADE“. Klingt wie

Chris­ti­an Ma­les­cov Olym­pia­de – und das passt, denn aus dem zehn­mi­nü­ti­gen ro­man­ti­schen Stück ist ein ein­stün­di­ges, bun­tes Groß­er­eig­nis wor­den - ver­stö­rend, mu­tig und wit­zig. Die Mu­sik er­klingt mal in Zeit­lu­pe, mal laut und grell wie Rock­mu­sik, mal sanft und säu­selnd, dann wie­der schrill und dis­so­nant. Stim­men blei­ben hän­gen, fä­chern sich zu Klang­flä­chen auf, bre­chen ab. Und da­mit kein Zwei­fel bleibt, dass die „Cha­conniADE“Mu­sik des 21. Jahr­hun­derts ist, kommt auch Tech­no ins Spiel. Auf der Büh­ne steht der DJ Kor­bi­ni­an Groll, der in Ber­li­ner Clubs auf­ge­legt hat, am Misch­pult und pro­du­ziert stamp­fen­de Beats und bra­chia­le Syn­the­si­zer-Sounds. Der Licht­de­si­gner Nick Prokop sorgt für Club-At­mo­sphä­re in der KFH.

„Der Abend wird für das Pu­bli­kum kei­ne war­me Ba­de­wan­ne“, sagt der Mu­sik­schul­lei­ter Chris­ti­an Mal­e­s­kov, der das Ju­gend­sin­fo­nie­or­ches­ter di­ri­giert. „Blö­mer haut mit dem Ham­mer auf die Me­lo­die. Aber sie bäumt sich im­mer wie­der auf.“Das Stück hat auch im ro­man­ti­schen Sin­ne wun­der­schö­ne Mo­men­te. Aber man muss wach blei- ben: Die nächs­te Über­ra­schung kommt ge­wiss.

Die Pro­jekt­idee hat­te Mal­e­s­kov, als er den Ro­man „Hard-boi­led Won­der­land und das En­de der Welt“von Ha­ru­ki Mu­ra­ka­mi ge­le­sen hat. Das Buch spielt im To­kio der Zu­kunft, in dem Men­schen durch Da­ten im Ge­hirn ver­än­dert wer­den. Al­te und neue Welt pral­len da hef­tig auf­ein­an­der.

Das Ju­gend­sin­fo­nie­or­ches­ter ist mit der „Cha­conniADE“in die End­aus­wahl des „Deut­schen Orches­ter­prei­ses“der Jeu­nesse Mu­si­ca­le ge- kom­men. Bei dem Kon­zert wer­den des­halb drei Ju­ro­ren im Pu­bli­kum sit­zen. „Die Pro­ben sind ei­ne Er­fah­rung, die ich nicht ver­ges­sen wer­de“, sagt Fe­lix Bruck­la­cher (17), der im Ju­gend­sin­fo­nie­or­ches­ter Kla­ri­net­te spielt. „Ich bin an­fangs rich­tig ag­gres­siv ge­wor­den. Aber wenn man sich dar­auf ein­lässt, ist es ein echt coo­les Stück.“ „Cha­conniADE/Hard boi­led Won­der­band“ist am Frei­tag, 23. Ju­ni, um 20 Uhr in der Kai­ser-Fried­rich-Hal­le zu hö­ren. Der Ein­tritt ist frei.

„Blö­mer haut mit dem Ham­mer auf die Me­lo­die. Aber sie bäumt sich

im­mer wie­der auf“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.