We­gen ge­werbs­mä­ßi­gen Be­trugs mit wert­lo­sen Ak­ti­en vor Ge­richt

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON IN­GRID KRÜ­GER

Der 48-jäh­ri­ge Mön­chen­glad­ba­cher, der von den Wacht­meis­tern aus der Haft in den Ge­richts­saal ge­führt wur­de, be­strei­tet die Teil­nah­me an den Ge­schäf­ten.

Es dau­er­te et­wa 40 Mi­nu­ten, bis die Staats­an­wäl­tin die un­ge­wöhn­li­che und um­fang­rei­che An­kla­ge ver­le­sen hat. In Call­cen­tern, in Deutsch­land und in Istan­bul sol­len Te­le­fon­ver­käu­fer völ­lig wert­lo­se Ak­ti­en ver­kauft ha­ben. Den Käu­fern ha­be man fal­sche An­ga­ben ge­macht und er­heb­li­che Ge­win­ne ver­spro­chen. Da­bei sei es um sel­te­ne Me­tal­le ge­gan­gen. Und um die An­le­ger zu ei­nem Zu­kauf zu be­we­gen, sei von ei­nem bald statt fin­den­den Bör­sen­gang ge­spro­chen wor­den. Die meis­ten Gel­der wur­den auf ein Kon­to der Mön­chen­glad­ba­cher Stadt­spar­kas­se über­wie­sen. Der An­ge­klag­te wird für die­se Be­trugs­ta­ten ver­ant­wort­lich ge­macht und soll zu­dem un­ter ei­nem fal­schen Na­men ge­han­delt ha­ben, was er eben­falls be­strei­tet. Am En­de sei ein Scha­den von sie­ben Mil­lio­nen Eu­ro ent­stan­den, so die An­kla­ge. Die An­le­ger er­lit­ten da­bei To­tal­ver­lus­te. Doch der 48-Jäh­ri­ge er­klär­te völ­lig emo­ti­ons­los, mit Ak­ti­en­han­del ha­be er nichts zu tun ge­habt. Von Ak­ti­en ha­be er die Fin­ger ge­las­sen. Schließ­lich sei er in der Ver­gan­gen­heit schon ein­mal zu vier Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den. „Ich ging von ei­nem pro­du­zie­ren­den Mi­nen­be­trieb aus und in­ter­es­sier­te mich im­mer nur für sel­te­ne Me­tal­le“, so der An­ge­klag­te. Der Bu­si­ness­plan sei nicht von ihm er­stellt wor­den. „Aber Sie ha­ben für Kon­tak­te ge­sorgt“, warf ihm der Vor­sit­zen­de Rich­ter vor. Dar­auf re­agier­te der An­ge­klag­te nicht. Of­fen­bar wird der Glad­ba­cher aber von Zeu­gen be­las­tet.

Zugleich gab der 48-Jäh­ri­ge zu: „Ich soll­te die Call­cen­ter-Leu­te schu­len und La­ger­hal­tungs­pro­gram­me für sel­te­ne Me­tal­le ent­wer­fen“. Er sei auch für Bro­schü­ren ver­ant­wort­lich ge­we­sen. Meh­re­re Ta­ge in der Wo­che sei er in Istan­bul ge­we­sen. „Ich soll­te den Call­cen­ter-Leu- ten bei­brin­gen, wie man Kun­den am bes­ten be­ra­ten kann“, ge­stand er schließ­lich ein. Zeit­wei­se sei er auch in der Schweiz und ein paar Jah­re auch in Van­cou­ver ge­we­sen, schil­der­te der An­ge­klag­te be­reit­wil­lig sei­nen schil­lern­den Le­bens­weg. Er ha­be auch Zei­ten von Ar­beits­lo­sig­keit er­lebt.

Aber der ge­werbs­mä­ßi­ge Be­trug war nicht der ein­zi­ge Vor­wurf, den ihm die Staats­an­walt­schaft macht. In den Jah­ren 2014 bis 2016 soll er sich in drei Fäl­len der Steu­er­ver­kür­zung schul­dig ge­macht ha­ben. Er gab kei­ne Ein­kom­mens­steu­er­er­klä­run­gen ab und zahl­te die Steu­ern in Hö­he von je­weils ein paar tau­send Eu­ro nicht. Für den Pro­zess hat das Ge­richt zahl­rei­che Zeu­gen ge­la­den. Au­ßer­dem wur­den ins­ge­samt neun Pro­zess­ta­ge ge­plant, um den Mil­lio­nen­scha­dens-Fall auf­zu­klä­ren. Han­delt es sich um ge­werbs­mä­ßi­gen Be­trug, droht ei­ne Stra­fe von sechs Mo­na­ten bis zu zehn Jah­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.