Nach Sun­nys Tod jetzt An­kla­ge er­ho­ben

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON GABI PE­TERS

Am 22. Sep­tem­ber 2016 starb der Acht­jäh­ri­ge bei ei­nem Un­fall auf der Köl­ner Stra­ße. Sei­ne Cou­si­ne wur­de schwer ver­letzt. Der Un­fall­fah­re­rin wird fahr­läs­si­ge Tö­tung und Kör­per­ver­let­zung vor­ge­wor­fen.

Das Schick­sal des acht­jäh­ri­gen Sun­ny hat die gan­ze Stadt be­wegt. Am 22. Sep­tem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res wa­ren er und sei­ne Cou­si­ne (7) bei der Rück­kehr vom Spie­len auf der Köl­ner Stra­ße von ei­nem Au­to an­ge­fah­ren wor­den. Bei­de Kin­der wur­den schwer ver­letzt. Das Mäd­chen über­leb­te, Sun­ny konn­te nicht mehr ge­ret­tet wer­den. Er starb we­nig spä­ter im Kran­ken­haus.

Jetzt ist An­kla­ge ge­gen die Un­fall­fah­re­rin er­ho­ben wor­den. Die Staats­an­walt­schaft wirft der 54-Jäh­ri­gen, die nach dem Un­glück lan­ge psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­stüt­zung brauch­te, fahr­läs­si­ge Tö­tung und fahr­läs­si­ge Kör­per­ver­let­zung vor. Wie Jan-Phi­lip Schrei­ber, Spre­cher des Mön­chen­glad­ba­cher Land­ge­richts, ges­tern be­stä­tig­te, ist die An­kla­ge­schrift zu­ge­stellt wor­den. Ein Ge­richts­ter­min ste­he noch nicht fest. Das Ver­fah­ren muss noch er­öff­net wer­den.

Es müs­sen sich dra­ma­ti­sche Sze­nen ab­ge­spielt ha­ben nach dem tra­gi­schen Un­fall am 22. Sep­tem­ber. Un­mit­tel­bar nach dem Zu­sam­men­stoß mit dem Pkw küm­mer­ten sich zwei Pas­san­tin­nen (22 und 44 Jah­re alt) um die am Bo­den lie­gen­den, schwer ver­letz­ten Kin­der. Bis zum Ein­tref­fen der Ret­tungs­kräf­te leis­te­ten sie Ers­te Hil­fe. Schnell wa­ren auch An­ge­hö­ri­ge der Kin­der zum Un­fall­ort ge­eilt, dar­un­ter auch die in der Nä­he le­ben­de Mut­ter des Jun­gen. Not­fall­seel­sor­ger muss­ten sich um Fa­mi­li­en­mit­glie­der küm­mern, die völ­lig au­ßer sich wa­ren. Nicht nur An­ge­hö­ri­ge wein­ten, auch Pas­san­ten und Po­li­zis­ten.

Nach dem Un­fall bil­de­ten sich zwei Initia­ti­ven, die Tem­po 30 auf der Köl­ner Stra­ße for­der­ten und Un­ter­schrif­ten­lis­ten an­leg­ten. Gleich­zei­tig wur­de für die Be­er­di­gung des klei­nen Sun­ny Geld ge­sam­melt. An der Un­fall­stel­le leg­ten Trau­ern­de Blu­men und Stoff­tie­re nie­der und zün­de­ten Ker­zen an. Bei Bo­rus­sia- Heim­spie­len hing ein „RIP Sun­ny“Ban­ner am Zaun vor der Nord­kur­ve. Im In­ter­net wur­den Trau­er­sei­ten für den klei­nen Jun­gen an­ge­legt.

Aber es gab auch Pie­tät­lo­ses: Un­mit­tel­bar nach dem Zu­sam­men­stoß auf der Köl­ner Stra­ße hat­ten Gaf­fer die dra­ma­ti­schen Sze­nen am Un- fall­ort per Han­dy auf­ge­nom­men und die Bil­der und Vi­de­os auf Face­book hoch­ge­la­den, von wo sie ver­brei­tet und ge­teilt wur­den, so dass An­ge­hö­ri­ge die trau­ma­ti­schen Si­tua­tio­nen noch ein­mal er­le­ben muss­ten.

Die Po­li­zei ver­ur­teil­te dies öf­fent­lich: „Ei­ne Viel­zahl be­trof­fe­ner Men­schen wer­den die­ses tra­gi­sche Er­eig­nis ir­gend­wie be­wäl­ti­gen müs­sen. Er­spa­ren Sie die­sen Men­schen bit­te, in die­ser Si­tua­ti­on auch noch mit sol­chen Bil­dern und Vi­de­os kon­fron­tiert zu wer­den“, war auf der Face­book-Sei­te der Po­li­zei zu le­sen.

Im Pro­zess wird wohl auch das Gut­ach­ten zum Un­fall ei­ne gro­ße Rol­le spie­len. Bis heu­te gibt es un­ge­klär­te Fra­gen: Wa­ren die Kin­der plötz­lich und un­ver­mit­telt auf die Stra­ße ge­lau­fen? Hät­te die Un­fall­fah­re­rin den Jun­gen und das Mäd­chen vor­her se­hen kön­nen? Wie schnell genau war sie in ih­rem Au­to un­ter­wegs?

FOTO: TT

Bil­der und Fil­me von der Un­fall­stel­le tauch­ten spä­ter auch in den so­zia­len Netz­wer­ken auf. Gaf­fer hat­ten auch Trau­ern­de auf­ge­nom­men.

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