Seh­be­hin­der­ten­ver­ein er­öff­net Be­ra­tungs­stel­le

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON CHRIS­TI­AN LIN­GEN

Ein­mal im Mo­nat hat die Selbst­hil­fe ge­öff­net. Sie lie­fert Tipps zu bü­ro­kra­ti­schen Din­gen und zur All­tags­be­wäl­ti­gung.

KORSCHENBROICH Für Men­schen mit ei­ner Seh­be­hin­de­rung oder gar ei­ner Er­blin­dung birgt der All­tag vie­le Schwie­rig­kei­ten. Des­halb gibt es seit An­fang 2009 die öf­fent­li­che Be­ra­tungs­stel­le des Seh­be­hin­der­ten- und Blin­den­ver­eins für den Rhein-Kreis-Neuss. Weil die Be­ra­tun­gen bis­lang nur am Sitz des Ver­eins in Neuss statt­fan­den, wur­den sie nur von we­ni­gen Kor­schen­broi­chern wahr­ge­nom­men. Um das zu än­dern, wei­tet der Seh­be­hin­der­ten­und Blin­den­ver­ein sein An­ge­bot aus. Ges­tern er­öff­ne­te im Azu­rit Se­nio­ren­zen­trum an der Hin­den­burg­stra­ße 60 ei­ne Be­ra­tungs­stel­le für den Raum Korschenbroich. Wäh­rend die Be­ra­tun­gen in Neuss von Ernst Bals­mei­er, dem Vor­sit­zen­den des Ver­eins durch­ge­führt wer­den, lei­tet in Korschenbroich Man­fred Meyer das An­ge­bot. Er ist seit vie­len Jah­ren in der Blin­den­selbst­hil­fe ak- tiv und seit kur­zem der zwei­te Vor­sit­zen­de des Ver­eins.

Un­ter dem Kon­zept „Blickpunkt Au­ge“kön­nen sich Seh­be­hin­der­te und blin­de Men­schen über al­les in­for­mie­ren, was mit die­sem The­ma zu tun hat. Ernst Bals­mei­er und Man­fred Meyer ha­ben sich für das Be­ra­tungs­an­ge­bot zu „Blickpunkt Au­ge Be­ra­tern“fort­bil­den las­sen, ei­nem bun­des­wei­ten Qua­li­täts­stan­dard des Deut­schen Blin­den- und Seh­be­hin­der­ten Ver­bands. „Wir freu­en uns, hier ei­nen ge­eig­ne­ten Raum für un­ser Be­ra­tungs­an­ge­bot ge­fun­den zu ha­ben“, sagt Ernst Bals­mei­er. Das Ziel der Be­ra­tun­gen ist es, trotz Seh­ver­lus­tes ein Stück Le­bens­qua­li­tät zu er­hal­ten. Wer das Be­ra­tungs­an­ge­bot wahr­nimmt, er­fährt un­ter an­de­rem, wel­che op­ti­schen und elek­tro­ni­schen Hilfs­mit­teln es gibt oder wel­che Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­maß­nah­men sinn­voll sind. Au­ßer­dem kön­nen sich In­ter­es­sier­te dar­über in­for­mie­ren, wie sie sich im All­tag und im Be­ruf ori­en­tie­ren kön­nen.

The­men der Be­ra­tung sind auch An­sprü­che wie Schwer­be­hin­de­rung und fi­nan­zi­el­le Nach­teils­aus­glei­che. Weil da­bei oft For­mu­la­re aus­ge­füllt wer­den müs­sen, gibt es ei­ne se­hen­de Hel­fe­rin, die das An­ge­bot bei bü­ro­kra­ti­schen Din­gen un­ter­stützt. Ge­spro­chen wird auch über die psy­chi­sche Ver­ar­bei­tung des Seh­ver­lus­tes und die Gestal­tung der Frei­zeit. „Es gibt zum Bei­spiel ex­tra Spie­le wie Schach, die für Blin­de her­ge­stellt wer­den. Da kann man die Fel­der er­tas­ten“, er­zählt Man- fred Meyer. In der Neus­ser Be­ra­tungs­stel­le ge­lang es, ei­ner Da­me, die ger­ne strickt, bei­zu­brin­gen, wie sie ihr Hob­by fort­set­zen kann. Um ei­ne Hemm­schwel­le zu neh­men, wer­den die Be­trof­fe­nen stets von Men­schen be­ra­ten, die sel­ber be­trof­fen sind. „Die Leu­te fal­len oft in ein tie­fes Loch und schä­men sich, blind zu sein“, sagt Bals­mei­er.

Das Kon­zept „Blickpunkt Au­ge“macht es sich auch zur Auf­ga­be, Be­trof­fe­nen und de­ren An­ge­hö­ri­gen die Angst zu neh­men, sich an Blin­den­ver­ei­ne zu wen­den. „Sie sind ja nicht blind oder be­hin­dert, son­dern ha­ben ei­ne Au­gen­krank­heit“, sagt Meyer.

Der nächs­te Be­ra­tungs­ter­min fin­det am Frei­tag, 23. Ju­ni, von 14 bis 17 Uhr statt und da­nach je­den drit­ten Frei­tag im Mo­nat. Ter­mi­ne kön­nen mit Man­fred Meyer te­le­fo­nisch un­ter 02161 41151 oder über den Ver­ein un­ter 02131 5248138 ver­ein­bart wer­den.

FOTO: DETLEF IL­G­NER

Ernst Bals­mei­er (links) ist der Vor­sit­zen­de des Seh­be­hin­der­ten- und Blin­den­ver­eins. Man­fred Meyer lei­tet die ges­tern er­öff­ne­ten Be­ra­tungs­stel­le

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