Hartz-IV-Be­trü­ger er­hielt Be­wäh­rungs­stra­fe

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON IN­GRID KRÜ­GER

40-jäh­ri­ger Mön­chen­glad­ba­cher ver­schwieg, dass er ein Ar­beits­an­ge­bot an­ge­nom­men hat­te.

Der An­ge­klag­te blick­te im­mer wie­der hil­fe­su­chend auf sei­nen An­walt. Tat­säch­lich ist der drei­fa­che Va­ter wie­der ein­mal als Straf­tä­ter – dies­mal als Be­trü­ger – auf­ge­fal­len. Zur Zeit wer­de er fi­nan­zi­ell von sei­ner Mut­ter und sei­ner Freun­din un­ter­stützt, gab der An­ge­klag­te schüch­tern zu. Aber im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te der Hartz-IV-Emp­fän­ger in den Mo­na­ten Ju­li, Au­gust und Sep­tem­ber ge­ar­bei­tet, die­se Ar­beits­auf­nah­me dem Job­cen­ter je­doch nicht mit­ge­teilt. So be­zog er wei­ter un­be­rech­tigt Geld vom Amt. „Ein Kol­le­ge ist aus­ge­fal­len. Ich wur­de ge­fragt, ob ich ihn er­set­zen könn­te. Da ha­be ich ein­fach ,ja’ gesagt“, ver­tei­dig­te sich der 40-Jäh­ri­ge. Er sei da­von aus­ge­gan­gen, dass das Job­cen­ter das für ihn au­to­ma­tisch mel­den wür­de. Doch das glaub­te ihm der Rich­ter nicht. „Sie ha­ben doch im­mer wie­der ge­hört und ge­le­sen, dass man so­fort ei­ne Ar­beits­auf­nah­me mel­den muss“, hielt ihm der Rich­ter vor. Der Ver­tei­di­ger des Man­nes mein­te, sein Man­dant ha­be doch nur ei­ne Bro­schü­re vom Amt er­hal­ten und die­se of­fen­bar nicht ge­le­sen. Er bat für den Glad­ba­cher um Frei­spruch, je­doch ver­geb­lich. Nach­dem der Rich­ter das Vor­stra­fen­re­gis­ter des An­ge­klag­ten ver­le- sen hat­te, war klar, dass der 40-Jäh­ri­ge kein Neu­ling im Ge­richts­saal war. Er ist mehr­fach vor­be­straft, auch ein­schlä­gig – we­gen Er­schlei­chens von Leis­tun­gen. Nach jah­re­lan­ger Dro­gen­ab­hän­gig­keit ist er mit Ver­mö­gens­straf­ta­ten auf­ge­fal­len, auch mit Haft­stra­fen. Die Staats­an­wäl­tin for­der­te für die 40Jäh­ri­gen ei­ne Geld­stra­fe von 600 Eu­ro.

Doch das Ge­richt ver­ur­teil­te den Mön­chen­glad­ba­cher we­gen Be­tru­ges zu ei­ner Frei­heits­stra­fe von fünf Mo­na­ten. In die­se Stra­fe wur­den zwei frü­he­re Straf­be­feh­le, die noch nicht er­le­digt wa­ren, ein­be­zo­gen. Der An­ge­klag­te muss die fünf Mo- na­te al­ler­dings nicht ver­bü­ßen. Die Frei­heits­stra­fe wur­de für zwei Jah­re auf Be­wäh­rung aus­ge­setzt. Der An­ge­klag­te hat­te im Pro­zess er­klärt, dass er sich be­reits um ei­ne sta­tio­nä­re Dro­gen­the­ra­pie be­müht ha­be. Die Ge­le­gen­heit zu ei­ner Dro­gen­the­ra­pie wol­le man dem An­ge­klag­ten nicht neh­men, mach­te der Rich­ter in der Ur­teils­be­grün­dung klar. Al­ler­dings müs­se der Glad­ba­cher dem Ge­richt mit­tei­len, wann er mit der The­ra­pie be­gin­ne. Der An­ge­klag­te wird in der Be­wäh­rungs­zeit von ei­nem Be­wäh­rungs­hel­fer be­glei­tet. Am En­de ver­sprach der 40Jäh­ri­ge, die Chan­ce vom Ge­richt zu nut­zen.

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