Dia­gno­se Fett­le­ber – das kann ge­fähr­lich wer­den

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - GESUNDHEIT - VON DIE­TER WEBER

Das Le­ber­zen­trum des Eli­sa­beth-Kran­ken­hau­ses geht der Ur­sa­che auf den Grund. Ei­ne Er­näh­rungs­um­stel­lung hilft oft.

Die Fra­ge der Haus­ärz­tin kommt oh­ne Vor­war­nung. „Trin­ken Sie?“, fragt sie und schaut ih­ren Pa­ti­en­ten tief in die Au­gen. Die­ser weiß im ers­ten Mo­ment nicht, wie ihm ge­schieht und ant­wor­tet mit ei­ner kur­zen Er­klä­rung und mit ei­ner Ge­gen­fra­ge: „Wenn sie Al­ko­hol mei­nen, ei­gent­lich nein. Ich wür­de mich in die­ser Hin­sicht so­gar als ab­sti­nent be­zeich­nen. Aber wie kom­men Sie dar­auf?“Die Haus­ärz­tin, die ih­ren Pa­ti­en­ten seit Jah­ren kennt und ihn ge­ra­de in­ten­siv un­ter­sucht hat, lehnt sich zu­rück: „Sie ha­ben ei­ne Fett­le­ber. Al­ko­hol ist aber nur ei­ne von meh­re­ren mög­li­chen Ur­sa­chen.“Die­ser Dia­log fand vor vie­len Jah­ren statt. Da­mals tat der Pa­ti­ent die Dia­gno­se als „Lau­ne der Na­tur“ab. Heu­te weiß er: Ei­ne Fett­le­ber zu ha­ben ist nicht oh­ne – es ist ei­ne Er­kran­kung. Und ei­ne durch­aus nicht un­pro­ble­ma­ti­sche.

Wer den Chef­arzt des Eli­sa­be­thKran­ken­hau­ses, Huan Nguy­en, fragt, wird dies be­stä­ti­gen. Er räumt mit ei­nem Vor­ur­teil auf: „Ei­ne Fett­le­ber deu­tet nicht zwangs­läu­fig auf über­mä­ßi­gen Al­ko­hol­ge­nuss hin.“Auch Nor­mal­ge­wich­ti­ge kön­nen wie Fett­lei­bi­ge und Dia­be­ti­ker be­trof­fen sein, oh­ne es zu wis­sen: „Ei­ne ,nicht-al­ko­ho­li­sche Fett­le­ber’ ist ei­ne ge­fähr­li­che Krank­heit. Die Er­kran­kun­gen neh­men deut­lich zu.“Le­ber­lei­den sei­en nicht schmerz­haft, „da­her mer­ken die Men­schen meist erst im fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um, dass sie er­krankt sind. Wer ge­sund aus­sieht, muss nicht ge­sund sein. Er­höh­te Le­ber­wer­te kön­nen auf ei­ne Le­ber­zir­rho­se hin­deu­ten.“

Die Fett­le­ber füh­re zu ei­ner chro­ni­schen Le­ber­ent­zün­dung, Le­ber- zir­rho­se und auch zu Le­ber­krebs. Auf den Grund, war­um auch schlan­ke Men­schen ei­ne Fett­le­ber ent­wi­ckeln kön­nen, sei die Wis­sen­schaft erst vor ei­ni­gen Jah­ren ge­sto­ßen, so Pro­fes­sor Nguy­en: „Der Schlüs­sel liegt in der Darm­flo­ra des Men­schen. Ver­kürzt gesagt: Die

Huan Nguy­en Bak­te­ri­en dort sind für die Ent­wick­lung der Fett­sucht ver­ant­wort­lich.“Au­ßer­dem spie­le die Er­näh­rung ei­ne zen­tra­le Rol­le: „Wir trin­ken heu­te mehr Frucht­säf­te als frü­her. Die Darm­flo­ra wan­delt den Frucht­zu­cker in Al­ko­hol um und der be- güns­tigt die Ent­ste­hung der Fett­le­ber be­zie­hungs­wei­se ei­ne Fett­le­ber­he­pa­ti­tis“. Durch ei­ne ver­än­der­te Er­näh­rung kön­ne die­se Ent­wick­lung re­gel­recht um­ge­polt wer­den. Dies sei im Üb­ri­gen auch „das Ge­heim­nis der me­di­ter­ra­nen Kü­che. Sie ist ein­fach bal­last­stroff­rei­cher. Die­se Kost hilft da­bei, die Darm­bak­te­ri­en neu zu kon­di­tio­nie­ren.“

An den Städ­ti­schen Kli­ni­ken in Rhe­ydt wer­den seit rund ei­nem Jahr Er­kran­kun­gen der Le­ber im Le­ber­zen­trum be­han­delt. Am Eli sind dar­an drei Fach­ab­tei­lun­gen be­tei­ligt: die Gas­tro­en­te­ro­lo­gie, die Chir­ur­gie und die Ra­dio­lo­gie. Ge­mein­sam wer­den die je­wei­li­gen Krank­heits­bil­der an­ge­schaut und die wei­te­ren Be­hand­lungs­schrit­te fest­ge­legt. Le­ber­lei­den ha­ben un­ter­schied­lichs­te Ur­sa­chen. Nguy­en: „So kann es sein, dass es in Wahr­heit um ei­ne Gal­len­stei­n­er­kran­kung geht, um ein Rheu­ma der Le­ber, ei­ne chro­ni­sche Vi­rus­er­kran­kung oder so­gar um Me­ta­sta­sen in der Le­ber“. Ei­ne Fett­le­ber ist auch Aus­gangs­be­din­gung für an­de­re Stoff­wech­sel­er­kran­kun­gen und be­güns­tigt Herz­kreis­lauf­er­kran­kun­gen.

Je nach Sach­la­ge wür­den im Le­ber­zen­trum spe­zi­el­le La­bor­un­ter­su­chun­gen durch­ge­führt und zur Fes­ti­gung ei­ner Dia­gno­se un­ter an­de­rem Ge­we­be­pro­ben ent­nom­men, oder auch ei­ne Bauch­spie­ge­lung ge­macht. Und am En­de der Dia­gnos­tik stün­de längst nicht im­mer ei­ne Ope­ra­ti­on. Et­wa 3500 Pa­ti­en­ten im Jahr wür­den mit ih­ren un­ter­schied­li­chen Le­ber­er­kran­kun­gen im Le­ber­zen­trum der Städ­ti­schen Kli­ni­ken be­han­delt: „Wir ha­ben da­zu ei­gens die Aus­stat­tung der En­do­sko­pie auf den mo­derns­ten Stand ge­bracht. Die In­ves­ti­ti­on liegt deut­lich über 1,5 Mil­li­on Eu­ro.“

„Ei­ne ,nicht-al­ko­ho­li­sche Fett­le­ber’ ist ei­ne ge­fähr­li­che Krank­heit“

Chef­arzt des Eli­sa­beth-Kran­ken­hau­ses

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