ANA­LY­SE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

„Trump-Ef­fekt“und„Schulz-Ef­fekt“ha­ben das Mit­tun in Par­tei­en wie­der at­trak­ti­ver ge­macht. Erst­mals freu­en sich al­le Par­tei­en über wie­der stei­gen­de Bei­tritts­zah­len. For­scher spre­chen von ei­nem „de­mo­kra­ti­schen Trotz“.

rück­lie­gen­den „asym­me­tri­schen De­mo­bi­li­sie­rung“ach­te­ten die Kam­pa­gnen-Re­gis­seu­re dar­auf, dass von den An­hän­gern der an­de­ren mehr ein­schlie­fen als von den ei­ge­nen.

Nun sind die Wah­len im Saar­land, in Schles­wig-Hol­stein und NRW als Test­läu­fe für die Bun­des­tags­wahl eher nach dem Mus­ter ei­ner „sym­me­tri­schen Mo­bi­li­sie­rung“ge­lau­fen: Ganz ge­zielt spra­chen die Par­tei­en vor al­lem die ei­ge­nen Sym­pa­thi­san­ten an. Und zwar durch spe­zi­ell ge­schul­te Wahl­kämp­fer, die an mög­lichst vie­len Haus­tü­ren po­ten­zi­el­ler An­hän­ger klin­gel­ten. Das wird in­tern com­pu­ter­ge­stützt mit stän­dig ak­tua­li­sier­ten Ar­gu­men­ten un­ter­füt­tert und be­deu­tet für die Mo­ti­va­ti­on der Eif­rigs­ten et­wa, dass die er­folg­reichs­ten Hau­stür­be­su­cher ei­nen An­ruf von Par­tei­che­fin An­ge­la Mer­kel be­kom­men.

Die SPD in NRW klet­ter­te von En­de De­zem­ber bis An­fang Ju­ni von 108.000 auf 111.000 Mit­glie­der, und auch die NRW-CDU ver­zeich­ne­te in den ver­gan­ge­nen drei Mo­na­ten stei­gen­de Mit­glie­der­zah­len, liegt nun knapp über 129.500. Die­ses Ver­hält­nis zeigt auch, wie re­la­tiv das Emp­fin­den von NRW als Herz­kam­mer der So­zi­al­de­mo­kra­tie ist: Noch 1990 lag die SPD bei den Mit­glie­dern mit 287.000 weit vor der CDU mit 233.000. Doch die SPD schrumpf­te dann schnel­ler als die CDU, die seit 2003 mit­glie­der­stärks­te Par­tei an Rhein und Ruhr ist.

Aber auch die­ser Grö­ßen­ver­gleich macht klar, dass trotz des ak­tu­el­len klei­nen Zu­wach­ses das „gol­de­ne Zeit­al­ter der Mit­glie­der­par­tei­en vor­bei“ist, wie Nie­der­may­er fest­stellt. 1990 wa­ren noch 3,7 Pro­zent der Er­wach­se­nen Mit­glied ei­ner Par­tei, jetzt ist der An­teil nur noch halb so groß. Nie­der­may­er hat auch die „Re­kru­tie­rungs­fä­hig­keit“aus­ge­rech­net, das heißt, wie vie­le Men­schen die ein­zel­nen Par­tei­en in ih­rem Ein­zugs­ge­biet tat­säch­lich an sich bin­den kön­nen. Da lie­gen Lin­ke, Grü­ne und FDP mit 0,08 Pro­zent gleich­auf, auch SPD und CDU mit 0,65 und 0,78 Pro­zent. Ein­zig die CSU ragt mit 1,35 Pro­zent her­aus. Al­ler­dings heißt das auch: 98,2 Pro­zent sind nicht Mit­glied ei­ner Par­tei.

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