Mut­ter soll ins Flücht­lings­heim zie­hen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - MEDIEN - VON CHRIS­TI­AN LINGEN

Weil ih­re Woh­nung von Schim­mel be­fal­len ist, bat Na­di­ne Pe­ters die Ver­wal­tung um Hil­fe. Im Rat­haus bot man ihr ei­nen Platz in ei­nem Über­gangs­wohn­heim an. Das kann je­den tref­fen, denn über ei­ge­ne Woh­nun­gen ver­fügt die Stadt nicht.

KLEINENBROICH Na­di­ne Pe­ters kann nicht mehr. Im ver­gan­ge­nen Jahr zog sie nach Kleinenbroich und fand ei­ne Woh­nung in ei­nem Haus an der Kon­rad-Ade­nau­er-Stra­ße. Weil sie di­rekt un­ter der Woh­nung des Ver­mie­ters liegt, schien es der idea­le Ort für sie und ih­re bei­den Kin­der im Al­ter von fünf und ei­nem hal­ben Jahr zu sein. Weit ge­fehlt. Im Haus riecht es un­an­ge­nehm und an der Wohn­zim­mer­de­cke der jun­gen Mut­ter wächst Schim­mel. Vor drei Wo­chen starb der Ver­mie­ter. Die Woh­nungs­tü­re steht seit­dem of­fen. Als Na­di­ne Pe­ters ei­nen Blick in die Woh­nung ih­res ehe­ma­li­gen Ver­mie­ters warf, wuss­te sie, war­um bei ihr der Schim­mel wächst. Die Woh­nung des Ver­mie­ters ist näm­lich voll da­von und nun frisst sich der Pilz in die un­te­re Eta­ge. Die Stadt Korschenbroich bot der jun­gen Mut­ter an, mit ih­ren Kin­dern in ein Über­gangs­wohn­heim für Flücht­lin­ge zu zie­hen.

„Grund­sätz­lich ist der Ver­mie­ter da­für zu­stän­dig, für ei­ne Be­wohn­bar­keit der Woh­nung zu sor­gen“, sagt Stadt­spre­che­rin An­net­te Lan­ge. Doch der Ver­mie­ter lebt nicht mehr. „Es gibt Er­ben, aber an die kom­me ich nicht her­an“, er­zählt Na­di­ne Pe­ters. Wei­ter in dem ver­schim­mel­ten Haus zu le­ben, ist für sie und vor al­lem für die Kin­der ge­sund­heits­ge- fähr­dend. Des­halb sucht sie hän­de­rin­gend nach ei­ner neu­en Blei­be. Doch die fin­det sie nicht, da vie­le Ver­mie­ter sie ab­leh­nen. Das An­ge­bot der Stadt hat sie aus­ge­schla­gen. „Da hät­ten mei­ne Kin­der und ich nur ein Zim­mer ge­habt und ich hät­te nichts aus mei­ner Woh­nung mit­neh­men dür­fen“, sagt Na­di­ne Pe­ters. Doch ei­ne an­de­re Mög­lich­keit für die jun­ge Mut­ter sieht man im Rat­haus nicht. „Un­se­re Auf­ga­be ist es, Ob­dach­lo­sig­keit zu ver­mei­den. In ei­nem sol­chen Fall kön­nen wir nur auf die vor­han­de­nen Woh­nun- ter­künf­te zu­rück­grei­fen“, sagt An­net­te Lan­ge.

Über Woh­nun­gen ver­fü­ge die Stadt Korschenbroich nicht. Des­halb kön­ne man Men­schen, die ih­re Woh­nung ver­lo­ren ha­ben, nur ei­nen Platz in ei­ner Ob­dach­lo­sen­un­ter­kunft oder in ei­nem Über­gangs­wohn­heim für Flücht­lin­ge an­bie­ten. Der ein­zi­ge Un­ter­schied: Im Flücht­lings­heim müs­sen sich die Be­woh­ner Bad und Kü­che tei­len. Aktuell sei­en in bei­den Wohn­va­ri­an­ten Flücht­lin­ge un­ter­ge­bracht, wie die Stadt er­klärt. „Es kann durch­aus sein, dass von Ob­dach­lo­sig­keit be­droh­te Men­schen in ei­nem Über­gangs­wohn­heim un­ter­ge­bracht wer­den müs­sen“, sagt An­net­te Lan­ge. Das be­trifft nicht nur Na­di­ne Pe­ters. Denn auch Bür­gern, die ihr Haus oder ih­re Woh­nung zum Bei­spiel durch ei­nen Brand ver­lie­ren, kann man bei der Stadt kein an­de­res An­ge­bot ma­chen, wenn sie nicht bei Ver­wand­ten oder Freun­den un­ter­kom­men.

Da Na­di­ne Pe­ters nicht in ei­ne sol­che Un­ter­kunft zie­hen möch­te und ih­re Ver­wand­ten nicht in Korschenbroich le­ben, bleibt ihr der­zeit nichts an­de­res üb­rig, als erst ein­mal in ih­rer ak­tu­el­len Woh­nung zu le­ben. „Ich möch­te so schnell wie mög­lich aus­zie­hen“, sagt sie. Weil sich der Schim­mel im­mer wei­ter aus­brei­te, ha­be sie Angst, dass im Haus ir­gend­wann et­was ein­stür­ze.

FO­TO: DETLEF ILGNER

Na­di­ne Pe­ters und ih­re Kin­der Ki­ra und Ame­lie woh­nen der­zeit in ei­ner Woh­nung, in der Schim­mel durch die De­cke wächst. Dar­um su­chen sie hän­de­rin­gend nach ei­ner neu­en Blei­be, aber ha­ben bis­lang kei­ne ge­fun­den.

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