En­sem­blia star­tet mit Trom­mel­wir­bel

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR - VON DIRK RICHERDT

Der jun­ge Per­kus­sio­nist Si­mo­ne Ru­bi­no schlug beim Er­öff­nungs­kon­zert des Fes­ti­vals En­sem­blia das Pu­bli­kum in den Bann. In der voll­be­setz­ten Ci­ty­kir­che ent­fach­te er ein Feu­er­werk der Rhyth­men und in­ter­pre­tier­te ei­ne Bach-Sui­te.

„Im­mor­tal Bach“– mit ei­ner Hul­di­gung an den Groß­meis­ter des Ba­rock hat das Fes­ti­val En­sem­blia be­gon­nen. Na­nu, kei­ne zeit­ge­nös­si­schen, ex­pe­ri­men­tel­len Klän­ge?, mö­gen sich man­che un­ter den 300 Be­su­chern in der Ci­ty­kir­che ge­fragt ha­ben. Doch schnell be­stä­tigt sich, was Ober­bür­ger­meis­ter Hans Wilhelm Rei­ners bei sei­ner Be­grü­ßung schon vor­weg­nimmt: „Ein Auf­takt nach En­sem­blia-Maß.“Denn der So­list des Abends, der 1993 in Tu­rin ge­bo­re­ne Schlag­zeu­ger und Per­kus­sio­nist Si­mo­ne Ru­bi­no, kon­fron­tiert sei­ne Hom­mage an den „un­sterb­li­chen Jo­hann Se­bas­ti­an Bach“mit ei­nem mo­der­nen Kon­trast­pro­gramm. So spielt er je ei­nen Satz aus der drit­ten Sui­te für Vio­lon­cel­lo des Leip­zi­ger Tho­mas­kan­tors, um dar­an je­weils ein zeit­ge­nös­si­sches Schlag­werk­stück an­zu­schlie­ßen.

Da­zu hat Si­mo­ne Ru­bi­no ein im­po­san­tes Ar­senal an Schlag­ge­rä­ten auf­ge­bo­ten: Ma­rim­ba­phon, Me­tal­lo­phon und zwei Trom­mel­bat­te­ri­en, zu der auch exo­ti­sche In­stru­men­te wie die trep­pen­för­mig an­ge­ord­ne­ten Tem­pel­blocks ge­hö­ren, die beim Schluss­stück von Ian­nis Xena­kis zum Ein­satz ge­lan­gen.

Nie­mand wird bei ei­ner BachSui­te, die auf ei­nem St­ab­spiel in­ter­pre­tiert wird, er­war­ten, dass der Kon­tra­punkt der bis zu vier Stimmen ir­gend­wie cel­loähn­lich klin­gen müs­se. Nein, Ru­bi­no formt die gut wie­der­er­kenn­ba­re Klang­welt Bachs kon­ge­ni­al ge­mäß den tech­ni­schen Vor­ga­ben sei­nes In­stru­men­ta­ri­ums. Ver­blüf­fend die An­klän­ge an Or­gel­re­gis­ter, was be­son­ders ein­drucks­voll bei der lang­sa­men Sa­ra­ban­de mit qua­si „ge­dack­ter“Ein­rich­tung ge­lingt. Vom 6/8-Takt der leb­haft be­weg­ten, me­lo­diö­sen Cou­ran­te geht es di­rekt auf die „Po­wer-Sta­ti­on“des Ita­lie­ners Car­lo Bac­ca­do­ro, wo der So­list auf fünf Tom Toms, HiHat und zwei Cym­bal-Be­cken vir­tu­os ein raf­fi­nier­tes 5/8-Me­trum rea­li­siert. Da­bei setzt er zu­sätz­li­che Ak­zen­te mit Tril­ler­pfei­fe.

Den Hö­he­punkt die­ses nicht nur tech­nisch voll­ende­ten Kon­zerts stellt ei­ne Ei­gen­kom­po­si­ti­on des So­lis­ten dar: Auf die Bach-Sa­ra­ban­de folgt Ru­bi­nos „Cho­ral“, den er aus de­zen­ten, an- und ab­schwel­len­den Tre­mo­lo­fi­gu­ren an der Ma­rim­ba zu or­ches­tra­ler Fül­le führt. Da­mit hät­te er sich sei­ner­zeit als Kom­po­nist für ei­nen Vis­con­ti-Film emp­feh­len kön­nen!

Ein Wort zur phä­no­me­na­len Spit­zen­tech­nik des Schlag­wer­kers darf nicht feh­len: Si­mo­ne Ru­bi­no be­geis­tert mit ge­schmei­dig ge­stei­ger- ten Pa­ra­didd­les der wir­beln­den Sticks, vir­tuo­sem Spiel an Trom­mel­fas­sun­gen, so­gar knie­end am Fuß­ge­stän­ge, pa­cken­der Mul­ti­plexRhyth­mik, er va­ri­iert Dy­na­mik fa­mos mit un­ter­schied­lich ge­pols­ter­ten Mal­let-Schlä­geln. Gern spielt er mit den Stö­cken rea­le Luft­num­mern, auch die­ser Mi­ni­ma­lis­mus ist reiz­voll, frei von Pe­ne­tranz. Am Schluss ver­beugt sich der Schü­ler Pe­ter Sad­los vor dem 2001 ge­stor­be­nen grie­chisch-fran­zö­si­schen Kom­po­nis­ten Ian­nis Xena­kis mit des­sen „Re­bonds B“. Da­bei ent­facht er aber­mals ein vir­tuo­ses Feu­er­werk, un­ter an­de­rem an fünf Tem­pel­blocks. Kein Wun­der, dass das Pu­bli­kum wäh­rend des 75-mi­nü­ti­gen Kon­zerts wie­der­holt Bra­vo­ru­fe an­stimmt und sich am Schluss ju­belnd zu Ova­tio­nen er­hebt.

RP-FO­TO: DETLEF ILGNER

Der Schlag­zeu­ger und Per­kus­sio­nist Si­mo­ne Ru­bi­no kon­fron­tier­te sei­ne Hom­mage an Bach mit ei­nem mo­der­nen Kon­trast­pro­gramm.

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