EM-Ti­tel, Som­mer­mär­chen, Wem­bley

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - SPORT LOKAL - VON NI­K­LAS BI­EN UND THO­MAS GRULKE

Lars St­indl ist der 19. Bo­rus­se, der für die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft trifft. So man­ches Tor ist ge­schichts­träch­tig.

Die­se Ge­schich­te be­ginnt an ei­nem sport­his­to­ri­schen Ort. Im Wank­dorf­sta­di­on, fünf Jah­re nach dem „Wun­der von Bern“, als die deut­sche Mann­schaft im WM-Fi­na­le die fa­vo­ri­sier­ten Un­garn sen­sa­tio­nell 3:2 be­sieg­te, fei­ert Al­bert Brülls am 4. Ok­to­ber 1959 sein Na­tio­nal­mann­schafts­de­büt. 4:0 be­zwingt das deut­sche Team die Aus­wahl der Schweiz, und der 22-jäh­ri­ge An­grei­fer der Bo­rus­sia steu­ert mit sei­nem 2:0 gleich ei­nen Tref­fer bei – es ist das ers­te Tor ei­nes Glad­ba­chers für die deut­sche Na­tio­nal­mann­schaft.

Seit­her sind Brülls 18 wei­te­re Bo­rus­sen ge­folgt, als bis­lang Letz­ter hat sich Lars St­indl am ver­gan­ge­nen Mon­tag mit sei­nem 1:0 beim 3:2-Er­folg ge­gen Aus­tra­li­en beim Con­fe­dCup in die il­lus­tre Lis­te ein­ge­tra­gen. So fu­ri­os wie der jun­ge Ober­li­ga­stür­mer im Herbst 1959 star­tet al­ler­dings kein an­de­rer Glad­ba­cher in sei­ne Län­der­spiel­kar­rie­re, Brülls trifft in je­dem sei­ner ers­ten drei Spie­le. De­büt­tref­fer ge­lin­gen al­ler­dings auch noch an­de­ren. Spek­ta­ku­lär ist vor al­lem der Ein­stand Uwe Rahns, der 1984 im WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel ge­gen Schwe­den nur 19 Se­kun­den nach sei­ner Ein­wechs­lung zum 1:0 ein­schießt.

Auch Jupp Heynckes trifft 1967 ge­gen Ma­rok­ko bei sei­nem De­büt – und lässt in den kom­men­den Jah­ren noch 13 To­re fol­gen. Da­mit ist Bo­rus­si­as bes­ter Tor­jä­ger al­ler Zei­ten auch im Na­tio­nald­ress der treff­si­chers­te Glad­ba­cher. Ein wich­ti­ges Tur­nier­tor bleibt ihm in­des ver­wehrt. Da­für lei­tet er im EM-Fi­na­le 1972 das 2:0 sei­nes Ver­eins­ka­me­ra­den Ha­cki Wim­mer beim 3:0-Er­folg ge­gen die So­wjet­uni­on ein. „Da­mit war das Spiel rum“, er­in­nert sich Wim­mer spä­ter ein­mal an den wohl be­deu­tends­ten Län­der­spiel­tref­fer ei­nes Glad­ba­chers.

Oli­ver Neu­vil­le be­schert dem Na­tio­nal­team 2006 zwar kei­nen Ti­tel, doch mit sei­nem Last-Mi­nu­te-1:0 ge­gen Po­len lässt er das Som­mer­mär­chen bei der WM im ei­ge­nen Land ent­ste­hen. „Das war das emo­tio­nals­te Spiel mei­ner Kar­rie­re“, sagt Neu­vil­le nach sei­nem Tref­fer, der das Dort­mun­der West­fa­len­sta­di­on er­be­ben lässt.

An noch be­rühm­te­rer Stät­te trifft Gün­ter Net­zer im Früh­jahr 1972. Der Spiel­ma­cher schießt Deutsch­land im EM-Vier­tel­fi­na­le ge­gen En­g­land im Lon­do­ner Wem­bley­S­ta­di­on mit ei­nem Foul­elf­me­ter 2:1 in Füh­rung, we­nig spä­ter ist der ers­te deut­sche Sieg im „Mut­ter­land des Fuß­balls“per­fekt. Da die EM da­mals erst ab dem Halb­fi­na­le in Tur­nier­form aus­ge­tra­gen wird, gilt Net­zers Tref­fer in ei­nem der denk­wür­digs­ten Spie­le der deut­schen Län- der­spiel­ge­schich­te aber nicht als Tur­nier­tor. So­mit schaff­ten dies bis­lang nur Al­bert Brülls (WM 1962), Rai­ner Bon­hof (WM 1974), Oli­ver Neu­vil­le (WM 2006), Ha­cki Wim­mer (EM 1972), Mar­co Reus (EM 2012) – und nun auch Lars St­indl mit sei­nem Pre­mie­ren­tor beim Con­fe­dCup in Russland. Bo­rus­si­as Län­der­spiel­tor­schüt­zen Jupp Heynckes (14), Al­bert Brülls (9), Gün­ter Net­zer, Oli­ver Neu­vil­le (je 6), Rai­ner Bon­hof, Uwe Rahn (je 5), Her­bert Wim­mer (4), Mar­co Reus, Max Kru­se, Lars St­indl (je 2), Bernd Rupp, Her­bert Lau­men, Klaus-Die­ter Sieloff, Horst Köp­pel, Ber­ti Vogts, Hei­ko Herr­lich, Ste­phan Paß­lack, Mar­cel Jan­sen, Mar­ko Ma­rin(je 1).

FO­TOS: IMA­GO (2) / STRUCKEN, MIS, HOMÜ, IMA­GO (AL­LE AR­CHIV)

Mit 14 To­ren Bo­rus­si­as DFB-Re­kord­schüt­ze: Jupp Heynckes trifft im De­zem­ber 1975 in Istan­bul zwei­mal.

Ers­ter Glad­ba­cher Län­der­spiel­tor­schüt­ze: Al­bert Brülls.

Som­mer­mär­chen: Oli­ver Neu­vil­le (r.) nach sei­nem 1:0 ge­gen Po­len.

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