ANALYSE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - STIMME DES WESTENS -

Fort­schritt­li­che Strö­mun­gen ha­ben es in dem Is­lam­ver­band schwer. Die Ent­schei­dungs­ho­heit ob­liegt letz­ten En­des der erz­kon­ser­va­ti­ven tür­ki­schen Re­li­gi­ons­be­hör­de Diya­net. Das zeigt auch ein Blick in die Ver­eins­sat­zung.

Der Bei­rat be­steht auf Bun­des­ebe­ne aus­schließ­lich aus Ver­tre­tern der in An­ka­ra an­säs­si­gen Re­li­gi­ons­be­hör­de Diya­net, die di­rekt dem tür­ki­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten­amt un­ter­stellt ist. Den Vor­sitz hat laut Sat­zung der Diya­net-Prä­si­dent. Der Bei­rat ist un­miss­ver­ständ­lich an al­len wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen des Vor­stands zu be­tei­li­gen.

Der sie­ben­köp­fi­ge Re­li­gi­ons­rat, des­sen Mit­glie­der von den aus An­ka­ra ent­sand­ten Ima­men ge­wählt wer­den, be­stimmt die Mit­glie­der der Re­li­gi­ons­bei­rä­te der Lan­des­ver­bän­de. Der re­li­giö­se Bei­rat des je­wei­li­gen Lan­des­ver­bands fun­giert au­to­ma­tisch als Kon­troll­gre­mi­um je­der Ge­mein­de aus der Re­gi­on. „Die Be­ra­tung hat Emp­feh­lungs­cha­rak­ter für na­tür­li­che Per­so­nen und ist bin­dend für die Ge­mein­de“, heißt es in der Sat­zung der Di­tib-Ge­mein­de aus Düs­sel­dorf. Der Re­li­gi­ons­bei­rat kann et­wa dem Ge­mein­de­vor­stand vor Ablauf von des­sen Amts­zeit das Miss­trau­en aus­spre­chen. Ist das der Fall, ist laut Sat­zung ein neu­er Vor­stand zu bil­den.

„Die Di­tib-Ge­mein­den, aber auch die Ju­gend­ver­bän­de ha­ben ge­ne­rell we­nig Mit­spra­che­recht“, sagt Su­san­ne Schrö­ter, Lei­te­rin des Frank­fur­ter For­schungs­zen­trums Glo­ba­ler Is­lam: „In al­len wich­ti­gen Gre­mi­en der Di­tib sind Ver­tre­ter der tür­ki­schen Re­li­gi­ons­be­hör­de Diya­net stimm­be­rech­tigt und in der Mehr­zahl. Al­les wird al­so letz­ten En­des von An­ka­ra kon­trol­liert. Da­durch wird es qua­si un­mög­lich, Re­for­men durch­zu­set­zen.“

Doch spä­tes­tens seit den Spit­zel­vor­wür­fen ge­gen die Di­tib wer­den die Ru­fe aus der Po­li­tik nach ei­ner Re­form des Ver­bands lau­ter. Die künf­ti­ge schwarz­gel­be NRW-Lan­des­re­gie­rung fin­det deut­li­che Wor­te: Man wer­de mit der Di­tib so wie bis­her nicht wei­ter­ma­chen, sagt der stell­ver­tre­ten­de FDP-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Joa­chim Stamp, der für die kom­men­de Le­gis­la­tur­pe­ri­ode als In­te­gra­ti­ons­mi­nis­ter im Gespräch ist. „Mit die­ser Kas­te von Funk­tio­nä­ren ist kei­ne ver­nünf­ti­ge In­te­gra­ti­ons­po­li­tik zu ma­chen“, sagt Stamp. Dies ha­be ge­ra­de erst der Di­tib-Boy­kott ge­gen den Köl­ner Frie­dens­marsch der Mus­li­me ge­gen is­la­mis­ti­schen Ter­ro­ris­mus ge­zeigt.

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