Stra­ßen­so­zi­al­ar­bei­ter mit viel Herz

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES -

(oes) Ha­jo war ge­ra­de mal 14, als ihm als äl­tes­tem Kind die Rol­le als Er­näh­rer der sechs­köp­fi­gen Fa­mi­lie Sie­mes in Gre­frath zu­fiel. Sein Va­ter war 1949 an ei­nem Kriegs­lei­den ge­stor­ben, elf Jah­re spä­ter starb auch der Stief­va­ter. Und Mut­ter He­le­ne Sie­mes stand nun mit ih­ren fünf Kin­dern al­lei­ne da. „Wir ha­ben die Ma­schi­nen und Ge­rä­te aus un­se­rem Land­wirt­schafts­be­trieb ver­kauft. Und mit dem, was ich bei mei­ner Leh­re zum In­dus­trie­kauf­mann be­kam, sind wir an­fangs ge­ra­de über die Run­den ge­kom­men. Bis zu mei­nem 27. Le­bens­jahr ha­be ich al­les Geld an die Fa­mi­lie ab­ge­ge­ben, bis auch mein jüngs­ter Bru­der die Leh­re ab­ge­schlos­sen hat­te“, er­zählt Sie­mes.

Er hat­te es schon mit 23 zum Ab­tei­lungs­lei­ter im Textilunternehmen Gre­ve­lour ge­bracht. Nun aber woll­te er stu­die­ren, mach­te an der Abend­schu­le Fach­ab­itur, stu­dier­te in Mön­chen­glad­bach So­zi­al­päd­ago­gik und be­gann 1980 beim Bis­tum Aa­chen als Ju­gend­be­auf­trag­ter im De­ka­nat Mön­chen­glad­bach-Ost (Hard­ter­b­roich, Pesch, Lür­rip).

„Die­se 26 Jah­re wa­ren ei­ne sehr glück­li­che Zeit. Ich ha­be als Stra­ßen­so­zi­al­ar­bei­ter un­ter an­de­rem die Öku­me­ni­sche Ju­gend­ar­beit Ei­cken ins Le­ben ge­ru­fen, fünf Jah­re mit jun­gen Russ­land­aus­sied­lern in Wick­rath ge­ar­bei­tet, in meh­re­ren Pfar­ren als Ju­gend­be­auf­trag­ter die KJG auf­ge­baut oder un­ter­stützt und mit be­nach­tei­lig­ten Ju­gend­li­chen in Oden­kir­chen Treff­punkt­ar­beit ge­macht. Und zum Schluss die tol­le Ar­beit in der Ju­gend­wer­k­ein­rich­tung Öko­müh­le in Oden­kir­chen.“Dort be­ka­men Ju­gend­li­che oh­ne Schul­ab­schluss die Chan­ce, in drei Werk­be­rei­chen zu ar­bei­ten und gleich­zei­tig den Haupt­schul­ab­schluss nach­zu­ma­chen.

Lei­der mit ei­nem bit­te­ren En­de: 2004 wur­de die Öko­müh­le vom Bis­tum ge­schlos­sen. Ha­jo Sie­mes kün­dig­te und ei­nig­te sich schließ­lich mit dem Bis­tum auf ei­ne Lö­sung, die ihm den Ein­tritt in die Ren­te mit 60 Jah­ren er­mög­lich­te. „Noch heu­te spre­chen mich die nun er­wach­se­nen Men­schen über die da­ma­li­ge Zu­sam­men­ar­beit an. Ich ha­be die jun­gen Men­schen ,ge­liebt’ und sie an­ge­nom­men, wie sie sind. Dies hat auch den Er­folg in mei­ner Ar­beit aus­ge­macht“, sagt er heu­te.

„Ak­ti­on Flü­gel­nuss“der Grü­nen im März 2017 vor der Kai­ser-Fried­rich-Hal­le Bo­ris Wol­kow­ski, Gerd Scha­eben, Le­na Zings­heim, Sie­mes und Karl Sas­serath.

FO­TO: DEWIES

Pla­kat­ak­ti­on auf zu­be­to­nier­ten Bän­ken: der jun­ge Rats­herr Ha­jo Sie­mes 1989 vor dem Bahn­hof.

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