Elek­tro­ni­sches im Mu­se­umsca­fé

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR - VON CHRIS­TI­AN OS­CAR GAZSI LAKI

Mit dem ge­bür­ti­gen Mön­chen­glad­ba­cher Tho­mas Brink­mann prä­sen­tier­te die En­sem­blia ei­nen pro­mi­nen­ten Ver­tre­ter der Elek­tro­ni­schen Mu­sik.

Elek­tro­ni­sche Klang­kunst weckt vie­le As­so­zia­tio­nen, lässt nie­man­den wirk­lich kalt. Der Hauch Fu­tu­ris­mus, die mal uto­pisch, mal dys­to­pisch an­mu­ten mag, liegt in ih­rer Na­tur. Vor al­lem aber durch die Fan­ta­sie der Zu­hö­rer, die sie mit ih­ren Hör­ge­wohn­hei­ten fil­tern, er­öff­net sie Per­spek­ti­ven. Ob nun, in­dem sie da­zu ani­miert sich in Fan­ta­sie­wel­ten fal­len­zu­las­sen, Un­be­ha­gen zu emp­fin­den, ob sie eu­pho­ri­siert, oder sich in die Tie­fen des lim­bi­schen Sys­tems hin­ein­frisst, ist sie von Kön­nern ge­macht, ent­puppt sich Elek­tro­ni­sche Mu­sik, als ein be­son­ders mar­kan­ter Weg mu­si­ka­li- schen Aus­drucks. Auch die En­sem­blia ist ge­schaf­fen, um Per­spek­ti­ven zu öff­nen. Es liegt in ih­rer Na­tur, Gren­zen Gren­zen sein zu las­sen und äs­the­ti­sche Er­fah­run­gen mit­ein­an­der in Dia­log zu set­zen.

Ein be­son­ders ge­lun­ge­nes Bei­spiel für bei­des, so­wohl die Ziel­rich­tung der En­sem­blia, als auch für Elek­tro­ni­sche Mu­sik, war nun in den Räu­men des Mu­se­ums Ab­tei­berg zu er­le­ben. Mit dem ge­bür­ti­gen Mön­chen­glad­ba­cher Tho­mas Brink­mann prä­sen­tier­te man ei­nen aus­ge­spro­chen pro­mi­nen­ten Ver­tre­ter die­ser Klang­welt. Ein char­man­ter Zu­fall, dass wet­ter­be­dingt das Ri­si­ko zu hoch er­schien, das Klang-Event auf der Plat­ten­ebe­ne des Mu­se­ums zu ver­an­stal­ten, die Al­ter­na­ti­ve – das Park­haus Ab­tei­berg – zu­gleich aus or­ga­ni­sa­to­ri­schen Grün­den nicht in Fra­ge kam. Denn so fiel die Wahl auf das Mu­se­umsca­fé – für den Klang­rausch aus­ge­rüs­tet durch Ex­act Event­tech­nik. (Es le­be der Les­lie-Laut­spre­cher!)

Das Ca­fé mit sei­ner äs­the­ti­schen An­mu­tung – ir­gend­wo zwi­schen Dis­neys Ep­cot-Vi­si­on, und Clock­work Oran­ge – bot ei­ne in­spi­rie­ren­de Lo­ca­ti­on für die kunst­vol­len Sounds Brink­manns und sei­ner Freun­de. Nicht nur, dass die Ar­chi­tek­tur gut mit der Mu­sik har­mo­niert. Auch der Um­stand, dass die Bli­cke auf die Ex­po­na­te der Aus­stel­lung „Stretch“von Alexandra Bircken of­fen wa­ren, sich Räu­me, Kunst und Klän­ge zu dich­ten As­so­zia­ti­ons­ket­ten ver­schmol­zen, mach­te die­sen Abend aus.

Klang­lich durf­te man sich ne­ben Brink­manns Kunst, die aus ma­ni­pu­lier­ten LPs, viel tech­ni­scher Ma­gie und en­er­ge­tisch pul­sie­ren­de Beats zu kom­ple­xen Ge­we­ben ver­dich­tet, auch auf Oren Am­bar­chi freu­en, der mit ver­frem­de­ten E-Gi­tar­ren Ak­zen­te als Duo-Part­ner setz­te. Bei­de zu­sam­men schu­fen, durch Mark und Bein ge­hen­de, dy­na­mi­sche Struk­tu­ren vol­ler Span­nung und Freu­de am Bruch, am spek­tra­lem Klang­dis­kurs. Aber auch mit ei­nem sub­ti­len Schuss Poe­sie.

Poe­ti­sches war zu­vor auch schon beim Auf­tritt der Ka­na­die­rin Crys Co­le in Rein­kul­tur zu er­le­ben. Sie form­te aus Ge­räusch-Auf­nah­men im Geis­te der Mu­si­que Con­crè­te und mit ei­nem Mi­kro­fon – li­ve – ei­ne in­nig-in­tro­spek­ti­ve Klang­welt, die den Hö­rer zum In­ne­hal­ten und Auf­hor­chen zwang. Rei­ne DJ-Kunst lie­fer­te schließ­lich Frank Dom­mert, der das Kon­zert nicht min­der kunst­voll aus­klin­gen ließ.

Und das al­les bei ei­nem mun­ter fluk­tu­ie­ren­den, bunt ge­misch­ten Pu­bli­kum. Das war En­sem­blia pur.

RP-FO­TO: JÖRG KNAP­PE

Das Mu­se­umsca­fé bot ei­ne in­spi­rie­ren­de Lo­ca­ti­on für die kunst­vol­len Sounds von Tho­mas Brink­mann und sei­nen Freun­den.

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