Bo­rus­sia braucht wie­der ih­re al­te Heim­stär­ke

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - SPORT LOKAL - VON KARS­TEN KEL­LER­MANN

Nur drei­mal seit dem Um­zug in den Bo­rus­sia-Park hol­te Glad­bach im ei­ge­nen Sta­di­on we­ni­ger Punk­te als in der ver­gan­ge­nen Sai­son. Da­heim wur­den vie­le Chan­cen, et­wa ei­ne bes­se­re End­plat­zie­rung oder das DFB-Po­kal­fi­na­le, ver­spielt. Da­für gibt es ver­schie­de­ne Grün­de.

Wenn Bo­rus­si­as Ma­na­ger Max Eberl über die At­mo­sphä­re im Bo­rus­si­aPark re­det, kommt er stets auf das Re­le­ga­ti­ons-Heim­spiel ge­gen den VfL Bochum vor sechs Jah­ren zu spre­chen. „Die Fan-Ge­sän­ge ab der 65. Mi­nu­te ha­ben uns Kraft ge­ge­ben. Die­ser Zu­sam­men­halt hat uns in der Li­ga ge­hal­ten“, sag­te Eberl zu­letzt noch ein­mal im In­ter­view mit „mit­ge­dacht-block.de“. „Das, was ge­gen Bochum pas­siert ist, hat uns al­les er­mög­licht, was da­nach kam“, mahn­te Eberl.

Max Eberl

Bo­rus­sia tat sich schwer an je­nem Abend, an dem es um al­les ging, und Spaß hat den Fans das zä­he Ge­ki­cke nicht ge­macht. Doch ir­gend­wann kam der Sup­port mit gro­ßer Macht. Das weck­te die Le­bens­geis­ter der Ab­stiegs­kämp­fer. Als Igor de Ca­mar­go dann mit sei­nem selt­sa­men Kunst­schuss traf, brach es her­aus: Der Bo­rus­sia-Park beb­te, in die­sem Mo­ment war der My­thos wirk­lich und to­tal an­ge­kom­men im neu­en Sta­di­on. Es war die Initi­al­zün­dung für den Auf­schwung.

Der Bo­rus­sia-Park war in den Jah­ren da­nach kein schö­ner Ort für Gäs­te-Teams. 34 Punk­te hol­te Bo­rus­sia in der Sai­son 2011/12, 29 im Jahr dar­auf, 36 in der Spiel­zeit 2013/ 2014, in der fol­gen­den Sai­son 39 und dann so­gar 40. Das war die Ba­sis für den Auf­schwung, für die fast stän­di­ge Prä­senz in Eu­ro­pa seit 2012. Doch in der ver­gan­ge­nen Sai­son war das hei­mi­sche Sta­di­on kei­ne Fe­s­tung mehr. Nur 26 Punk­te hol­te Glad­bach im ei­ge­nen Wohn- zim­mer, so we­nig wie seit der Re­le­ga­ti­ons­sai­son 2010/2011 nicht mehr. Da wa­ren es 18 Punk­te, das ist der Ne­ga­tiv­wert seit dem Um­zug in den Bo­rus­sia-Park 2004. In der Ab­stiegs­sai­son 2006/07 wa­ren es 21 Zäh­ler, in der Spiel­zeit nach dem Wie­der­auf­stieg 19.

Bo­rus­sia zeig­te in der ab­ge­lau­fe­nen Spiel­zeit zwei Ge­sich­ter in der Hin- und Rück­run­de. Im ers­ten Sai­son­teil war die Bi­lanz der Di­enst­rei­sen mi­se­ra­bel, nur ei­nen von 16 Punk­ten sam­mel­te Bo­rus­sia in den ers­ten 16 Spie­len ein, nach dem Trai­ner­wech­sel füg­te Die­ter He­cking ei­nen zwei­ten hin­zu. Dann gab es die ko­per­ni­ka­ni­sche Wen­de in der Rück­run­de: 17 Aus­wärts­punk­te hol­te Glad­bach, da­heim gab es nur noch elf.

Die tolls­ten Spie­le gab es in der ver­gan­ge­nen Sai­son al­le aus­wärts: Das 2:0 in der Cham­pi­ons Le­ague in Glas­gow, das 4:2 in Flo­renz in der Eu­ro­pa Le­ague und die 3:2-Sie­ge in Le­ver­ku­sen und Köln. Im ei­ge­nen Sta­di­on gab es in­des die größ­ten Ent­täu­schun­gen. Das Eu­ro­pa-Le­ague-Aus ge­gen Schal­ke, bei dem ei­ne 2:0-Füh­rung ver­spielt wur­de. Und das Po­kal-Aus im Elf­me­ter­schie­ßen ge­gen Frank­furt im Halb­fi­na­le. Die The­se sei er­laubt: Hät­te Bo­rus­sia im Po­kal-Halb­fi­na­le ein Aus­wärts­spiel ge­habt, wä­re sie nach Ber­lin ge­fah­ren. In der Schluss­pha­se der Bun­des­li­ga hol­te Bo­rus­sia aus­wärts vier Punk­te, aber nur zwei Zäh­ler da­heim wa­ren zu we­nig, um die letz­te Eu­ro­pa-Chan­ce zu nut­zen. Das Mehr, das mög­lich war in der Sai­son, wur­de wohl da­heim ver­spielt.

Es gibt di­ver­se Grün­de für die­se Heim­schwä­che. Die Kon­se­quenz fehl­te, hin­ten wie vorn. Es war in der Hin­run­de stets Er­folgs­druck da, weil in der Frem­de nicht ge­punk­tet wur­de. Dem hiel­ten die Bo­rus­sen ab dem 0:0 ge­gen den HSV mit den zwei ver­schos­se­nen Elf­me­tern nicht mehr stand. Ku­ri­os war in­des, dass die Glad­ba­cher, als in der Rück­run­de das Selbst­ver­trau­en wie­der da war, wei­ter­hin da­heim ih­re Pro­b­le- me hat­ten (al­ler­dings ka­men auch al­le Top-Teams in den Bo­rus­si­aPark: Leip­zig, Bay­ern, BVB). Da­für war auch das Stim­mungs­tief im Sta­di­on mit­ver­ant­wort­lich, glaubt Eberl. Spie­le wer­den auf dem Ra­sen ver­lo­ren und nicht in der Kur­ve. Doch kann ei­ne Wohl­füh­l­at­mo­sphä­re hel­fen. Eberl sagt: „Na­tür­lich be­kom­men die Jungs das mit. Die Mann­schaft hat in letz­ter Zeit zu Hau­se schlech­ter ge­spielt als aus­wärts. Weil sie sich fragt: Mo­ment, was ist denn hier ge­ra­de los? War­um ru­mort es? Das hat uns be­las­tet.“

Das soll in der neu­en Sai­son an­ders wer­den. Heim­spie­le sol­len nicht mehr Last, son­dern wie­der Lust sein. „Un­se­re gro­ße Stär­ke im Bo­rus­sia-Park war im­mer die Ge­schlos­sen­heit un­se­rer Fan­sze­ne. Das war ein Boll­werk, das un­se­re Mann­schaft ge­tra­gen hat“, sag­te Ge­schäfts­füh­rer Ste­phan Schip­pers im In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Es gibt Ge­sprä­che mit der Fan­sze­ne, „um al­le zu­sam­men wie­der auf ei­nen ge­mein­sa­men Nen­ner zu brin­gen“. Bo­rus­sia hofft künf­tig auf ein Stim­mungs­hoch.

Das Team muss mit en­ga­gier­ten Leis­tun­gen sei­nen Teil da­zu bei­tra­gen. Na­tür­lich hat der Er­folg die An­sprü­che stei­gen las­sen, na­tür­lich spü­ren ge­ra­de die vie­len jun­gen Spie­ler die Ver­ant­wor­tung, für ei­nen Ver­ein wie Glad­bach zu spie­len, mehr im ei­ge­nen Sta­di­on als aus­wärts. Sie müs­sen ler­nen, da­mit um­zu­ge­hen. Auch dar­an wird Trai­ner Die­ter He­cking ar­bei­ten. Sein Um­schalt­fuß­ball passt si­cher­lich bes­ser zu Aus­wärts­spie­len, die Bo­rus­sen müs­sen beim heim­spiel­ty­pi­schen Ball­be­sitz­spiel ziel­stre­bi­ger und ef­fek­ti­ver wer­den. Den po­si­ti­ven Trend in der Frem­de, den es in der Rück­run­de gab, be­stä­ti­gen, und da­heim wie­der zu al­ter Stär­ke fin­den. Sich dort wie­der pu­del­wohl zu füh­len – das wä­re durch­aus ei­ne Ba­sis für die Rück­kehr nach Eu­ro­pa.

„Na­tür­lich be­kom­men

die Jungs das mit. War­um ru­mort es? Das

hat uns be­las­tet.“

Ma­na­ger Bo­rus­sia

FO­TO: ANDRE­AS KREBS

Die Fans stan­den auch in die­ser Sai­son hin­ter ih­rer Bo­rus­sia – hier beim Halb­fi­na­le im DFB-Po­kal ge­gen Ein­tracht Frank­furt, das im Elf­me­ter­schie­ßen ver­lo­ren wur­de. Das war ei­ne der gro­ßen Chan­cen, die da­heim ver­spielt wur­den.

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