Grund­buch­ein­trag – ge­mein­sam oder nicht?

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - RÄTSEL - VON MO­NI­KA HIL­LE­MA­CHER

Das ge­mein­sa­me Zu­hau­se hat für vie­le Paa­re ei­nen sehr ho­hen Stel­len­wert. Die recht­li­che Ab­si­che­rung ist da­her für bei­de Sei­ten wich­tig.

Der Kauf des Ei­gen­heims ist für Paa­re die größ­te fi­nan­zi­el­le Ge­mein­schafts­auf­ga­be. Im Vor­feld wol­len zahl­rei­che Fra­gen be­ant­wor­tet sein. Da­zu ge­hört nicht nur, wie viel Im­mo­bi­lie fürs Geld drin ist, son­dern auch die, wer den Kre­dit­ver­trag un­ter­schreibt und als Ei­gen­tü­mer im Grund­buch steht. Die wirt­schaft­li­che und recht­li­che Ab­si­che­rung bei­der Part­ner für den Fall, dass es knirscht, will mit­be­dacht sein.

Die meis­ten Men­schen brau­chen zur Fi­nan­zie­rung ih­res Ei­gen­heims ei­nen Kre­dit. Der Ver­trag soll­te „so ge­stal­tet sein, dass er ex­trem viel Fle­xi­bi­li­tät beim Zins­satz und lan­ge Zins­bin­dung bie­tet“, emp­fiehlt Max Herbst von der FMH-Fi­nanz­be­ra­tung. Dies sei wich­ti­ger als die Zins­hö­he, weil das Dar­le­hen der Le­bens­si­tua­ti­on an­ge­passt wer­den kön­ne. „Die Fi­nan­zie­rung muss sich nach dem Le­ben rich­ten, nicht um­ge­kehrt.“Wich­ti­ge Fra­gen und Ant­wor­ten: Wer un­ter­schreibt den Kre­dit­ver­trag bei der ge­mein­sa­men Fi­nan­zie­rung? Prin­zi­pi­ell be­ste­hen Geld­in­sti­tu­te auf Ab­schluss ei­nes ge­mein­sa­men Ver­trags. „Wenn bei­de Part­ner kre­dit­wür­dig sind, soll­ten auch bei­de un­ter- (bü) Kün­di­gung Ist ein Mie­ter mit sei­nen Zah­lun­gen mit zwei Mo­nats­mie­ten im Rück­stand, kann ihm der Ver­mie­ter frist­los kün­di­gen. Dies kann der Mie­ter da­durch ver­hin­dern, dass er die rück­stän­di­ge Mie­te „un­ver­züg­lich“vor Zu­gang des Kün­di­gungs­schrei­bens kom­plett nach­zahlt. Die­sel­be Rechts­fol­ge tritt ein, wenn ein Mie­ter durch Miet­kür­zun­gen be­zie­hungs­wei­se ge­rin­ge­re Zah­lun­gen auf die mo­nat­li­chen Be­triebs­kos­ten-Pau­scha­len ei­nen ent­spre­chend ho­hen Miet­rück­stand ver­ur­sacht ha­ben. (BGH, VIII ZR 263/14) Ei­gen­be­darf Ein Ver­mie­ter, der ei­nem Mie­ter die Woh­nung auf­grund von Ei­gen­be­darf auf­kün­di­gen will, muss nach­voll­zieh­bar dar­le­gen, war­um er die Räu­me be­nö­tigt. Tut er das wäh­rend des vom Mie­ter ge­gen die Kün­di­gung an­ge­streng­ten Kla­ge­ver­fah­rens, so ist das zu spät. Hier ging es in dem Ver­fah­ren au­ßer­dem noch dar­um, dass der Ver­mie­ter zu sei­ner bis­he­ri­gen Wohn­si­tua­ti­on zu un­ge­naue An­ga­ben mach­te, als dass sie das Ge­richt da­von über­zeugt hät­ten, „maß­ge­bend“zu sein. (LG Ber­lin, 67 S 247/16) schrei­ben“, sagt ein Spre­cher des Bun­des­ver­bands der Volks- und Raiff­ei­sen­ban­ken (BVR). Aus Sicht der In­sti­tu­te hat das den Vor­teil, dass sie bei­de in Haf­tung neh­men kön­nen, falls die Fi­nan­zie­rung zu­sam­men­bricht. Es be­steht aber auch die Op­ti­on ge­trenn­ter Kre­di­te. Dann steht je­der Part­ner für den ei­ge­nen Ver­trag ge­ra­de. Die­se Mög­lich­keit wird in der Pra­xis sel­ten ge­nutzt. Ge­hö­ren Kre­dit­ver­trag und Grund­buch­ein­trag zu­sam­men? Nein. Für das Ei­gen­tum ist der Grund­buch­ein­trag maß­ge­bend. Es kann so­mit vor­kom­men, dass ein Part­ner zwar die fi­nan­zi­el­le Last für das Fa­mi­li­en­do­mi­zil trägt, aber das Paar trotz­dem zu­sam­men im Grund­bucht steht und da­mit ge­mein­sam Ei­gen­tü­mer ist. Das Haus ge­hört bei­den zur Hälf­te. Wenn ein Ehe­gat­te die Im­mo­bi­lie al­lein kauft, kann er sich aber auch als al­lei­ni­ger Ei­gen­tü­mer ins Grund­buch ein­tra­gen las­sen.

Wer Ei­gen­tü­mer wer­den soll, be­spre­chen Ehe­paa­re im Vor­feld. Für Eva Be­cker, Vor­sit­zen­de der Ar­beits­ge­mein­schaft Fa­mi­li­en­recht im Deut­schen An­walt­ver­ein (DAV), steht das Wir an ers­ter Stel­le: „In ei­ner gu­ten Part­ner­schaft ge­hen selbst­ver­ständ­lich bei­de ins Grund­buch. Wir sind zu­sam­men arm, wir wer­den zu­sam­men reich.“Üb­li­cher­wei­se ste­hen Paa­re zu glei­chen Tei­len im Grund­buch. Was bringt der ge­mein­sa­me Grund­buch­ein­trag? Der Ein­trag dient der Vor­sor­ge für den ehe­li­chen Kri­sen­fall. Zum ei­nen si­chert ein al­lei­ni- ger Kre­dit­neh­mer sei­ne An­sprü­che an der Im­mo­bi­lie ab. Zum an­de­ren be­kommt der wirt­schaft­lich schlech­ter ge­stell­te Part­ner die Chan­ce, um den Er­halt des Hau­ses zu ver­han­deln und da­durch zum Bei­spiel Kin­dern das Zu­hau­se zu er­hal­ten. „Oh­ne Grund­buch­ein­trag ist man in der schlech­te­ren Ver­hand­lungs­po­si­ti­on“, sagt Fa­mi­li­en­an­wäl­tin Be­cker. Geht es auch oh­ne ge­mein­sa­men Grund­buch­ein­trag? Im Prin­zip schon. Paa­re oh­ne Ehe­ver­trag le­ben im ge­setz­li­chen Gü­ter­stand der Zu­ge­winn­ge­mein­schaft. Das be­deu­tet, dass Ver­mö­gen am En­de der Ehe aus­ge­gli­chen wer­den muss. „Der Ehe­gat­te, der in der Ehe­zeit ei­nen hö­he­ren Ver­mö­gens­zu­wachs hat­te, zahlt die Hälf­te der Dif­fe­renz an den an­de­ren Gat­ten aus“, er­läu­tert Do­mi­nik Hü­ren von der Bun­des­no­tar­kam­mer. Be­rück­sich­tigt wird da­bei auch der Wert der wäh­rend der Ehe er­wor­be­nen Im­mo­bi­lie. Auch wenn nur ein Ehe­gat­te Ei­gen­tü­mer ist, pro­fi­tier­te so in­di­rekt auch der an­de­re von der Im­mo­bi­lie. Für vor der Hoch­zeit ge­kauf­te Im­mo­bi­li­en wer­de der zwi­schen­zeit­li­che Wert­zu­wachs an­ge­setzt.

Hü­ren rät da­zu, sich schon vor dem Hauskauf in Ru­he über die Nut­zungs­rech­te und Kos­ten­tei­lung im Tren­nungs­fall zu ver­stän­di­gen: Wer bleibt in der Woh­nung? Wer kommt für die Fi­nan­zie­rung auf? Ei­ne sol­che Ver­ein­ba­rung soll­te re­gel­mä­ßig dar­auf­hin ge­prüft wer­den, ob sie noch zur Le­bens­si­tua­ti­on passt. Das kann spä­ter Är­ger ver­mei­den.

WOH­NEN & RECHT

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.