Fa­mi­lie will trotz Asyl-Be­trugs An­er­ken­nung

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - NORDRHEIN-WESTFALEN -

MÜNSTER (dpa) Mit ei­nem Be­trug fing es an: Ei­ne Fa­mi­lie aus der Ukrai­ne reis­te im Sep­tem­ber 2014 nach Deutsch­land ein und stell­te ei­nen Asyl­an­trag – als ver­folg­te Flücht­lin­ge aus Sy­ri­en. Das Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) be­stä­tig­te der Fa­mi­lie im März 2015 die An­er­ken­nung. Die Ent­schei­dung traf die Be­hör­de im schrift­li­chen Ver­fah­ren, ei­ne per­sön­li­che An­hö­rung gab es nicht.

Jetzt wird der Fall vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt in Münster ver­han­delt. Denn der Schwin­del flog in der Zwi­schen­zeit auf. Nach dem po­si­ti­ven Be­scheid aus Nürn­berg kam die Fa­mi­lie in ei­ne Flücht­lings­un­ter­kunft ins west­li­che Müns­ter­land. Ge­gen­über an­de­ren Flücht­lin­gen prahl­ten die ukrai­ni­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen, die kein Wort Ara­bisch spre­chen, wie ein­fach es sei, die deut­schen Be­hör­den zu täu­schen.

Das sprach sich bis zum Kreis Bor­ken her­um, wie das Ver­wal­tungs­ge­richt mit­teil­te. Das Aus­län­der­amt in­for­mier­te dar­auf­hin das Bun­des­amt. Mit Be­scheid vom 13. April 2016 wur­de die Ent­schei­dung vom 2. März 2015 zu­rück­ge­nom­men. Da­mit war die An­er­ken­nung als Flücht­lin­ge futsch, der Asyl­an­trag wur­de ab­ge­lehnt. Jetzt klagt die Fa­mi­lie ge­gen die neue Ent­schei­dung und be­ruft sich da­bei auf den Ver­trau­en­schutz. Das Recht zu kla­gen hat die Fa­mi­lie, wie der Spre­cher des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Münster, Ul­rich Lau, be­tont. „Je­der kann sich ge­gen ei­nen be­las­ten­den Ver­wal­tungs­akt weh­ren.“

Das sieht Fa­bi­an Wittreck ge­nau­so. Der Pro­fes­sor für Öf­fent­li­ches Recht und Po­li­tik schränkt aber ein: „Bei dem Fall jetzt am Ver­wal­tungs­ge­richt Münster ist es aber schon un­ver­fro­ren, dass die Klä­ger ver­su- chen, auf die Ent­schei­dung des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge zu po­chen. Denn Aus­gangs­punkt wa­ren ja fal­sche An­ga­ben, da­mit kann sich der Klä­ger nicht auf ei­nen Ver­trau­ens­schutz be­ru­fen.“Chan­cen räumt er der Fa­mi­lie nicht ein. „Wir müs­sen ab­war­ten, ob der Klä­ger noch ein Ass im Är­mel hat. Form­feh­ler oder nicht ein­ge­hal­te­ne Fris­ten könn­ten der Be­hör­de vor­ge­wor­fen wer­den.“

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