Stadt will Wett­bü­ros zur Kas­se bit­ten

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON ANDRE­AS GRUHN

Mön­chen­glad­bach plant die Ein­füh­rung ei­ner Wett­bü­ro­steu­er noch in die­sem Jahr, wenn das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sie nicht noch ver­bie­tet. Der Er­trag wä­re mit 45.000 Eu­ro Ein­nah­men im Jahr aber über­schau­bar.

Auf Wett­bü­ros in Mön­chen­glad­bach könn­te schon bald ei­ne neue Ab­ga­be zu­kom­men. Denn das Rat­haus er­wägt die Ein­füh­rung ei­ner Wett­bü­ro­steu­er und hat da­für auf An­trag der Lin­ken vom ver­gan­ge­nen No­vem­ber nun ei­ne de­tail­lier­te Ein­schät­zung vor­ge­legt. Bei 15 Wett­bü­ros in Glad­bach und ei­ner an­ge­nom­me­nen Steu­er wie in Dort­mund (mo­nat­lich 12,50 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter Flä­che) könn­te die Stadt bei vor­sich­ti­ger Schät­zung dem­nach mit jähr­lich min­des­tens 45.000 Eu­ro an Steu­er­ein­nah­men rech­nen. Die Steu­er wür­de für Wett­bü­ros an­fal­len, in de­nen Sport- und Pfer­de­wet­ten an­ge­ho­ben wer­den und die ne­ben der blo­ßen An­nah­me von Wett­schei­nen auch an­bie­ten, die Wet­ter­eig­nis­se live an­zu­schau­en – et­wa im Fern­se­hen oder im In­ter­net. 13 gro­ße und mit­tel­gro­ße Städ­te in NRW ha­ben ei­ne sol­che Steu­er be­reits ein­ge­führt, dar­un­ter Düs­sel­dorf, Kre­feld und Vor­rei­ter Hagen.

Käm­me­rer Bernd Ku­ckels leg­te das Pa­pier in der jüngs­ten Sit­zung des Fi­nanz­aus­schus­ses vor, al­ler­dings gab es kei­ne Be­ra­tung da­zu. Denn ei­ne Ent­schei­dung hat­ten die Po­li­ti­ker noch gar nicht zu tref­fen. Die fällt En­de die­ser Wo­che näm­lich vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit Sitz in Leip­zig. Dort wird in letz­ter In­stanz ei­ne Kla­ge von drei Wett­bü­ro­be­trei­bern ge­gen die Wett­bü­ro­steu­er in Dort­mund ver­han­delt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Münster hat­te die Steu­er für zu­läs­sig er- klärt, da­vor auch schon das NRWIn­nen­mi­nis­te­ri­um. Soll­te das Leip­zi­ger Ge­richt das eben­so se­hen, will die Ver­wal­tung dem Rat die Ein­füh­rung ei­ner Wett­bü­ro­steu­er vor­schla­gen.

Denn fi­nan­zi­ell lohnt sie sich durch­aus, was für ei­nen Käm­me­rer das wich­tigs­te Ent­schei­dungs­kri­te­ri­um ist. Bei 45.000 Eu­ro Ein­nah­men im Jahr ist zwar un­wahr­schein­lich, dass bald im Rat­haus gol­de­ne Was­ser­häh­ne ein­ge­baut wer­den kön­nen. Im Ver­gleich da­zu brach­te et­wa die Zweit­woh­nungs­steu­er im ver­gan­ge­nen Jahr 140.000 Eu­ro, die Ver­gnü­gungs­steu­er 5,4 Mil­lio­nen Eu­ro und die Hun­de­steu­er knapp 1,9 Mil­lio­nen Eu­ro.

Den­noch blie­be un­term Strich ein Plus, weil der fi­nan­zi­el­le Auf- wand für die Stadt bei ei­ner Wett­bü­ro­steu­er über­schau­bar ist. Der Fach­be­reich Steu­ern und Grund­be­sitz­ab­ga­ben bräuch­te ein­mal ei­ne neue Ver­an­la­gungs­soft­ware. Die lau­fen­de Steu­er­er­he­bung kön­ne wohl mit den vor­han­de­nen Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten ab­ge­deckt wer­den. Für die Po­li­tik ist da­mit auch klar: Soll­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Steu­er nicht kip­pen, wird sie auch in Mön­chen­glad­bach ein­ge­führt wer­den. „Ich ge­he da­von aus, dass wir im Rah­men der Haus­halts­be­ra­tun­gen ei­ne ent­spre­chen­de Vor­la­ge be­kom­men wer­den. Und dann wer­den wir das auch so be­schlie­ßen“, sagt der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Fe­lix Hein­richs. „Das Geld kann die Stadt gut ge­brau­chen.“

In ih­rem An­trag vom ver­gan­ge­nen Jahr hat­te die Lin­ke al­ler­dings auch gleich ei­nen Ver­wen­dungs­zweck für die Steu­er­ein­nah­men mit an­ge­ge­ben: Die Mehr­ein­nah­men soll­ten zur prä­ven­ti­ven Sucht­be­kämp­fung ein­ge­setzt wer­den. Das hält Hein­richs in­des für schwie­rig: „Die Idee ist gut, aber wir kön­nen Steu­ern ja nicht zweck­ge­bun­den er­he­ben. Am En­de lan­det al­les im Haus­halt, und der muss aus­ge­gli­chen sein.“

Ab­ge­se­hen da­von be­tont die Stadt in ih­rer Be­ra­tungs­vor­la­ge auch, dass ei­ne Wett­bü­ro­steu­er Glücks­spiel und Spiel­sucht ein­ge­dämmt wer­de, in dem wei­te­re An­sied­lun­gen neu­er Wett­bü­ros ver­hin­dert wür­den. „Die Stadt könn­te kon­kret ei­nen Len­kungs­zweck ver­fol­gen.“

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