Hel­mut-Kohl-Stra­ße für Mön­chen­glad­bach?

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON DE­NI­SA RICH­TERS

Die GroKo-Run­de aus CDU und SPD im Rat­haus dis­ku­tiert heu­te, ob der Alt­kanz­ler ge­wür­digt wird.

Stirbt ein nam­haf­ter Po­li­ti­ker, so ist der Ruf nach ei­ner Wür­di­gung durch die Be­nen­nung ei­ner Stra­ße, ei­nes Plat­zes, von Flug­hä­fen oder Schu­len nicht weit. We­ni­ge Ta­ge nach dem Tod des Alt­kanz­lers Hel­mut Kohl wird auch in Mön­chen­glad­bach de­bat­tiert, den Christ­de­mo­kra­ten mit ei­ner Stra­ße oder ei­nem Platz zu be­nen­nen. Auf­ge­wor­fen hat die Fra­ge In­for­ma­tio­nen un­ser Re­dak­ti­on zu­fol­ge der CDURats­herr Wolf­gang Wolff in ei­nem so­zia­len Netz­werk. Heu­te wird es The­ma in der GroKo-Run­de aus CDU und SPD, aber auch in der Sit­zung der CDU-Frak­ti­on sein.

Gün­ther Krings, Chef der CDU in Glad­bach, be­grüßt den Vor­stoß. „Die­se Ent­schei­dung wä­re we­ni­ge Ta­ge nach sei­nem Tod si­cher­lich ver­früht“, sagt Krings. Grund­sätz­lich sei es aber ei­ne gu­te Idee, ei­ne Stra­ße oder ei­nen Platz nach Hel­mut Kohl zu be­nen­nen. „Als Kanz­ler der Ein­heit und we­sent­li­cher Ar­chi­tekt der eu­ro­päi­schen Ei­ni­gung ver­dient er auch in un­se­rer Stadt ei­ne an­ge­mes­se­ne Wür­di­gung.“Fe­lix Hein­richs, Chef der SPD-Rats­frak­ti­on, schließt das nicht prin­zi­pi­ell aus, warnt aber auch: „Stra­ßen­be­nen­nun­gen sind in Mön­chen­glad­bach nicht im­mer glück­lich ge­we­sen“, das zei­ge die Dau­er-De­bat­te um ei­ne Um­be­nen­nung der Let­to­wVor­beck-Stra­ße. De­ren Na­mens­ge­ber, Paul von Let­tow-Vor­beck, soll An­fang des 20. Jahr­hun­derts an Mas­sa­kern im heu­ti­gen Na­mi­bia be­tei­ligt ge­we­sen sein. Bis­her hat die im­mer wie­der be­an­trag­te Um­be­nen­nung kei­ne Mehr­heit in den po­li­ti­schen Gre­mi­en ge­fun­den. „Ich will Hel­mut Kohl nicht da­mit ver­glei­chen“, be­tont Hein­richs. Man müs­se sich aber be­wusst sein, dass Stra­ßen­na­men nach Per­so­nen in spä­te­ren Zei­ten kri­ti­scher ge­se­hen wer­den kön­nen. Au­ßer­dem müss­te man auch über­le­gen, Stra­ßen nach an­de­ren Bun­des­kanz­lern, kon­kret Wil­ly Brandt und Hel­mut Schmidt, zu be­nen­nen: „Viel­leicht ma­chen wir ein Kanz­ler­vier­tel.“

Das schließt Jo­chen Klen­ner, CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter, nicht prin­zi­pi­ell aus: „Dar­über könn­te man nach­den­ken, falls Hel­mut Kohl ge­ehrt wür­de.“Das al­ler­dings sieht Klen­ner skep­tisch. Zum ei­nen kom­me die De­bat­te zu ei­nem zu frü­hen Zeit­punkt. Aber es feh­le auch der di­rek­te Be­zugs Kohls zu Mön­chen­glad­bach. Kohl sei ein „her­aus­ra- gen­der Staats­mann ge­we­sen – er wird si­cher­lich über­re­gio­nal in Bonn und Ber­lin, in sei­ner Ge­burts­stadt und an­de­ren Städ­ten mit di­rek­tem Be­zug ge­wür­digt wer­den“. Es sei zu über­le­gen, „ob wir uns hier nicht auf die Per­so­nen der ei­ge­nen Stadt­ge­schich­te aus Po­li­tik und Ge­sell­schaft kon­zen­trie­ren soll­ten – dies trägt ja auch zur städ­ti­schen Iden­ti­tät bei“. Soll­te man sich doch für ei­ne Wür­di­gung ent­schei­den, so Klen­ner, sol­le es kei­ne Um­be­nen­nung ei­ner Stra­ße sein, son­dern ein zen­tra­ler Platz. Ei­ne Wür­di­gung des Ein­heits-Kanz­lers kön­ne auch die Be­nen­nung ei­nes „Plat­zes der Deut­schen Ein­heit“sein.

FO­TO: CDU MG

Das An­kün­di­gungs­pla­kat für Hel­mut Kohl aus dem Jahr 1985.

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