Beim Le­sen neue We­ge ge­hen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON MA­RI­ON LISKEN-PRUSS

Das Literatur-Fes­ti­val „Kor­schen­broich liest“ist längst Be­stand­teil im Kul­tur­le­ben der Stadt. Im Foy­er der Spar­kas­se reis­te das Duo Sa­go zum Ver­an­stal­tungs­auf­takt quer durch Eu­ro­pa – und nahm fast je­des Land auf die Schip­pe.

KOR­SCHEN­BROICH – „Neue We­ge“lau­tet das Mot­to der neun­ten Auf­la­ge von „Kor­schen­broich liest“. Nach­dem das Literatur-Fes­ti­val 2008 im Rah­men ei­ner Kin­der­buch­aus­stel­lung ge­star­tet war, ist es längst zu ei­nem fes­ten Be­stand­teil im Kor­schen­broi­cher Kul­tur­le­ben ge­wor­den. 2016 zähl­te es mehr als 2.800 Be­su­cher. Das ist für Ide­en­ge­be­rin und Initia­to­rin Ri­ta Miel­ke der Be­weis, dass ein Le­se­fes­ti­val nicht nur in ei­ner Groß­stadt funk­tio­nie­ren kann, son­dern auch auf dem Land. Wo­bei es in Kor­schen­broich per­sön­li­cher zu­geht als zum Bei­spiel in Düs­sel­dorf. Das zeig­te sich in der Er­öff­nungs­re­de von Spar­kas­sen-Chef Diet­mar Mit­tel­städt, der das Mot­to „Neue We­ge“auch auf sich be­zog: Wenn er im Herbst in Pen­si­on geht, stün­den für ihn auch neue We­ge an, sag­te er be­wegt. Und das be­deu­te, al­te Ge­wohn­hei­ten ab­zu­le­gen, Ent­schei­dun­gen zu tref­fen und so mu­tig zu sein, Un­be­kann­tem ent­ge­gen­zu­tre­ten. Bür­ger­meis­ter Marc Ven­ten be­dank­te sich bei ihm als Freund und Un­ter­stüt­zer des Le­se-Fes­ti­vals. In sei­ner An­spra­che be­zeich­ne­te Ven­ten die Di­gi­ta­li­sie­rung als drit­te Re­vo­lu­ti­on, bei der ei­nes wich­tig blie­be: das Le­sen – und sei es von WhatsApps oder EBooks. Für Ans­gar He­ve­ling, Vor­sit­zen­der des In­nen­aus­schus­ses und von „Kor­schen­broich liest“, wirft je­der Buch­ti­tel ein Schlag­licht auf neue We­ge. Vor rund 150 Zu­hö­rern spann­te Ri­ta Miel­ke dann den Bo­gen zum Pro­gramm des Li­te­ra­turFes­ti­vals: Auch der er­folg­rei­che Tro- pen­for­scher Wolf Kü­per ha­be neue We­ge ein­ge­schla­gen, als er sich ge­gen sei­ne Kar­rie­re ent­schied, um lie­ber mit sei­ner an ei­ner sel­te­nen Krank­heit lei­den­den Toch­ter ei­ne Mil­li­on Mi­nu­ten zu ver­brin­gen. Wolf Kü­per kommt am 5. Ju­li nach Kor­schen­broich.

„Ein ‚Wei­ter so‘ be­deu­tet Still­stand. Wir brau­chen Träu­me, Per­spek­ti­ven und Vi­sio­nen. Da­bei dient die Literatur als Seis­mo­graph der Ge­sell­schaft“, sag­te Ri­ta Miel­ke. Dass man auch beim Rei­sen neue We­ge be­schrei­tet, mach­te an­schlie­ßend das Duo Sa­go aus Es­sen hu- mor­voll und fein­sin­nig deut­lich. Die Schau­spie­ler und Sän­ger Isa­bel San­dig und Ralf Got­tes­le­ben reis­ten quer durch Eu­ro­pa und nah­men je­des Land auf die Schip­pe: Die Dä­nen sprä­chen, als hät­ten sie ei­ne hei­ße Kar­tof­fel im Mund, die Ös­ter­rei­cher sei­en zu lang­sam, um Schne­cken zu fan­gen, und die Fran­zo­sen wür­den ak­tu­ell von ei­nem „Ma­crön­chen“re­giert. „Ma­kro­nen es­se ich ger­ne“, stell­te Ralf Got­tes­le­ben fest, der Isa­bel San­dig am Kla­vier be­glei­te­te. Kli­schees be­dien­te das Duo in sei­nen Chan­sons aber nicht, son­dern hielt den Län­dern lo- cker und sym­pa­thisch ei­nen Spie­gel vor: „May­day, May­day“, sang Isa­bel San­dig, als es um En­g­land ging. In der Schweiz an­ge­kom­men, ver­lang­te sie in Schwei­zer­deutsch nach dem Per­so­nal­aus­weis und gab den Zu­hö­rern zu be­den­ken, dass man Geld­an­la­gen nicht mit­neh­men kön­ne, wenn man auf dem Kirch­hof ge­lan­det ist. Die Lan­des­spra­che zu spre­chen sei wich­tig, sag­te die Sän­ge­rin, die sel­ber in min­des­tens fünf Spra­chen sin­gen konn­te. Ei­nen Tipp hat­te das Duo für die Zu­hö­rer noch pa­rat: Neue Spra­chen ler­nen und ins Blaue fah­ren.

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