170 Bus­fah­rer sol­len zu­rück zur NEW

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - REISE&ERHOLUNG - VON ANDREAS GRUHN

Um die Di­rekt­ver­ga­be des Bus­ver­kehrs an die NEW nicht zu ge­fähr­den, holt der Kon­zern ei­nen Groß­teil der bei der Toch­ter West­bus an­ge­stell­ten Fah­rer zu­rück. Ein Über­gangs­ta­rif­ver­trag mit Ver­di soll nun aus­ge­han­delt wer­den.

Der Schritt ist un­ge­wöhn­lich, aber er ist of­fen­bar al­ter­na­tiv­los: Die NEW will ei­nen gro­ßen Teil der bei der ei­ge­nen Toch­ter West­bus be­schäf­tig­ten Bus­fah­rer wie­der zu­rück in den Mut­ter­kon­zern ho­len. Wohl um die 170 Fah­rer von West­bus sol­len wie­der di­rekt bei der NEW be­schäf­tigt wer­den. Wie NEW-Vor­stand Armin Marx un­se­rer Re­dak­ti­on be­stä­tig­te, hat der Auf­sichts­rat den ent­spre­chen­den Auf­trag er­teilt. In Kür­ze sol­len die Ver­hand­lun­gen mit der Di­enst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di über ei­nen Über­gangs­ta­rif­ver­trag be­gin­nen. Wann die ab­ge­schlos­sen sind, ist noch of­fen.

Marx be­ton­te aber auch: „Das West­bus-Mo­dell hat Be­stand.“Das Un­ter­neh­men fährt mit sei­nen ins­ge­samt mehr als 400 Fah­rern nicht nur in Mön­chen­glad­bach, son­dern auch in Kre­feld, Vier­sen und Neuss. Die NEW Mo­bil und ak­tiv Gm­bH – so der ge­naue Na­me der für den Bus­ver­kehr in Mön­chen­glad­bach zu­stän­di­gen Fir­ma – be­schäf­tigt der­zeit knapp un­ter 200 Fah­rer. So­mit wür­de sich die Zahl der di­rekt bei der NEW an­ge­stell­ten Fah­rer auf ei­nen Schlag fast ver­dop­peln. Un­se­re Re­dak­ti­on hat­te be­reits im ver­gan­ge­nen De­zem­ber erst­mals über ent­spre­chen­de Plä­ne bei der NEW be­rich­tet.

Grund ist die an­ge­peil­te Di­rekt­ver­ga­be des Bus­ver­kehrs durch die Stadt an die NEW. Grund­la­ge da­für ist der Nah­ver­kehrs­plan, der in der kom­men­den Wo­che vom Rat der Stadt ver­ab­schie­det wer­den soll. Da­mit die Di­rekt­ver­ga­be an die NEW aber nicht an­greif­bar ist, muss der Kon­zern den Groß­teil der be­auf- trag­ten Leis­tung selbst er­brin­gen. So schreibt es das Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz vor. Die Recht­spre­chung ist sich aber völ­lig un­eins dar­in, wann das er­reicht ist: Zählt der Wert der Ge­samt­dienst­leis­tung? Reicht dann die Hälf­te? Oder müs­sen es 66 Pro­zent sein? Oder ist am En­de doch die Ki­lo­me­ter­leis­tung ent­schei­dend? „Die Rechts­la­ge ist sehr un­glück­lich“, sagt Marx. Und das hat da­zu ge­führt, dass die NEW auf Num­mer si­cher geht und den Groß­teil der ge­fah­re­nen Ki­lo­me­ter lie­ber mit ei­ge­nen Bus­fah­rern be­strei­tet, um ei­ne si­che­re Ei­ge­ner­brin­gungs­quo­te zu er­rei­chen und die ge­sam­te Di­rekt­ver­ga­be nicht zu ge­fähr­den.

„Es wa­ren har­te Ver­hand­lun­gen über zwei Jah­re zwi­schen Be­triebs­rat und Vor­stand“, sag­te Fe­lix Hein­richs, Vor­sit­zen­der des zu­stän­di­gen Auf­sichts­ra­tes der NEW Mo­bil und Ak­tiv Gm­bH. „Jetzt ha­ben wir ein hö­he­res Maß an Rechts­si­cher­heit als bis­her. Und es ist in un­se­ren Au­gen auch so­zi­al­po­li­tisch bes­ser, wenn die Be­schäf­tig­ten lang­fris­tig wie­der im Ta­rif­ver­trag des öf­fent­li­chen Di­ens­tes lan­den.“Micha­el Jans, Vor­sit­zen­der des NEW-Be­triebs­ra­tes, sag­te: „Es war im­mer un­ser Ziel, die Ent­schei­dung aus den 1990er Jah­ren, Bus­fah­rer in ein pri­va­tes Un­ter­neh­men zu über­füh­ren, rück­gän­gig zu ma­chen. Jetzt ist die Ent­schei­dung ge­trof­fen wor­den.“

Ei­nen Zeit­plan da­für gibt es noch nicht. Am Mon­tag in­for­mier­te der NEW-Vor­stand die Be­leg­schaft der AG bei ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung über den Schritt und be­grün­de­te dies da­mit, dass oh­ne den Nah­ver­kehr sonst ein wich­ti­ger Teil des Jah­res­um­sat­zes fehl­te und 300 Ar­beits­plät­ze ver­lo­ren­gin­gen. Ein mah­nen­des Bei­spiel gibt die Stadt Pforzheim ab. Dort hat­te die Bahn­toch­ter Süd­west­bus den Bus­ver­kehr im De­zem­ber 2015 über­nom­men. Die Stadt­toch­ter muss­te dort dar­auf­hin al­len 240 Bus­fah­rern kün­di­gen, das Un­ter­neh­men wur­de in­zwi­schen kom­plett ab­ge­wi­ckelt.

AR­CHIV­FO­TO: NEW AG

Die Bus­se der NEW wer­den in Mön­chen­glad­bach bis­her von 195 NEW-Fah­rern und noch mehr West­bus-Kol­le­gen ge­steu­ert.

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