Der Pla­ner des Un­plan­ba­ren

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - GESUNDHEIT - VON AN­GE­LA RIETDORF

OP-Ma­na­ger sor­gen für den mög­lichst rei­bungs­lo­sen Ablauf in den Ope­ra­ti­ons­sä­len. Auch und ge­ra­de weil im­mer wie­der Not­fäl­le die Vor­be­rei­tun­gen über den Hau­fen wer­fen.

Tho­mas Wy­trieckus plant den mor­gi­gen Tag: Wel­che Ope­ra­tio­nen ste­hen an, wel­che OP-Sä­le ste­hen zur Ver­fü­gung, wel­che Aus­stat­tung wird be­nö­tigt, wel­ches Team ar­bei­tet wo, in wel­cher Rei­hen­fol­ge wird ope­riert, da­mit mög­lichst we­nig um­ge­räumt wer­den muss? Wy­trieckus ist OP-Ma­na­ger, und zwar der ers­te an den Kli­ni­ken Ma­ria Hilf. Sei­ne Auf­ga­be ist es, die Ab­läu­fe mög­lichst op­ti­mal zu ge­stal­ten, die Teams, die Räu­me, die Res­sour­cen best­mög­lich ein­zu­set­zen.

So weit, so gut – wä­re da nicht das Un­plan­ba­re, das un­ver­meid­lich zur Ar­beit in ei­nem Kran­ken­haus ge­hört – die Not­fäl­le, die schnell ver­sorgt wer­den müs­sen, die Ent­wick­lun­gen, die nicht vor­her­sag­bar sind. Auch dar­auf muss der OP-Ma­na­ger im­mer wie­der re­agie­ren, Pla­nun­gen än­dern, Ab­läu­fe an­pas­sen.

Tho­mas Wy­trieckus ist im Ma­ria Hilf seit 1. Mai 2017 für die Ab­läu­fe in den OP-Sä­len und drum­her­um ver­ant­wort­lich. Zur­zeit gibt es neun die­ser Sä­le im Ge­bäu­de an der Sand­rad­stra­ße und drei im Fran­zis­kus­haus. Im nächs­ten Jahr, wenn der neue OP-Trakt in Be­trieb geht, wer­den es zwölf im Zen­tral-OP sein plus drei für die Un­fall­chir­ur­gie. Und die­se Räu­me wer­den im All­ge­mei­nen den gan­zen Tag hin­durch ge­nutzt. Für ge­plan­te und un­ge­plan­te Ein­grif­fe.

Wy­trieckus be­schreibt sei­nen All­tag: „Aus dem Schock­raum kommt die In­for­ma­ti­on, dass ein Pa­ti­ent nach ei­nem Ver­kehrs­un­fall ein­ge­lie­fert und ei­ne Frak­tur fest­ge­stellt wur­de. Ei­ne OP ist not­wen­dig.“Der OP-Ma­na­ger muss dann noch wis­sen, ob der Pa­ti­ent vi­tal be­droht ist. An­schlie­ßend ge­hen die In­for­ma­tio­nen an die Pfle­ge und die Anäs­the­sie. Ein Saal mit der ent­spre­chen­den Aus­rüs­tung wird be­reit­ge­stellt, ein OP-Team über­nimmt. Das muss al­les schnell ge­hen, wirft aber al­le Plä­ne über den Hau­fen. Denn ver­mut­lich wa­ren der Raum und das Team für ei­ne an­de­re Ope­ra­ti­on ein­ge­plant. Die muss jetzt sinn­voll ver­scho­ben wer­den, auch dar­um küm­mert sich der OP-Ma­na­ger.

Bei sei­nen täg­li­chen Pla­nun­gen muss er vie­les im Blick be­hal­ten. Zum Bei­spiel: Ist ein Pa­ti­ent Dia­be­ti­ker, soll­te er mög­lichst vor­mit­tags ope­riert wer­den. Wel­che der rund 400 un­ter­schied­li­chen OP-Me­tho­den wer­den an­ge­wandt, und wie pas­sen sie so hin­ter­ein­an­der, dass es mög­lichst ge­rin­ge Rei­bungs­ver­lus­te gibt?

Tho­mas Wy­trieckus

Der OP-Ma­na­ger ist der Herr der Pro­zes­se: Er muss si­cher­stel­len, dass zwi­schen und bei den Ein­grif­fen nicht zu viel Zeit ver­lo­ren geht, et­wa weil der Pa­ti­ent auf der Sta­ti­on nicht für die OP vor­be­rei­tet wur­de, weil die Trans­por­te zu lan­ge dau­ern oder die be­nö­tig­ten Blut­kon­ser­ven auf sich war­ten las­sen. Das OPTeam soll sich ganz und gar auf sei­ne ur­ei­gens­te Auf­ga­be kon­zen­trie­ren kön­nen. „Je­der, der im OP ar­bei­tet, hasst es zu war­ten“, sagt Wy­trieckus, der selbst vie­le Jah­re Er­fah­rung in der OP-Pfle­ge hat. Al­so ge­hört es zu sei­ner Auf­ga­be, die gro­ßen Zeit­fres­ser zu fin­den und Ver­zö­ge­run­gen zu ver­hin­dern. „Da­zu muss ich das Haus gut ken­nen.“

Kom­mu­ni­ka­ti­on mit al­len Be­tei­lig­ten sei das A und O. Auch Per­so­nal­ma­nage­ment ge­hört im wei­tes­ten Sin­ne zu sei­nen Auf­ga­ben. „Gu­te OP-Pfle­ge­kräf­te wer­den heu­te per Head­hun­ter ge­sucht.“Des­halb sei es wich­tig, ei­ne Ar­beits­at­mo­sphä­re zu schaf­fen, in der sich Mit­ar­bei­ter ge­schätzt fühl­ten und Fort­bil­dungs­an­ge­bo­te zu ma­chen.

Das OP-Ma­nage­ment hat sich in den ver­gan­ge­nen zehn bis 15 Jah­ren im Zu­ge der Zen­tra­li­sie­rung ent­wi­ckelt. Auch der öko­no­mi­sche Druck in den Kran­ken­häu­sern spielt ei­ne Rol­le: die Aus­las­tung eben­so wie die Pa­ti­en­ten­zah­len sol­len mög­lichst hoch sein, oh­ne dass die Qua­li­tät ver­lo­ren geht. Die Ant­wort auf die­sen Spa­gat ist der OP-Ma­na­ger.

„Je­der, der in

ei­nem OP ar­bei­tet, hasst es

zu war­ten“

OP-Ma­na­ger Kli­ni­ken Ma­ria Hilf

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.