Europaplatz: Kla­gen über Dro­gen­sze­ne

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON ANDRE­AS GRUHN UND MA­XI­MI­LI­AN KRONE

Nach­dem die Po­li­zei den Han­del mit Dro­gen auf dem Platz der Re­pu­blik wei­test­ge­hend un­ter­bun­den hat, hat sich das Pro­blem mit Dea­lern und Ab­hän­gi­gen ver­la­gert. An­woh­ner kla­gen über un­halt­ba­re Zu­stän­de vor ih­ren Woh­nun­gen.

Am Sonn­tag­abend schlu­gen die Zi­vil­fahn­der zu: Die Po­li­zis­ten hat­ten am Europaplatz zwei jun­ge Män­ner ins Vi­sier ge­nom­men, of­fen­kun­dig Dea­ler. Tat­säch­lich er­wisch­ten die Be­am­ten die bei­den 19 und 29 Jah­re al­ten Män­ner aus dem Raum Aa­chen und Neuss beim Dro­gen­han­del. Als die Po­li­zis­ten auf das Dro­gen­duo zu­gin­gen, flüch­te­ten die Bei­den zu­nächst in Rich­tung Schil- ler­stra­ße, konn­ten aber trotz­dem fest­ge­nom­men wer­den. Die Be­am­ten fan­den bei ih­nen ge­rin­ge Men­gen Dro­gen, fer­tig ab­ge­packt zum Ver­kauf. Die mut­maß­li­chen Dro­gen­dea­ler wur­den wie­der auf frei­en Fuß ge­setzt, aber ein Er­mitt­lungs­ver­fah­ren wur­de ein­ge­lei­tet.

Die An­woh­ner am Europaplatz und an der Sit­tard­stra­ße sind ge­nervt. Seit meh­re­ren Mo­na­ten müs­sen sie da­bei zu­se­hen, wie die Stra­ßen vor ih­ren Woh­nun­gen mehr und mehr zu ei­nem Dro­gen­um­schlag­platz wer­den. In­zwi­schen sei es so schlimm, dass sich Dro­gen­ab­hän­gi­ge in den Haus­ein­gän­gen ih­ren Stoff ver­ab­reich­ten. „Ich woh­ne seit zehn Jah­ren hier, aber so pre­kär war die La­ge noch nie“, klagt ei­ner der An­woh­ner, der na­ment­lich nicht ge­nannt wer­den möch­te. „In­zwi­schen trau­en sich mei­ne Freun­din und Be­kann­te kaum noch zu mir, weil sie Angst ha­ben.“

Bahn­hö­fe sind in der Dro­gen­sze­ne äu­ßerst be­liebt, das ist nicht neu. Al- ler­dings häu­fen sich seit ei­ni­gen Wo­chen und Mo­na­ten die Be­schwer­den von An­woh­nern und Ge­schäfts­leu­ten am Europaplatz und vor al­lem im Be­reich der Sit­tard­stra­ße. Nach­dem es der Po­li­zei ge­lun­gen war, den 2015 auf­ge­kom­me­nen schwung­haf­ten Dro­gen­han­del am Platz der Re­pu­blik zu un­ter­bin­den, eta­blier­te sich die Dro­gen- und Dea­ler­sze­ne in der Nä­he des frü­he­ren Mar­ga­re­then­gar­tens. Auch dort sei­en die Er­mitt­ler kei­nes­wegs un­tä­tig, wie Po­li­zei­spre­che­rin Isa­bel­la Han­nen sag­te. Seit An­fang des Jah­res sei­en 27 Er­mitt­lungs­ver­fah­ren mit zum Teil meh­re­ren Tat­ver­däch­ti­gen ein­ge­lei­tet wor­den. Acht Tat­ver­däch­ti­ge be­fin­den sich in Un­ter­su­chungs­haft, und 21 Be­reichs­be­tre­tungs­ver­bo­te zur Ge­fah­ren­ab­wehr wur­den aus­ge­spro­chen – so auch für die bei­den am Sonn­tag er­wisch­ten mut­maß­li­chen Dea­ler. „Die Pro­ble­ma­tik ist uns be­kannt, und wir tun auch et­was da­ge­gen. Be­am­te sind in Uni­form, in zi­vil oder auch ver­deckt im Ein­satz“, sagt Han­nen.

Den An­woh­nern reicht das kaum. „Vor ei­ni­gen Ta­gen stand ein Bul­ly der Po­li­zei für al­le of­fen sicht­bar in dem Be­reich. So­fort wur­den die Dea­ler ner­vös und ha­ben zu­sam­men ge­parkt“, be­rich­tet ei­ner. Nach­dem die­ser nach rund ei­ner St­un­de aber wie­der ver­schwun­den sei, ka­men die Dea­ler zu­rück. Scham oder das Ge­fühl, sich ver­ste­cken zu müs­sen, ken­nen sie of­fen­bar nicht, sa­gen An­woh­ner. „Egal zu wel­cher Uhr­zeit, es wird of­fen und für je­den sicht­bar ge­dealt, das kann so nicht wei­ter­ge­hen“, sagt ei­ner der An­woh­ner.

Der Pro­test der An­woh­ner rich­tet sich nicht nur an die Po­li­zei, son­dern auch ans Ord­nungs­amt und an Ober­bür­ger­meis­ter Hans Wil­helm Rei­ners. „Ich ha­be mich mehr­fach an den OB ge­wandt und wur­de nur an das Ord­nungs­amt oder die Po­li­zei ver­wie­sen“, sagt er und for­dert, dass auch die Stadt und die Po­li­tik ak­tiv wer­den. „Das Ab­sto­ßends­te, was ich bis­lang er­lebt ha­be, war ein Mann mit ei­ner Sprit­ze im Arm in un­se­rem Haus­ein­gang. Das sind Zu­stän­de, die si­cher nicht für ein po­si­ti­ves Image der Stadt sor­gen.“

Dass gera­de der Mön­chen­glad­ba­cher Haupt­bahn­hof bei Dro­gen­dea­lern als Um­schlag­platz be­liebt ist, hängt auch mit der La­ge zu­sam­men. „Mön­chen­glad­bach ist ein Kno­ten­punkt zwi­schen den Nie­der­lan­den so­wie Düsseldorf und dem Ruhr­ge­biet“, sag­te Frit­h­jof Lut­ter, Lei­ter der Be­zirks­po­li­zei, kürz­lich bei der Vor­stel­lung der Kri­mi­na­li­täts­sta­tis­tik für den Stadt­be­zirk Ost. Da­zu ge­hört auch der Platz der Re­pu­blik. Dort ha­be man zwar ge­schafft, den schwung­haf­ten Dro­gen­han­del 2016 zu un­ter­bin­den. „Wir stel­len aber fest, dass der Dro­gen­han­del wie­der zu­nimmt“, sag­te Lut­ter.

Bis auch an der Sit­tard­stra­ße die Dro­gen­dea­ler ver­schwun­den sind, brin­gen ei­ni­ge An­woh­ner ih­re Be­su­cher zum Bus oder zur Bahn. „Da kann ich mir si­cher sein, dass sie gut an­kom­men.“

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