Ko­lo­ni­al­zeit-Uni­for­men im Kreuz­feu­er

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON GUNDHILD TILLMANNS RP-FO­TO: LOTHAR BERNS

Die Uni­for­men des Schüt­zen­zugs „Kai­ser­büf­fel“aus der Ko­lo­ni­al­zeit in Na­mi­bia sor­gen für Dis­pu­te in Bed­bur­dyck. Sie sei­en als Mah­nung ge­meint, nicht zur Ver­herr­li­chung des Völ­ker­mor­des an den He­re­ro, sagt der Zug-Chef.

JÜ­CHEN Ein Schüt­zen­zug, die „Kai­ser­büf­fel“aus Gier­ath, die jetzt Pre­mie­re beim Schüt­zen­fest in Bed­bur­dyck-Stessen hat­ten, schei­det we­gen sei­ner Klei­dung die Geis­ter. Die fünf Mit­glie­der tra­gen ei­ne Uni­form in An­leh­nung an die Schutz­trup­pen der Ko­lo­nie Deutsch-Süd­west-Afri­ka, dem heu­ti­gen Na­mi­bia. Die­se Trup­pen und ins­be­son­de­re ihr Be­fehls­ha­ber Lothar von Tro­tha wer­den für den Mord an 80.000 He­re­ro und Na­ma ver­ant­wort­lich ge­macht.

Der Schüt­zen­zug „Kai­ser­büf­fel“wur­de be­reits 2005 in Gier­ath ge­grün­det. An­stoß an ih­ren Uni­for­men neh­men jetzt zum ers­ten Mal öf­fent­lich Bür­ger aus Bed­bur­dyck: „Mich wun­dert es, dass der Bür­ger­schüt­zen­ver­ein so ei­nen Zug auf­nimmt,“sagt ein Be­schwer­de­füh­rer aus Bed­bur­dyck. Ein wei­te­rer meint: „Es fällt mir schwer, den Zug zu ak­zep­tie­ren.“(Die An­woh­ner sind der Re­dak­ti­on be­kannt, wol­len aber na­ment­lich nicht ge­nannt wer­den.) Sie neh­men An­stoß an der Uni­form, all­zu­mal so­gar der Deut­sche Bun­des­tag die Ver­ant­wort­lich­keit Deutsch­lands für den Völ­ker­mord in Na­mi­bia an­er­kannt und sich die Nach­fah­ren von Lothar von Tro­tha bei den He­re­ro-Nach­fah­ren per­sön­lich ent­schul­digt ha­ben.

Auf die­sen Sach­ver­halt ver­weist auch Re­gio­na­de­kan und Schüt­zen­freund Ul­rich Clan­cett, der beim Auf­marsch der „Kai­ser­büf­fel“in Bed­bur­dyck nach­denk­lich ge­wor- den sei: „Man soll­te den Schüt­zen­zug nicht an den Pran­ger stel­len, aber mit den Mit­glie­dern mal dar­über re­den, ob sie mit ih­rer Uni­form nicht viel­leicht die fal­schen Si­gna­le set­zen“, sagt Clan­cett. Die­sen Rat wür­de er üb­ri­gens Bru­der­schafts­und Bür­gerschüt­zen glei­cher­ma­ßen ge­ben: „Es geht um die öf­fent­li­che Wahr­neh­mung. Der Bed­bur­dy­cker Schüt­zen­chef Ste­fan Jus­ten sagt aber, er ha­be mit den „Kai­ser­büf­feln“über de­ren Uni­form ge­spro­chen, be­vor sie jetzt erst­ma­lig in Bed­bur­dyck-Stessen mit­mar­schiert sei­en: „Das sind al­les eh­ren­wer­te Leu­te, die tra­gen die­se Uni­form zur Mah­nung da­für, dass so et­was wie mit den He­re­ro­mor­den nicht mehr pas­sie­ren darf“, sagt Jus­ten und ver­weist auf ein Bei­spiel aus Müns­ter: „Da mar­schiert so­gar ein Schwarz­häu­ti­ger in der Schutz­trup­pen­uni­form mit beim Schüt­zen­fest.“

Die Aus­ein­an­der­set­zung mit der deut­schen Ko­lo­ni­al­zeit führt zum Bei­spiel in Düsseldorf jetzt da­zu, dass so­gar al­le Stra­ßen, de­ren Na­men an die­se Zeit er­in­nern, um­be­nannt wer­den. Auf ih­rer Home­page zi­tie­ren die „Kai­ser­büf­fel“in­des noch un­ter an­de­rem aus „Deutsch- lands Weg zur Ko­lo­ni­al­ge­schich­te aus dem Jahr 1934.“Zug-Chef Joa­chim Hei­kamp sagt da­zu aber: „Wir wol­len kei­nen Völ­ker­mord ver­herr­li­chen. Wir ver­ste­hen un­se­re Uni­form als Mah­nung,“, be­stä­tigt er den BSV-Chef. Die Home­page wol­le der Schüt­zen­zug über­ar­bei­ten und noch kla­rer ma­chen, dass er sich von den Ver­bre­chen an den He­re­ro dis­tan­zie­re.

Hei­kamp sagt aber auch: „Wir ha­ben un­ser Auf­tre­ten in Bed­bur­dyck teil­wei­se wie ein Spieß­ru­ten­lau­fen emp­fun­den.“Da­bei ge­be es doch Schüt­zen­zü­ge mit den Uni­for­men aus Deutsch-Süd-West auch in Dor­ma­gen, Meer­busch-Bü­de­rich und al­lei­ne drei in Düsseldorf. „In Gier­ath ha­ben wir zwölf Jah­re lang oh­ne An­stoß die­se Uni­form ge­tra­gen. Sie hat­ten da auch Tra­di­ti­on, die auf ei­nen Afri­ka­heim­keh­rer zu­rück­ging.“

Der Schüt­zen­zug „Kai­ser­büf­fel“aus Gier­ath muss sich jetzt we­gen sei­ner Uni­form aus der Ko­lo­ni­al­zeit recht­fer­ti­gen, mit der er erst­ma­lig in Bed­bur­dyck beim Schüt­zen­fest auf­ge­tre­ten ist.

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