Or­pheus und Eu­ry­di­ke: Al­ter­na­ti­ve in Hoch­form

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR - VON HEIDE OEHMEN

Die Sti­pen­dia­ten des Opern­stu­di­os stan­den der Pre­mie­ren­be­set­zung in nichts nach.

Für En­sem­ble­mit­glie­der ist es im­mer mit ei­ner be­son­de­ren Be­las­tung ver­bun­den, nach ei­ner um­ju­bel­ten Pre­mie­re als so ge­nann­te „Zweit­be­set­zung“be­ste­hen zu müs­sen. So war es für das Pu­bli­kum – so­weit es schon bei der Pre­mie­re an­we­send war – äu­ßerst span­nend zu er­le­ben, wie sich die al­ter­na­tiv ein­ge­setz­ten Künst­ler be­haup­ten wür­den. Da ist zu­nächst Micha­el Prei­ser zu nen­nen, der von Pre­mie­ren­di­ri­gent Wer­ner Ehr­hardt – ei­ner aus­ge­wie­se­nen Ko­ry­phäe der His­to­ri­schen Auf­füh­rungs­pra­xis – ei­ne nicht gera­de leich­te Auf­ga­be über­nom­men hat­te. Doch Prei­ser be­stand die enor­me Her­aus­for­de­rung mit Bra­vour, lei­te­te mit äu­ßers­ter Prä­zi­si­on, hat­te Orches­ter und Büh­ne stets fest im Griff und ent­lock­te den In­stru­men­ta­lis­ten – ein­schließ­lich der Trom­pe­ter mit ih­ren ei­gens für die­se Pro­duk­ti­on er­wor­be­nen Na­tur­trom­pe­ten – eben­so pa­cken­de und glit­zernd-tem­pe­ra­ment­vol­le Klän­ge wie es Wer­ner Ehr­hardt bei der Pre­mie­re ge­lang.

Ne­ben zahl­rei­chen in­stru­men­ta­len Glanz­lich­tern sei­en das Flö­ten­und das Obo­en­so­lo be­son­ders her­vor­ge­ho­ben. Opern­stu­dio­mit­glied Ju­lia Danz war der fri­sche und ju­gend­li­che Amor mit silb­ri­gem So­pran und vor­bild­li­cher Büh­nen­prä­senz. Wie in der Pre­mie­re ver­kör­per­te So­pra­nis­tin So­phie Wit­te mit schla­cken­lo­sem, zu Her­zen ge­hen­dem Schön­ge­sang die un­glück­li­che Eu­ry­di­ke – der ho­mo­ge­ne, klang­präch­ti­ge Chor trug eben­so zum Glanz des Abends bei wie das punkt­ge­nau agie­ren­de, die Sze­ne un­ge­mein be­le­ben­de Bal­lett.

Die größ­te Be­las­tung hat­te wohl Ag­nes Thor­steins – eben­falls aus dem Opern­stu­dio – zu tra­gen, woll­te sie doch als Or­pheus der groß­ar­ti­gen Aus­for­mung die­ser um­fang­rei­chen und an­spruchs­vol­len Par­tie durch Eva Ma­ria Gün­sch­mann ver­su­chen zu ent­spre­chen. Es schien so, als gin­ge die Mez­zo­so­pra­nis­tin die­se Auf­ga­be ganz ru­hig an. Ihr Spiel wirk­te durch­dacht, un­auf­ge­regt und wie selbst­ver­ständ­lich. Stimm­lich war ihr bron­ze­ner, bruch­los durch­ge­bil­de­ter, blü­hen­der Mez­zo über al­le Zwei­fel er­ha­ben: Phra­sie­rung, Atem­tech­nik und Le­ga­to­bö­gen – al­les ma­kel­los. Ei­ne groß­ar­ti­ge Leis­tung für ei­ne Sän­ge­rin, die erst am An­fang steht.

Kein Wun­der, dass – wie auch in der Pre­mie­re – der Ju­bel für al­le Be­tei­lig­ten kein En­de neh­men woll­te.

AR­CHIV: RAUPOLD

„Nacht­ak­tiv“ist ei­ne Ver­an­stal­tung, die das Kul­tur­bü­ro selbst ent­wi­ckelt hat. Das Fo­to zeigt die Licht­in­stal­la­ti­on auf der Wald­hau­se­ner Stra­ße 2016.

FO­TO: STUTTE

Ju­lia Danz als Amor (l.) und Ag­nes Thor­steins als Or­pheus.

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