Auf Mör­der­jagd im Ber­lin der 20er

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

Kom­mis­sar Ge­re­on Rath holt sich in sei­nem ers­ten Fall Hil­fe aus Un­ter­welt.

DÜSSELDORF Es ist das Ber­lin der aus­ge­hen­den 20er Jah­re. Ei­ne Welt­stadt im Rausch – zwi­schen aus­schwei­fen­den Par­tys, Stra­ßen­schlach­ten und po­li­ti­schen Span­nun­gen. Ge­re­on Rath, ein jun­ger, ehr­gei­zi­ger Kom­mis­sar, ist neu in der Stadt. Zwangs­ver­setzt aus Köln, sei­ner Hei­mat, weil er dort je­man­den er­schos­sen hat und in die Schuss­li­nie der Pres­se ge­ra­ten ist. Nun ist er ab­ge­stellt bei der Sit­te. Ein Rhein­län­der in Preu­ßen, der bei sei­nen neu­en Kol­le­gen an­eckt und kein Hehl dar­aus macht, dass er un­zu­frie­den mit sei­ner neu­en Stel­le ist. Er will zur Mord­kom­mis­si­on, der Eli­te­ein­heit der Ber­li­ner Po­li­zei.

Eher zu­fäl­lig ge­rät Rath dann auch in ei­nen Mord­fall hin­ein, in des­sen Er­mitt­lun­gen er sich dann un­ge­fragt und oh­ne Wis­sen al­ler Vor­ge­setz­ten ein­mischt. Er will den Mör­der al­lein fas­sen. Da nie­mand sei­ner Kol­le­gen von sei­nen ei­gen­mäch­ti­gen Er­mitt­lun­gen wis­sen darf, holt er sich Un­ter­stüt­zung aus der Ber­li­ner Un­ter­welt und ge­rät da­bei be­reit­wil­lig in die Ab­hän­gig­keit des mäch­ti­gen Gangs­ter­bos­ses Jo­hann Mar­low und des­sen Ring­ver­ein. Um vor­an zu­kom­men, ar­bei­tet Rath auch mit ei­nem Jour­na­lis­ten eng zu­sam­men, dem er Po­li­zei­in­ter­na steckt, um sei­ne Kol­le­gen in Miss­kre­dit zu brin­gen.

Mit dem „Nas­sen Fisch“und dem ei­gen­wil­li­gen Er­mitt­ler Ge­re­on Rath ist Vol­ker Kut­scher et­was Gro­ßes ge­lun­gen. Seit­dem sind be­reits fünf wei­te­re Fäl­le mit Kom­mis­sar Rath er­schie­nen – die zu­sam­men­ge­se­hen ein Sit­ten­ge­mäl­de der da­ma­li­gen Zeit ab­ge­ben. Eng ver­wo­ben ist der „Nas­se Fisch“mit ei­ner Viel­zahl rea­ler Er­eig­nis­se – wie dem Blut­mai, bei des­sen Auf­takt am 1. Mai 1929 Kom­mu­nis­ten trotz De­mons­tra­ti­ons­ver­bo­tes auf die Stra­ße gin­gen. Es gab 32 To­te. Auch der Lei­ter der Ber­li­ner Mord- kom­mis­si­on ist nicht fik­tiv. Der le­gen­dä­re Ernst Gen­nat gilt welt­weit als Grün­der der mo­der­nen Kri­mi­nal­po­li­zei.

An der Sei­te des Kom­mis­sars er­lebt man in den Fäl­len ein­dring­lich, wie die Wei­ma­rer Re­pu­blik all­mäh­lich un­ter­geht, die Men­schen sich schlei­chend, aber spür­bar ver­än­dern, sich das Le­ben in Ber­lin ver­dun­kelt und das Na­zi-Re­gime die Macht über­nimmt. Und wie es dann wei­ter­geht. Ge­re­on Rath ist ein Muss so­wohl für Kri­mi­fans als auch für Ge­schichts­in­ter­es­sier­te. Info Al­le Kri­mi-Emp­feh­lun­gen der ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben wir auf RP Online ge­sam­melt: www..rp-online.de/kri­mi

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