Par­ken­de Lkw ver­drän­gen Fahr­rad­strei­fen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - POLITISCHES BUCH - VON ANDRE­AS GRUHN

Weil Last­wa­gen auf den Sei­ten­strei­fen des Rön­ne­ter­rings in die Stra­ße ra­gen, ent­fern­te die Stadt kur­zer­hand die Mar­kie­run­gen für Fahr­rä­der. Da­bei hat die wach­sen­de Stadt sich selbst be­son­de­re Fahr­rad­freund­lich­keit ver­ord­net.

Ro­land Fun­ke fährt seit vie­len Jah­ren mit dem Fahr­rad durch die Stadt und be­nutzt da­bei auch be­son­ders die Stra­ße Rönneterring. Doch die wird er künf­tig mei­den. Denn wo bis vor kur­zem noch in bei­den Fahrt­rich­tun­gen Schutz­strei­fen für Fahr­rad­fah­rer auf dem As­phalt mar­kiert wa­ren, sind nun nur noch die Res­te von Fräs­ar­bei­ten zu se­hen. Die Stadt hat die Mar­kie­run­gen ent­fernt – weil dort par­ken­de Lkw zu viel Platz brau­chen und auf die Fahr­bahn hin­aus­ra­gen.

Stadt­spre­cher Wolf­gang Speen be­stä­tig­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Es hat ei­ne Er­ör­te­rung zwi­schen Stadt­pla­nern, Ord­nungs­amt, Po­li­zei und dem Mo­bi­li­täts­be­auf­trag­ten ge­ge­ben. Das Er­geb­nis ist, dass die An­ge­bots­strei­fen ein Ge­fühl der Ver­kehrs­si­cher­heit ga­ben, die aber nicht zu rea­li­sie­ren ist.“Des­halb wur­den sie eben gleich ganz ent­fernt.

Wie aus ei­nem Ant­wort­schrei­ben aus dem Fach­be­reich Stadt­ent­wick­lung an Fun­ke her­vor­geht, hängt das vor al­lem mit Lkw zu­sam­men. Die Stra­ße ist auf­grund ih­rer Nä­he zur Au­to­bahn 61 und weil sie auch in ei­nem klei­nen Ge­wer­be­ge­biet liegt abends an den Sei­ten­strei­fen oft voll mit ge­park­ten Lkw. Ob es sich da­bei um Fahr­zeu­ge der an­gren­zen­den Fir­men han­delt oder um schwe­re Ge­fähr­te, die auf den voll­ge­park­ten Au­to­bahn­rast­stät­ten kei­nen Platz mehr fin­den, ist of­fen. Klar ist aber: Die Wa­gen sind so breit, dass sie ein gu­tes Stück auf die Stra­ße hin­aus­ra­gen. Das dür­fen sie so­gar: Dort gibt es kein Hal­te­ver­bot, und die so ge­nann­ten An­ge­bots­strei­fen für Rad­fah­rer (das sind kei- ne Rad­we­ge) dür­fen von Au­tos be­fah­ren und be­parkt wer­den, so Stadt­spre­cher Speen. „Wir ha­ben eben das Pro­blem, das an vie­len Stel­len in der Stadt Lkw-Fah­rer ih­re Rast ein­le­gen, weil sie auf den Au­to­bahn­rast­stät­ten kei­nen Platz mehr fin­den.“Die Stadt ver­weist des­halb auf den Lan­des­be­trieb Stra­ßen NRW, der für den Aus­bau von Rast­stät­ten zu­stän­dig sei.

Am Rönneterring ge­be es aber ein wei­te­res Pro­blem: und zwar die Fahr­bahn­brei­te. Die Stra­ße ist an­der Stel­le nur 6,50 Me­ter breit. Weil die Fahr­bahn min­des­tens 4,50 breit sein muss, feh­le Platz für die er­for­der­li­chen Brei­ten der An­ge­bots­strei­fen (1,50 Me­ter), so die Stadt. Um rich­ti­ge Rad­we­ge ein­zu­rich­ten, müss­te die Stra­ße um­ge­baut wer­den. Und da­für feh­le das Geld. Des­halb ha­ben die Rad­fah­rer in dem Kon­flikt das Nach­se­hen.

Ro­land Fun­ke hält das für ein fatales Si­gnal in ei­ner Stadt, die ge­ra­de ei­nen Mas­ter­plan Nahmo­bi­li­tät er­ar­bei­tet und ver­ab­schie­den will, um den Fahr­rad­ver­kehr zu för­dern. Auch im Zu­ge der Durch­fahrt der Tour de Fran­ce am Sonn­tag wirbt das Rat­haus ver­stärkt da­für, vom Au­to auf das Zwei­rad um­zu­stei­gen. „Ei­ne zu­kunfts­fä­hi­ge Stadt muss fahr­rad­freund­lich sein. Da­her wer­den wir die­ses The­ma mit dem Mas­ter­plan Nahmo­bi­li­tät zu­künf­tig ver­stärkt för­dern“, sag­te der Tech­ni­sche Bei­ge­ord­ne­te Gre­gor Bo­nin zu­letzt, als Mön­chen­glad­bach in ei­ner Um­fra­ge des ADFC beim Fahr­rad­kli­ma mit ei­ner Durch­schnitts­no­te von 4,4 bun­des­weit er­neut auf dem vor­letz­ten Platz ge­lan­det war.

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