Ab­gang: An­dré Hahn wech­selt zum Ham­bur­ger SV zu­rück

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Sei­ne Men­ta­li­tät wird auch feh­len

Er pass­te nicht mehr zu Bo­rus­sia

Bo­rus­si­as Ex-Trai­ner An­dré Schu­bert hat ei­nen Be­griff ge­prägt, der den Fuß­ball­spie­ler An­dré Hahn per­fekt be­schreibt: Men­ta­li­täts­mons­ter. Meint: Hahn ist kör­per­lich sehr prä­sent, haut sich im­mer ein. Mit mehr Wil­len als Tech­nik, aber Spie­ler wie Hahn tun je­der Mann­schaft gut, die auch und ge­ra­de aus dem Te­am­geist ih­re Stär­ken saugt.

Was Hahn nicht kann, ist be­kannt, doch das kön­nen vie­le an­de­re Bo­rus­sen: kom­bi­nie­ren und zau­bern. Was Hahn hat, ist fast ein Al­lein­stel­lungs­merk­mal. Hahn steht für das, was man sich auch im mo­der­nen Fuß­ball er­kämp­fen kann.

Sind sol­che Spie­ler da, sieht man die De­fi­zi­te und la­men­tiert. Sind sie weg, heißt es: Wä­re er doch noch da, ei­nen wie ihn könn­ten wir nun gut ge­brau­chen. Es sind nicht har­te Fak- ten, die für Spie­ler wie Hahn spre­chen, son­dern wei­che Fak­to­ren. Doch die kön­nen gro­ßen Wert ha­ben, wenn es eng wird. Hahn hat­te lan­ge Pha­sen oh­ne Tor, doch wenn er traf, war es oft wich­tig: In sei­ner Start­pha­se war er stets der Do­sen­öff­ner und brach­te da­mit die Teil­nah­me an der Eu­ro­pa Le­ague auf den Weg. In Glas­gow war er fast al­lein ver­ant­wort­lich für den 2:0-Sieg, den ers­ten Aus­wärts­er­folg in der Cham­pi­ons Le­ague. In der Schluss­pha­se der ab­ge­lau­fe­nen Sai­son hat er ge­gen Augs­burg sein letz­tes Tor für Glad­bach ge­macht. Ein ty­pi­sches Hahn-Tor: In letz­ter Se­kun­de und mit dem letz­ten Wil­len. Er mach­te am En­de zu we­ni­ge da­von, um sich un­ent­behr­lich zu ma­chen.

Hahn kam als kraft­vol­ler Flü­gel­mann, zu­letzt war er Mit­tel­stür­mer. Doch Bo­rus­si­as Plan A hat an­de­re An­for­de­run­gen. Nur Plan B oder C zu sein, ist we­nig zu­frie­den­stel­lend.

Nun wird Hahn Ham­bur­ger, der HSV fei­ert den Zu­kauf ei­nes „Men­ta­li­täts­spie­lers“. Dem Ver­neh­men nach be­kommt Bo­rus­sia 6,5 Mil­lio­nen Eu­ro für Hahn. Sei­ne To­re wiegt das viel­leicht auf. Aber sei­ne Men­ta­li­tät? Wie schwer der Ver­lust wiegt, kann man schwer be­mes­sen. Kau­fen kann man sie je­den­falls nicht ein­fach so. Man hat sie oder man hat sie nicht. Und Hahn hat sie im Über­maß. Das ist sei­ne Qua­li­tät. Das hat ihn an gu­ten Ta­gen so wert­voll ge­macht für Bo­rus­sia. Und es wird Ta­ge ge­ben, an de­nen sei­ne Men­ta­li­tät feh­len wird und es heißt: Ach, wä­re der Hahn noch da!

Kars­ten Kellermann

Er hat­te es tat­säch­lich ge­schafft, sei­nen Lauf über drei Mo­na­te zu kon­ser­vie­ren. Ein paar Se­kun­den stand An­dré Hahn im Play-off-Hin­spiel bei den Young Boys Bern auf dem Platz, schon lag der Ball wie­der im Tor. In der Bun­des­li­ga traf er zu­dem am ers­ten Spiel­tag der ver­gan­ge­nen Sai­son ge­gen Bay­er Le­ver­ku­sen – sie­ben Ein­sät­ze seit En­de April 2016, sie­ben To­re, al­le 80 Mi­nu­ten eins. Das war die ei­ne von zwei star­ken Pha­sen, die in Er­in­ne­rung blei­ben wird. Die an­de­re hat­te Hahn gleich zu Be­ginn sei­ner Glad­ba­cher Zeit im Spät­som­mer 2014. Fünf To­re schoss er da in den ers­ten sechs Spie­len in drei ver­schie­de­nen Wett­be­wer­ben – al­le 94 Mi­nu­ten eins. Was Hahn an gu­ten Ta­gen für Bo­rus­sia ge­leis­tet hat, konn­te je­doch nicht das auf­wie­gen, was an den schlech­ten fehl­te.

Ab­ge­se­hen von den bei­den Läu­fen ste­hen 82 wei­te­re Ein­sät­ze mit nur sie­ben Tref­fern zu Bu­che. An­fangs war Hahn ein wuch­ti­ger Flü­gel­flit­zer. Als das nicht mehr zum Er­folg führ­te, zeig­te Lu­ci­en Fav­re ihm die Op­ti­on im Sturm­zen­trum auf. Die füll­te der 26-Jäh­ri­ge mit dem Ar­beits­ei­fer ei­nes hy­per­of­fen­si­ven Ver­tei­di­gers aus, wenn­gleich ins­ge­samt spär­lich tor­ge­fähr­lich.

Kri­tik am Fuß­bal­ler Hahn lässt sich kaum oh­ne den Zu­satz „bei al­lem Re­spekt“üben. Denn in Sa­chen Ein­satz auf dem Platz und Freund­lich­keit da­ne­ben war er drei Jah­re lang ein Vor­bild. Sport­lich wur­de da­ge­gen schnell klar, dass es ei­ne Art von Fuß­ball ge­ben mag, die zu Hahn passt, die­se al­ler­dings nicht in Glad­bach ge­pflegt wird.

Der HSV ist so ein Kan­di­dat, fuß­bal­le­risch nicht ge­ra­de Hau­te Cou­ture, und Hahn dürf­te in der Han­se­stadt funk­tio­nie­ren. Wie un­ter Lu­ci­en Fav­re und An­dré Schu­bert ge­hört Bo­rus­sia un­ter Dieter He­cking zu den fünf Mann­schaf­ten mit dem meis­ten Ball­be­sitz. Der Stil passt nur dann zu Hahn, wenn er den Ball ex­akt ein­mal be­rüh­ren kann – bei ei­ner Di­rekt­ab­nah­me in Rich­tung Tor. Ver­gan­ge­ne Sai­son un­ter­bo­ten näm­lich nur fünf Feld­spie­ler sei­ne Pass­quo­te von 59 Pro­zent. Bei al­lem Re­spekt: Oh­ne Mehr­fach­be­las­tung und ein Jahr vor Ver­trags­en­de ist es völ­lig rich­tig, dass die We­ge sich tren­nen. So nimmt Bo­rus­sia nun mehr als dop­pelt so viel ein, wie sie 2014 als Ab­lö­se an Augs­burg be­zahlt hat. Jannik Sorgatz

FO­TO: IMAGO

Falls Ibra­hi­ma Tra­o­ré am 19. oder 20. Au­gust ei­nen Köl­ner Spie­ler trös­ten kann, wird es dies­mal wo­mög­lich nicht mehr Stür­mer Ant­ho­ny Mo­des­te sein.

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