Wo die Pa­ti­en­ten mit­tags den Tel­ler leer es­sen

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON NI­NA JEDRYCHOWSKI

Das Kran­ken­haus Neu­werk hat die Ver­tei­lung der Mahl­zei­ten um­ge­stellt. Die Por­tio­nen sind nun in­di­vi­du­el­ler.

„Es schmeckt wun­der­bar“, sagt Bri­git­te Schulz, Pa­ti­en­tin im Kran­ken­haus Neu­werk. Die­sen Satz hört man sel­ten, wenn man Pa­ti­en­ten nach dem Kran­ken­hau­ses­sen be­fragt. Nun gibt es ein neu­es Ver­tei­lungs­sys­tem für das Mit­tag­es­sen auf Sta­ti­on 43 des Kran­ken­hau­ses – das Schöpf­sys­tem. Im Ge­gen­satz zum Ta­blett­sys­tem wird das Mit­tag­es­sen nicht in der Kü­che des Hau­ses por­tio­niert und an die Pa­ti­en­ten ver­teilt, son­dern auf der Sta­ti­on selbst in­di­vi­du­ell zu­sam­men­ge­stellt. Die­ses Sys­tem ist nichts Neu­es. Vie­le Al­ten­hei­me ma­chen Ge­brauch von die­sem Ver­tei­lungs­sys­tem.

Schwes­ter San­dra Gie­res aus dem Kran­ken­haus Neu­werk ar­bei­tet im Be­reich Al­ters­me­di­zin auf Sta­ti­on 43. Sie und ih­re Kol­le­gen be­kom­men oft mit, wie Pa­ti­en­ten, zu de­nen auch vie­le De­menz­pa­ti­en­ten ge­hö­ren, wäh­rend ei­nes Kran­ken­haus­auf­ent­halts zu we­nig es­sen. Ein Grund da­für ist das feh­len­de Hun­ger­ge­fühl der äl­te­ren Per­so­nen und oft­mals sind die Kran­ken­hauspor- tio­nen für sie zu groß. Die Fol­ge ist sehr oft Ge­wichts­ver­lust. „Fast 80 Pro­zent un­se­rer Pa­ti­en­ten stam­men aus der Nach­kriegs­zeit. Ih­nen tut es weh, wenn Es­sen, das sie nicht auf­es­sen, weg­ge­wor­fen wird. Des­halb las­sen sie es oft ste­hen und es­sen gar nichts“, sagt Gie­res. Letz­tes Jahr schloss sie ih­re Wei­ter­bil­dung im Be­reich Ge­ron­to­psych­ia­trie ab und stell­te sich die Fra­ge: „Wie wol­len Pa­ti­en­ten ge­sund wer­den, wenn sie zu we­nig es­sen?“Die ge­lern­te Al­ten­pfle­ge­rin schau­te sich die Es­sens­ver­tei­lungs­sys­te­me in an­de­ren Ein­rich­tun­gen an und wähl­te als Pro­jekt die Um­stel­lung vom Ta­blett­sys­tem zum Schöpf­sys­tem.

Die Kran­ken­schwes­tern der Sta­ti­on 43 be­stel­len in der Kü­che von zwei Ta­ges­me­nüs die Hälf­te, und be­fra­gen je­den Pa­ti­en­ten in­di­vi­du­ell, was sie oder er es­sen möch­te und wie viel. „Manch­mal sind es nur ganz klei­ne Por­tio­nen, aber es wird auf­ge­ges­sen“, sagt Gie­res. Soll­te ein Pa­ti­ent nach der klei­nen Por­ti­on noch Hun­ger ver­spü­ren, be­steht die Mög­lich­keit, Nach­schub zu be­kom­men.

Nach­dem das neue Es­sens­ver­tei­lungs­sys­tem ein Jahr lang aus­pro­biert und rund drei­tau­send Eu­ro in­ves­tiert wur­den, ist es nun fest auf der Sta­ti­on für Al­ters­me­di­zin eta­bliert. Die Ver­tei­lung des Mit­tags­es­sens tei­len sich täg­lich zwei Mit­ar­bei­ter. Ein Kol­le­ge deckt den Tisch mit Ge­schirr und Tisch­sets, mo­bi­li- siert den Pa­ti­en­ten und fragt nach den Es­sens­wün­schen. Der zwei­te Kol­le­ge por­tio­niert das Es­sen, wel­ches in ei­nem Wär­me­wa­gen in Me­tall­be­häl­tern auf die Sta­ti­on ge­lie­fert wird, nach den je­wei­li­gen Wün­schen. Spe­zi­el­le Es­sens­wün­sche, wie ve­gan, kein Schwei­ne­fleisch oder pas­sier­te Mahl­zei­ten, wer­den wei­ter­hin in der Kü­che des Kran­ken­hau­ses zu­be­rei­tet und alt­be­kannt den Pa­ti­en­ten un­ter ei­ner Wär­me­hau­be ser­viert.

Doch die Pa­ti­en­ten es­sen nun nicht nur re­gel­mä­ßi­ger, son­dern auch auf­grund des An­blicks. „Frü­her la­gen al­le Kom­po­nen­ten des Mit­tags­es­sens von ein­an­der ge­trennt, nun liegt al­les zu­sam­men auf ei­nem Tel­ler “, sagt Gie­res. Auch Bri­git­te Schulz ist von dem neu­en Sys­tem be­geis­tert: „Frü­her war das Mit­tags­es­sen lau­warm, heu­te ist es frisch auf dem Tel­ler.“Be­son­ders die in­di­vi­du­el­len Wün­sche ge­fal­len Schulz: „Ich kann bei­spiels­wei­se heu­te sa­gen, dass ich mor­gen et­was we­ni­ger auf dem Tel­ler ha­ben möch­te, wenn es zu viel war.“

Wenn San­dra Gie­res so ei­ne Rück­mel­dung hört, weiß sie: „Die Um­stel­lung des Mit­tags­es­sens war nicht das Ein­fachs­te, aber das Bes­te.“Zu­künf­tig ist ge­plant, auch das Früh­stück und das Abend­es­sen mit dem Schöpf­sys­tem ver­teilt wer­den. „Mit der Um­stel­lung schu­fen wir ei­ne ho­he Pa­ti­en­ten­zu­frie­den­heit und das zählt“, sagt San­dra Gie­res.

FOTO: DET­LEF IL­G­NER

Die Schü­ler er­klär­ten ges­tern, wie der elek­tro­ni­sche Bie­nen­stock funk­tio­niert, der bald auf dem Dach der Schu­le ste­hen wird.

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