De­menz­kran­ke im Tex­til-Tech­ni­kum

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR - VON IN­GE SCHNETTLER

Das Mu­se­um als Er­leb­nis­raum: Das Pro­jekt „De­menz In­klu­si­ve“soll be­trof­fe­nen Men­schen die Chan­ce bie­ten, sich zu er­in­nern. Ab An­fang Ok­to­ber wer­den für sie spe­zi­el­le Füh­run­gen an­ge­bo­ten.

Wenn Men­schen an De­menz er­kran­ken, ent­fer­nen sie sich nach und nach aus der Ge­gen­wart. Die Er­in­ne­run­gen an Ver­gan­ge­nes kann al­ler­dings noch län­ge­re Zeit wach blei­ben. Oder er­weckt wer­den, wenn der Er­krank­te be­hut­sam mit sei­ner ei­ge­nen Ge­schich­te kon­fron­tiert wird. Das ist der An­satz für die Füh­run­gen, die ab dem 1. Ok­to­ber im Tex­til-Tech­ni­kum im Mon­fortsQuar­tier an­ge­bo­ten wer­den. „Das ist weg­wei­send“, sagt Karl­heinz Wieg­mann. Seit fünf Jah­ren wer­den in sei­nem Mu­se­um Füh­run­gen für De­menz­kran­ke an­ge­bo­ten – mit gro­ßem Er­folg. „In die­sem spe­zi­el­len Fall ver­mit­teln wir nicht, wie es sonst im Mu­se­um üb­lich ist, wir be­glei­ten die Men­schen und ver­trau­en da­bei auf die Er­fah­rung ih­re Pfle­ger.“Die Füh­run­gen im Tex­til-Tech­ni­kum, das Be­stand­teil des Mu­se­ums Schloss Rhe­ydt ist, fin­det er be­son­ders sinn­voll. „Hier wer­den die Se­nio­ren mit der tex­ti­len Ge­schich­te der Stadt und mit ih­rer ei­ge­nen Ver­gan­gen­heit zu­sam­men­ge­bracht.“

„Sie dür­fen Din­ge an­fas­sen und beim We­ben zu­schau­en“

Be­lin­da Schmitt

Pro­jekt­lei­te­rin

Zur Vor­be­rei­tung hat es be­reits ei­nen ers­ten Rund­gang mit De­menz­kran­ken im Tex­til-Tech­ni­kum ge­ge­ben. „Das war für uns ei­ne tol­le Er­fah­rung“, sagt die Fach­be­reichs­lei­te­rin der städ­ti­schen Bil­dungs­Gm­bH, Be­lin­da Schmitt. Al­le Al­ten­hei­me der Stadt und in der Um­ge­bung wer­den ein­ge­la­den, das An­ge­bot zu nut­zen. „Und in ei­nem zwei­ten Schritt sol­len al­le Se­nio­ren mit pri­va­ter Be­glei­tung die Mög­lich­keit be­kom­men, das Tex­til-Tech­ni­kum als Er­leb­nis­raum zu er­kun­den.“Es wird nicht im üb­li­chen Sinn durch die Aus­stel­lung ge­führt. „Die Men­schen sol­len ein­fach ver­wei­len, sie dür­fen Din­ge an­fas­sen, und sie kön­nen beim We­ben zu­schau­en“, sagt die Pro­jekt­lei­te­rin.

Das neue Pro­jekt „De­menz In­klu­si­ve“ist auf 33 Mo­na­te be­fris­tet. Es wird mit 170.000 Eu­ro ge­för­dert. Dar­an sind zu glei­chen Tei­len das Mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit, Eman­zi­pa­ti­on, Pfle­ge und Al­ter und die Pfle­ge­kas­sen be­tei­ligt. Mit den be­reit­ge­stell­ten Mit­teln wer­den Per­so­nal- und Schu­lungs­kos­ten so­wie die wis­sen­schaft­li­che Be­glei­tung durch die Hoch­schu­le Nie­der­rhein fi­nan­ziert. Zu­dem ist be­reits seit dem 1. Ju­ni ein er­fah­re­ner Tex­til­päd­ago­ge be­schäf­tigt, au­ßer­dem wird es ei- nen Work­shop für so­ge­nann­te Er­in­ne­rungs­be­glei­ter ge­ben. Sie sol­len die Be­su­cher be­glei­ten und mit ih­nen im An­schluss die Er­leb­nis­se im Tex­til-Tech­ni­kum auf­ar­bei­ten. Sie wer­den über die tex­ti­le Ver­gan­gen­heit Mön­chen­glad­bachs ver­traut ge­macht, und sie er­fah­ren, wie sehr die­se das Le­ben der Men­schen ge­prägt hat.

„Im­mer wie­der kommt es vor, dass Men­schen mit De­menz wäh- rend ei­ner Füh­rung durch das Mu­se­um Schloss Rhe­ydt nach ei­nem Ge­gen­stand grei­fen, um ihn mit­zu­neh­men“, er­zählt Karl­heinz Wieg­mann. „Dar­über freue ich mich, denn es zeigt, dass sich die Men­schen tat­säch­lich ge­öff­net ha­ben.“Er fän­de es da­her auch gar nicht schlimm, wenn nach ei­ner Füh­rung durch das Tex­til-Tech­ni­kum die ei­ne oder an­de­re Garn­rol­le ver­schwun­den wä­re.

FOTO: SO­ZI­AL-HOL­DING

Su­san­ne Wall­ra­fen von der So­zi­al-Hol­ding mit zwei Se­nio­ren im Tex­til-Tech­ni­kum.

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