Schon am Sams­tag gab es ei­ne „Tour“– mit En­ten

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON CHRIS­TI­AN LIN­GEN

Ges­tern dann woll­ten die Teil­neh­mer der En­ten­ral­lye mit ih­ren Wa­gen am Rand der Tour de Fran­ce ste­hen. Die Stadt un­ter­sag­te es.

STADT­TEI­LE Sie ist ein ech­tes Kult­au­to und so manch ei­ner wünscht sich, ei­ne zu be­sit­zen. Die En­te, ei­gent­lich der Ci­tro­ën 2CV, ist ein Stück fran­zö­si­sches Le­bens­ge­fühl. Das gras­sier­te ja am Wo­che­n­en­de ganz be­son­ders stark in der Stadt. Ste­fan Schnei­der ge­nießt es aber täg­lich. Er fährt ei­ne hell­blaue En­te aus Über­zeu­gung und or­ga­ni­siert seit vie­len Jah­ren im­mer am ers­ten Sams­tag im Ju­li, die En­ten­ral­lye. An der dies­jäh­ri­gen Aus­fahrt nah­men zwar 14 Wa­gen teil, doch so rich­tig zu­frie­den wa­ren die Fah­rer nicht. Denn ei­gent­lich soll­te das Wo­che­n­en­de ganz an­ders ver­lau­fen. Als ges­tern die Tour de Fran­ce durch Mön­chen­glad­bach roll­te, woll­ten die Fah­rer da­bei sein. „Wir ha­ben lan­ge im Vor­feld Kon­takt mit der Stadt auf­ge­nom­men, ob wir ir­gend­wo ent­lang der Stre­cke mit un­se­ren En­ten auf ei­nem Platz oder ei­ner Wie­se ste­hen kön­nen. Das hät­te si­cher ein tol­les Bild ab­ge­ge­ben. Zu­erst ließ man uns lan­ge war­ten, dann kam die Ab­sa­ge“, er­zählt Schnei­der. Die Stadt ha­be er­klärt, die En­ten sei­en nicht mit dem Si­cher­heits­kon­zept ver­ein­bar.

Ver­är­gert wähl­ten die En­ten­fah­rer des­halb ei­ne Gast­stät­te in Wach­ten­donk als Ziel­punkt ih­rer Ral­lye. „Wenn man uns in der ei­ge­nen Stadt nicht ha­ben will, ge­hen wir halt in ei­ne an­de­re“, sagt Schnei­der. Die rund 130 Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke führ­te die 35 Teil­neh­mer in 14 En­ten von Hardt nach Xan­ten und dann zu­rück bis zum Ziel. Un­ter­wegs galt es, kniff­li­ge Auf­ga­ben zu lö­sen und vie­le Fra­gen zu be­ant­wor­ten. Am bes­ten ge­lang das Klaus und Ilo­na Carls. Sie ge­wan­nen die Ral­lye. Die auf­fäl­ligs­te En­te je­doch hat­te Hol­ger Dra­ke. Auf den ers­ten Blick sieht sein Ge­fährt gar nicht aus wie ei­ne En­te. Eher wie ein Strand­bug­gy. Hell­grün la­ckiert, kei­ne Fens­ter und ein schwar­zes Stoff­dach – so sieht sein Ci­tro­ën Mé­ha­ri aus, den das Un­ter­neh­men auf Grund­la­ge der En­te ent­wi­ckel­te. Be­kannt ist das Mo­dell vor al­lem aus Kla­mauk­fil­men mit Lou­is de Fu­nes. „Wir ha­ben heu­te ei­ne so hek­ti­sche Zeit. Bei 27 PS kommt man da echt zur Ru­he“, sagt Hol­ger Dra­ke.

Das Mo­dell ist heu­te sehr sel­ten ge­wor­den. Die Me­ha­ri von Hol­ger Dra­ke wur­de 1975 ge­baut. Ge­kauft hat er den Wa­gen erst vor we­ni­gen Mo­na­ten. „Er kam aus Hol­land, aber ge­kauft ha­be ich ihn in Deutsch­land“, er­zählt er. Das hat ei­nen Grund. Ur­sprüng­lich war das Mo­dell in Deutsch­land we­gen ei­nes man­gel­haf­ten Brand­gut­ach­tens nicht zu­ge­las­sen. EU-Ge­set­ze än­der­ten das je­doch. „Mein Wa­gen ist zu­ge­las­sen und vom TÜV ab­ge­nom­men. Nur muss­te ich ihn hell­grün la­ckie­ren, um ein H-Kenn­zei­chen zu be­kom­men. Da ging es um den Er­halt des Wa­gens als Kul­tur­gut“, er­zählt Dra­ke. Dass er am Sams­tag we­gen feh­len­der Fens­ter und dau­er­haf­ten Nie­sel­re­gens nass wur­de, stör­te ihn nicht. „Ich fah­re sonst Ca­brio und ma­che da das Dach auch bei Re­gen nicht zu“, er­zähl­te er.

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