Die ers­te Or­gel­nacht bei Ker­zen­schein fei­ert die Stil­le

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - MEDIEN - VON HEI­DE OEHMEN

KOR­SCHEN­BROICH Er­freu­lich vie­le In­ter­es­sier­te fan­den sich zur ers­ten „Or­gel­nacht bei Ker­zen­schein“in der St. Andre­as-Kir­che ein. Der schon ein we­nig dämm­ri­ge Sa­kral­raum war mit Tee­lich­tern ent­lang des Mit­tel­gan­ges und auf den Al­tar­stu­fen ge­schmückt – al­le Ker­zen in der Kir­che wa­ren ent­zün­det und der Al­tar­raum de­zent il­lu­mi­niert. Mit dem Glo­cken­schlag er­klang lei­se Mu­sik zur Ein­stim­mung, die über­ging in die Ge­dan­ken Ri­ta Miel­kes zur „Stil­le“. Ei­ne Fül­le von Aspek­ten die­ses kom­ple­xen The­mas hat­te die Pro­jekt­lei­te­rin von „Kor­schen­broich liest“zu­sam­men­ge­tra­gen, von der wohl­tu­en­den bis zur un­er­träg­li­chen oder er­zwun­ge­nen Stil­le, von der uns um­ge­ben­den Dau­er­be­rie­se­lung bis zum un­er­träg­li­chen Lärm, dem heut­zu­ta­ge vie­le Men­schen – meist un­ge­wollt – aus­ge­setzt sind.

In kur­zen State­ments und aus­ge­dehn­ten Ge­schich­ten wur­de den Zu­hö­rern die Pro­ble­ma­tik der im­mer wie­der ge­such­ten, dann aber oft kaum zu er­tra­gen­den Stil­le deut­lich. Doch man­ches ging un­ter – bei­spiels­wei­se das Goe­the-Ge­dicht „Über al­len Wip­feln ist Ruh‘“. Da­nach hät­te es ei­ner me­di­ta­ti­ven Mu­sik be­durft, statt wie­der un­mit­tel­bar ei­ne Ge­schich­te an­zu­schlie­ßen. Über­haupt - die Mu­sik. Die kam - ob­wohl die Ver­an­stal­tung „Or­gel­nacht“be­nannt war - zu­min­dest in der ers­ten St­un­de zu kurz. Da moch­te Mar­tin Son­nen noch so kunst­voll im­pro­vi­sie­ren – bei­spiels­wei­se über den In­troi­tus des gre­go­ria­ni­schen Re­qui­ems oder das „Hal­le­lu­ja“von Leo­nard Co­hen - die Ge­wich­tung lag ein­deu­tig auf dem ge­spro­che­nen Wort. Bei ei­nem der Tex­te wa­ren lei­se Or­gel­klän­ge un­ter­legt, das be­ein­träch­tig­te die ma­kel­lo­se Text­ver­ständ­lich­keit.

Ein Satz der Kom­po­si­ti­on von John Ca­ge „4‘33“, der vom Zu­hö­rer ver­langt, vier Mi­nu­ten und 33 Se­kun­den Stil­le aus­zu­hal­ten, zeig­ten dem dis­zi­pli­nier­ten Au­di­to­ri­um, wie schwie­rig ein sol­ches Un­ter­fan­gen ist. Nach der Pau­se kam die Or­gel doch noch ge­bühr­lich zu ih­rem Recht. Der Kan­tor im­pro­vi­sier­te un­ter an­de­rem über den Mit­tel­satz von Mo­zarts Kla­ri­net­ten­kon­zert, über die deut­sche Na­tio­nal­hym­ne und brach­te mit fünf fein ge­stal­te­ten Ver­set­ten über ein Abend­lied die Zu­hö­rer zu in­ne­rer Ru­he.

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