Schü­ler dis­ku­tie­ren mit Ge­ne­tik-Ex­per­ten

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - BILDUNG - VON MAREI VITTINGHOFF

Wenn bei ei­ner Ver­an­stal­tung die Gäs­te mit To­ma­ten wer­fen, ist das nor­ma­ler­wei­se kein gu­tes Zei­chen. Nicht aber beim „Ju­ni­or Sci­ence Ca­fé“in der Bi­schöf­li­chen Ma­ri­en­schu­le: Hier wur­de das ro­te Frucht­ge­mü­se ganz im Di­ens­te der Wis­sen­schaft durch die Luft be­för­dert. Denn ob die von den bei­den ein­ge­la­de­nen Pflan­zen­zucht­ex­per­ten ge­züch­te­ten „An­ti-Matsch-To­ma­ten“wirk­lich hal­ten, was sie ver­spre­chen? Ei­ni­ge To­ma­ten flie­gen her­um - die Ober­flä­che aber hält stand. Der Test ist be­stan­den.

Im „Ju­ni­or Sci­ence Ca­fé“der Klas­se 9a ging es aber na­tür­lich nicht nur um die Kon­sis­tenz von Obst und Ge­mü­se. Wo­chen­lang hat­ten die Schü­ler das Ex­per­ten-Tref­fen zum The­ma „Com­pu­ter­ge­stütz­tes Aus­wäh­len von Em­bry­os – kom­men die Su­perba­bys?“selbst­stän­dig ge­plant und Kon­takt zu Wis­sen­schaft­lern auf­ge­nom­men. Nun konn­ten sie die Ex­per­ten in Emp­fang neh­men. Dass das The­ma Ge­ne­tik für das „Ju­ni­or Sci­ence Ca­fé“– ei­ne Ko­ope­ra­ti­on von Wis­sen­schaft im Dia­log und der Deut­schen Te­le­kom Stif­tung – auf dem Plan ste­hen soll­te, hat­ten sich die Schü­ler selbst aus­ge­sucht. Im Bio­lo­gie-Un­ter­richt von Leh­rer Cor­nel van Beb­ber hat­ten sie be­reits al­les von den Men­del­schen Re­geln bis zur DNA ge­lernt so­wie in­ten­siv über De­si­gner-Ba­bys, Ver­er­bung von In­tel­li­genz und Zucht­ver­fah­ren mit Com­pu­tern dis­ku­tiert. „Wir woll­ten uns aber noch pro­fes­sio­nel­le Mei­nun­gen von Men­schen ein­ho­len, die sich in ih­rem Be­ruf täg­lich da­mit be­fas­sen“, er­zählt Schü­le­rin Fran­ka, die das Ca­fé mit ih­ren Klas­sen­ka­me­ra­din­nen Jo­han­na und Han­na mo­de­rier­te. Da­mit auch das Pu­bli­kum nicht zu kurz kam, konn­te da­bei par­al­lel zu den Ge­sprä­chen im­mer wie­der per Han­dy über The­men ab­ge­stimmt wer­den. Wie viel In­tel­li­genz man wohl von sei­nen El­tern erbt? Und wann ist es sinn­voll, Em­bry­os auf be­stimm­te Ei­gen­schaf­ten zu tes­ten?

Gleich zu Be­ginn des Ca­fés stand den Schü­lern Tin­ca Pol­der­man von der Uni­ver­si­tät Ams­ter­dam (Cen­ter for Neu­ro­sci­ence and Co­gni­ti­ve Re­se­arch) auf Eng­lisch Re­de und Ant­wort. Die Wis­sen­schaft­le­rin konn­te zwar nicht re­al an­we­send sein, ver­si­cher­te den Schü­lern des Gym­na­si­ums da­für aber per Li­vestream, dass es zwar Ge­ne für In­tel­li­genz ge­be, man von der DNA aber noch längst nicht auf die In­tel­li­genz schlie­ßen kön­ne.

Kath­rin Hatz und Marc Rut­ten, die „To­ma­ten­wer­fer“und Pflan­zen­zucht­ex­per­ten der Bay­er AG, er­klär­ten den Schü­lern an­schlie­ßend das Prin­zip des „Ge­ne­sta­ckers“– ein ma­the­ma­ti­sches Com­pu­ter­pro­gramm, mit dem die Züch­tung neu­er Sor­ten ver­ein­facht und be­schleu­nigt wer­den kann. Ob die To­ma­ten dann aber über­haupt noch schme­cken? „Bei den To­ma­ten hat der Ge­schmack der­zeit nicht mehr Prio­ri­tät in der Züch­tung“, er­klärt Rut­ten. „Heu­te ist es eher wich­tig, dass die Pflan­zen krank­heits­re­sis­tent sind.“

Weg von den Pflan­zen und hin zum Men­schen ging es bei der Be­fra­gung der letz­ten Ex­per­tin. Hier er­zähl­te Hil­trud Döh­men, Ärz­tin am Kin­der­wun­sch­zen­trum, von ih­rer Ar­beit bei der Be­ra­tung von Paa­ren und klär­te über die recht­li­chen Mög­lich­kei­ten in Deutsch­land auf.

Für die Ma­ri­en­schu­le gab es dann zum Ab­schluss noch ein Zer­ti­fi­kat: Sie kann sich nun „Ju­ni­or Sci­ence Ca­fé Schu­le 2017“nen­nen.

FO­TO: MAR­CUS GLOGER

Die Or­ga­ni­sa­to­ren des Mu­si­cals „Jo­in us and mo­ve“wur­den für län­der­über­grei­fen­des Mu­si­cal­pro­jekt aus­ge­zeich­net.

FO­TO: JO­HAN­NA DAHLMANNS

Die Schü­ler mo­de­rier­ten das Ju­ni­or Sci­ence Ca­fé.

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