18 Kö­nigs­py­thons ne­ben Müll­con­tai­ner

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - REISE&ERHOLUNG - VON GA­BI PE­TERS

Ein GEM-Mit­ar­bei­ter hat ges­tern Mor­gen bei Rei­ni­gungs­ar­bei­ten ei­ne ver­kleb­te Box ge­fun­den. Als er sie öff­ne­te, guck­ten ihn 18 Schlan­gen an. Die Tie­re wa­ren in Gie­sen­kir­chen an ei­nem Con­tai­ner aus­ge­setzt wor­den. Die Po­li­zei er­mit­telt.

Das war ein wah­rer Schreck in der Mor­gen­stun­de: Naim Ba­jrak­ta­ri (49), Mit­ar­bei­ter der Mags-Toch­ter GEM, woll­te ges­tern um 8 Uhr ganz nor­mal den Con­tai­ner­stand­ort „Am al­ten Fried­hof“in Gie­sen­kir­chen rei­ni­gen. Dann ent­deck­te er ei­ne ab­ge­stell­te, un­schein­ba­re Box, öff

ne­te sie und fand – Schlan­gen. „Die Box war sehr schwer, des­we­gen ha­ben ich sie ge­öff­net. Mit die­sem An­blick ha­be ich al­ler­dings nicht ge­rech­net“, sagt Naim Ba­jrak­ta­ri. In der mit Pa­ket­kle­be­band fest zu­ge­kleb­ten Box be­fan­den sich 18 Schlan­gen, wie die Feu­er­wehr spä­ter zähl­te.

Die Tie­re wa­ren of­fen­bar von Un­be­kann­ten am Con­tai­ner aus­ge­setzt wor­den. „Es wa­ren ei­ni­ge klei­ne Schlan­gen, aber auch grö­ße­re Tie­re. Ei­ne Schlan­ge hat­te die Di­cke ei­nes Un­ter­arms“, be­rich­tet Ba­jrak­ta­ri. Sie al­le schlän­gel­ten sich in der Box. Ein klei­nes Loch an der Sei­te dien­te of­fen­bar als Sau­er­stoff­zu­fuhr. „Das ist Tier­quä­le­rei“, fin­det Mags-Spre­cher Mar­tin Braun. Auch er hat so et­was noch nie er­lebt. „Wir ha­ben ein­mal ein Ter­ra­ri­um an ei­nem Con­tai­ner-Stand­ort ge­fun­den. Als un­ser Mit­ar­bei­ter dar­an klopf­te, kam

aus ei­ner Ecke ein Hams­ter ge­lau­fen“, be­rich­tet er. Die GEM in­for­mier­te nach dem Fund ges­tern un­ver­züg­lich Po­li­zei und Feu­er­wehr, die sich der Tie­re an­nah­men. Wie die Feu­er­wehr spä­ter mit­teil­te, han­delt es sich bei den Schlan­gen um Kö­nigs­py­thons. Sie wur­den zu ei­ner fach­kun­di­gen Tier­hand­lung ge­bracht. Zwei Tie­re zeig­ten Zei­chen von Man­gel­er­näh­rung. Die Schlan­gen sei­en zwi­schen ein und vier Jah­re alt und un­gif­tig. Dar­un­ter soll sich auch ein Al­bi­no-Ex­em­plar be­fun­den ha­ben. Für ei­nen sol­chen Py­thon hät­te man vor Jah­ren Prei­se bis zu 5000 Eu­ro er­zie­len kön­nen, er­zähl­te der Ex­per­te den Feu­er­wehr­leu­ten. Doch mitt­ler­wei­le sei­en die Prei­se ver­fal­len. Vi­el­leicht hat­te sich der Be­sit­zer auch des­halb der Tie­re ent­le­digt.

Die Po­li­zei er­mit­telt nun we­gen Ver­sto­ßes ge­gen das Tier­schutz­ge­setz. Was bei Naim Ba­jrak­ta­ri ei­nen gro­ßen Schre­cken aus­lös­te, ist für Mön­chen­glad­bachs Feu­er­wehr­leu­te schon fast All­tag. Im Au­gust 2016 hat­te ei­ne 1,20 Me­ter lan­ge, feu­er­ro­te Schlan­ge Ver­wal

tungs­mitar- bei­ter im Rhe­ydter Rat­haus-In­nen­hof er­schreckt. Die Feu­er­wehr konn­te die Schlan­ge zu­sam­men mit ei­nem Rep­ti­li­en­ex­per­ten nach kur­zer Ge­gen­wehr in ei­nem Lei­nen­sack ver­stau­en. Auch die­ses Ex­em­plar war un­gif­tig. Es war ei­ne Kornnat­ter.

Der Schreck war groß, die Schlan­ge zum Glück klein: Ei­nen 60 Zen­ti- me­ter lan­gen Py­thon hat­te die Be­woh­ne­rin ei­nes Hau­ses in Neu­werk im Mai 2005 auf ih­rer Ter­ras­se ent­deckt. Die Frau hat­te ih­ren Son­nen­schirm auf­bau­en wol­len. Als sie den aus sei­nem Win­ter­quar­tier hol­te, sah sie sich Au­ge in Au­ge mit dem Rep­til. Auch dies war ein Ein­satz für die Feu­er­wehr. Sie schick­te ei­ne im Um­gang mit Schlan­gen ge­schul­te Kol­le­gin nach Neu­werk, und die­se fing das Tier mit ei­nem spe­zi­el­len Ha­ken ein. Im Fe­bru­ar die­ses Jah­res hat­te ein An­ru­fer die Po­li­zei alar­miert, weil er ei­ne leb­lo­se Py­thon-Schlan­ge in ei- nem Baum an der Stra­ße Ka­ta­ri­nen­hof ent­deckt hat­te. Auch in die­sem Fall wä­re die Feu­er­wehr an­ge­rückt, wenn das 1,50 Me­ter lan­ge Tier nicht plötz­lich ver­schwun­den wä­re. Ein Hund von ei­ner na­he­lie­gen­den Frei­lauf­wie­se hat­te sich die Wür­ge­schlan­ge nach An­ga­ben des An­ru­fers ge­schnappt und war da­mit in der Dun­kel­heit ver­schwun­den. Die Ver­su­che des Hun­de­hal­ters, sei­nen Vier­bei­ner nebst Kriech­tier im Maul zu­rück­zupfei­fen, wa­ren nur teil­wei­se er­folg­reich. Der Hund kam zu­rück, die Schlan­ge blieb un­auf­find­bar.

„Ei­ne Schlan­ge hat­te die Di­cke ei­nes Un­ter­arms“

Naim Ba­jrak­ta­ri

GEM-Mit­ar­bei­ter

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