Stadt be­kommt 2018 rund 2,4 Mil­lio­nen Eu­ro von RWE

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - REISE&ERHOLUNG - VON DIE­TER WE­BER

Son­der­di­vi­den­de und or­dent­li­che Di­vi­den­de des Ener­gie­rie­sen hel­fen Käm­me­rer Ku­ckels beim Haus­halts­aus­gleich.

Wenn Fi­nanz­mi­nis­ter ei­nen nicht ge­plan­ten Geld­se­gen er­war­ten, ge­hen sie oft in ei­ne Ab­wehr­hal­tung. Spa­ren sei wei­ter­hin an­ge­sagt heißt es dann so­fort, da­mit erst gar kei­ne Be­gehr­lich­kei­ten in der Po­li­tik ge­weckt wer­den. Auch Stadt­käm­me­rer Bernd Ku­ckels hat die­se Rol­le ver­in­ner­licht. Und so ver­tei­digt er schon jetzt ei­ne Sum­me, die Mön­chen­glad­bach für 2018 er­war­ten kann und die nie­mand auf der Rech­nung hat­te: rund 2,4 Mil­lio­nen Eu­ro von RWE (nach Steu­ern).

Nach­dem das Bundesverfassungsgericht die Brenn­ele­men­te­steu­er ge­kippt hat­te und RWE ei­ne Rück­er­stat­tung in Mil­li­ar­den­hö­he er­war­ten kann, kün­dig­te RWE für das Ge­schäfts­jahr 2017 ei­ne Son­der­di­vi­den­de von ei­nem Eu­ro pro Ak­tie an. Und zu­sätz­lich noch die oh­ne­hin wie­der ge­plan­te Di­vi­den­de von 50 Cent/Ak­tie. Mön­chen­glad­bach als Be­sit­zer von 1.917.470 RWE-Ak­ti­en darf al­so ei­ne Zu­wen­dung ein­kal­ku­lie­ren – falls, wie er­war­tet, die RWE-Haupt­ver­samm­lung im nächs­ten Jahr ihr Okay gibt. „Wir brau­chen das Geld drin­gend für den Haus­halts­aus­gleich. Es kommt zum rich­ti­gen Zeit­punkt“, sagt Käm­me­rer Ku­ckels und fügt an: Er hof­fe, dass die Po­li­ti­ker die Sum­me nicht für ein an­de­res Pro­jekt ein­pla­nen.

Es ist ein neu­es Ka­pi­tel in der ku­rio­sen und oft­mals är­ger­li­chen Ge­schich­te um die RWE-Ak­ti­en. In­ter­es­sant ist, wie die Stadt an die Ak­ti­en kam: 1927 muss sie schon über ei­nen Be­stand ver­fügt ha­ben, weil es ei­nen Ver­trag mit der Stadt Es­sen als Treu­hän­de­rin der kom­mu­na­len Auf­nah­me­grup­pe gibt. Von den heu­ti­gen rund 1,92 Mil­lio­nen rüh­ren 337.120 Stück aus Alt­be­stän­den aus der Zeit vor 1956. In den Jah­ren von 1956 bis 1983 wur­den ins­ge­samt 1.037.290 der heu­ti­gen Ak­ti­en zu­ge­kauft, und die Stadt er­hielt 571.660 als Gra­tis­ak­ti­en. Da­bei ist zu be­rück­sich­ti­gen, dass die Nenn­wer­te der Ak­ti­en 1995 um­ge­stellt wur­den: Der Be­stand re­du­zier­te sich.

Rück­bli­ckend muss man sa­gen: Der eins­ti­ge Schatz hat viel von sei­nem Glanz ver­lo­ren. En­de 2007/An­fang 2008 woll­te es Mön­chen­glad­bach Düs­sel­dorf nach­ma­chen und die RWE-Ak­ti­en ver­kau­fen. Die Lan­des­haupt­stadt hat­te mit dem fi­nanz­po­li­ti­schen Kraft­akt die Schul­den­frei­heit ge­schafft. In Mön­chen­glad­bach ging der Schuss nach hin­ten los. Als sich CDU und FDP – da­mals in ei­ner Rats­ko­ope­ra­ti­on – für den Ver­kauf ent­schie­den, stand die RWE-Stamm­ak­tie bei rund 95 Eu­ro, Ex­per­ten rech­ne­ten so­gar mit ei­nem Sprung deut­lich über 100 Eu­ro.

Nach dem Bör­sen­crash 2008 be­gann der Sink­flug. Als die Stamm­ak­tie bei 63 Eu­ro lag, hät­te es er­neut die Ge­le­gen­heit zum Ver­kauf ge­ge­ben. Die­se gro­ße Chan­ce wur­de ver­passt, weil ei­ne po­li­ti­sche Mehr­heit in der Stadt der fes­ten Über­zeu­gung war, dass der Kurs wie­der stei­gen wür­de. Stadt­käm­me­rer Ku­ckels be- kam des­halb 2008 den Auf­trag, erst zu ver­äu­ßern, wenn die Stadt 85 Eu­ro pro Stamm­ak­tie er­lö­sen kann. Nur ein­mal zum Ver­gleich für die wei­te­re Ent­wick­lung: Die Ak­tie lag zwi­schen­zeit­lich auch schon ein­mal bei nur knapp über neun Eu­ro.

Schlim­mer: Für Steu­ern und das Ho­no­rar von Sal. Op­pen­heim fie­len wei­te­re mehr als zehn Mil­lio­nen Eu­ro an. Noch heu­te gibt es kri­ti­sche Stim­men, die hin­ter­fra­gen, war­um die Stadt ih­re per­so­nell und stra­te­gisch gut auf­ge­stell­te Stadt­toch­ter Stadt­spar­kas­se nicht mit der Auf­ga­be der Ak­ti­en­plat­zie­rung be­traut hat. Schließ­lich hat­te die wirt­schaft­lich schwie­ri­ge Si­tua­ti­on bei RWE an­de­re Fol­gen: Die Di­vi­den­de, die 2009 im­mer­hin bei 4,50 Eu­ro/ Stamm­ak­tie lag, fiel im­mer wei­ter und 2016 so­wie 2017 so­gar ganz weg. Des­halb woll­ten Grü­ne und Lin­ke die Ak­ti­en im Vor­jahr ver­kau­fen. Ihr An­trag schei­ter­te.

RP-AR­CHIV: ILGNER

Bernd Ku­ckels darf auf rund 2,4 Mil­lio­nen Eu­ro hof­fen.

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