Afri­ka­ner er­schüt­tert über „Kai­ser­büf­fel“

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - REISE&ERHOLUNG - VON GUNDHILD TILLMANNS

Ein süd­afri­ka­ni­scher Pfar­rer und Mit­glied im Bünd­nis „Völ­ker­mord ver­jährt nicht“for­dert den Schüt­zen­zug „Kai­ser­büf­fel“zum zwei­ten Mal auf, die Uni­for­men ab­zu­le­gen, die den Ge­no­zid an 80.000 He­re­ro sym­bo­li­sie­ren.

JÜ­CHEN/OL­DEN­BURG Wei­te Krei­se zieht der ers­te Auf­tritt des Schüt­zen­zu­ges „Kai­ser­büf­fel“in den Uni­for­men der Schutz­trup­pen der ehe­ma­li­gen Ko­lo­nie Deutsch-Süd­west­Afri­ka beim Schüt­zen­fest in Bed­bur­dyck-Stes­sen. In ei­nem of­fe­nen Brief for­dert jetzt der süd­afri­ka­nisch-stäm­mi­ge evan­ge­li­sche Pfar­rer Dr. Ben Khu­ma­lo-See­gel­ken aus Ol­den­burg die „Kai­ser­büf­fel“be­reits zum zwei­ten Mal nach 2009 auf, die­se Uni­for­men nicht mehr zu tra­gen: „Der Na­me, den Ihr Schüt­zen­zug führt, und die Uni­form, die er trägt, er­we­cken nicht nur bei mir den Ein­druck, dass Ihr Schüt­zen­zug die Trup­pen der Ko­lo­ni­al­macht im da­ma­li­gen Deutsch-Süd­west­afri­ka ver­herr­licht, und den von ih­nen ver­üb­ten Völ­ker­mord eben­so“, schreibt der vor Jah­ren auch in Gre­ven­broich tä­ti­ge Theo­lo­ge, der nach ei­ge­nen An­ga­ben im Bünd­nis „Völ­ker­mord ver­jährt nicht“er­folg­reich da­für mit­ge­kämpft hat, dass sich die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land für den an 80.000 He­re­ro und Na­ma ver­üb­ten Ge­no­zid bei ei­nem Be­such der Ent­wick­lungs­hil­fe­mi­nis­te­rin in Na­mi­bia reu­mü­tig ent­schul­digt hat. Die „Kai­ser­büf­fel“hat­ten sich be­reits 2005 in Gier­ath ge­grün­det und wa­ren dort eben­falls in den Schutz­trup­pen­uni­for­men bei den Schüt­zen­fes­ten mit­ge­zo­gen. Jetzt in Bed­bur­dyck gab es erst­ma­lig aus der Be­völ­ke­rung Pro­tes­te. Dar­auf­hin hat der Schüt­zen­zug zwar sei­ne In­ter­net­sei­te und sei­nen Face­book-Auf­tritt ge­löscht. Der Zug-Chef hat­te aber ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on er­klärt, die „Kai­ser­büf­fel“wür­den die Uni­for­men auch wei­ter­hin tra­gen: Man ver­herr­li­che da­mit nicht den Völ­ker­mord, son­dern tra­ge sie zur Mah­nung.

Mit die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on hat Ben Khu­ma­lo gro­ße Pro­ble­me: „Ich hat­te auf Ein­sicht ge­hofft, und dass der Schüt­zen­zug nach mei­nem ers­ten Brief die pro­ble­ma­ti­schen Uni­for­men still­schwei­gend ab­ge­legt hät­te“, sag­te er im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Er sei er­schüt­tert, als er von Be­kann­ten aus dem Rhein­land über das er­neu­te Auf­tre­ten der „Kai­ser­büf­fel“in der Klei­dung der Ko­lo­ni­al­trup­pen, die sich in ih­rer Be­deu­tung ein­fach nicht von dem Völ­ker­mord tren­nen lie­ßen, er­fah­ren ha­be: „Ich bin ein Mann, der sich viel im In­ter­net be­wegt“, sagt der 66-Jäh­ri­ge, der 1975 we­gen sei­nes Wi­der­stan­des ge­gen

„Ich hat­te ge­hofft, dass der Zug die Uni­for­men ab­le­gen wür­de“

B.Khu­ma­lo-See­gel­ken

Evan­ge­li­scher Pfar­rer

die Apart­heid sein Ge­burts­land Süd­afri­ka ver­las­sen muss­te. Er wur­de 1980 in Deutsch­land ein­ge­bür­gert, stu­dier­te un­ter an­de­rem evan­ge­li­sche Theo­lo­gie und ist seit 1886 Pfar­rer, auch mit Lehr­auf­trag an Hoch­schu­len.

Im In­ter­net und auf sons­ti­ge Wei­se ver­fol­ge er sehr wach­sam den Um­gang mit der Ko­lo­ni­al­ge­schich- te. Mit of­fe­nen Brie­fen, Ap­pel­len, sei­ner Mit­ar­beit im Bünd­nis „Völ­ker­mord ver­jährt nicht“ver­su­che er das Be­wusst­sein für ei­nen selbst­kri­ti­schen Um­gang mit der deut­schen Ge­schich­te zu sen­si­bi­li­sie­ren, sagt der Pfar­rer. Für ihn sei der er­neu­te Auf­marsch der „Kai­ser­büf­fel“trotz sei­ner deut­li­chen Hin­wei­se aus dem Jahr 2009 auch ei­ne per­sön­li­che Ent­täu­schung: „Ich dach­te, der Schüt­zen­zug hät­te da­mals aus mei­nen Er­klä­run­gen et­was da­zu ge­lernt.“Nun be­en­det er sei­nen er­neu­ten Ap­pell an die „Kai­ser­büf­fel“mit den Wor­ten: „Ich hof­fe auf Ein­sicht.“

Auf die An­fra­ge zu ei­ner neu­er­li­chen Stel­lung­nah­me ant­wor­te­te der Zug-Chef der „Kai­ser­büf­fel“nicht.

FO­TO: JÜR­GEN BÄTZ/DPA

Ge­den­ken an den Völ­ker­mord in Na­mi­bia: Nach­kom­men der He­re­ro ver­sam­mel­ten sich 2015 am Rand der Oma­he­ke-Wüs­te, um an den Be­ginn des Völ­ker­mor­des durch die Deut­schen vor mehr als 100 Jah­ren zu er­in­nern.

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