Schwar­ze Um­hän­ge und Adi­let­ten

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES - VON MAREI VITTINGHOFF

Die Band Deich­kind gab ein ex­klu­si­ves Club­kon­zert im Strand­haus des Spar­kas­sen­parks. 250 Fans der schril­len Grup­pe wa­ren ge­kom­men und fei­er­ten ei­ne Par­ty mit al­ler­hand Skur­ri­li­tä­ten. Die Sän­ger ga­ben sich be­wusst pu­bli­kums­nah.

Als um kurz nach neun ein Rau­schen durch die Bo­xen geht, die Lich­ter im Rhyth­mus zu fla­ckern be­gin­nen und end­lich der Bass ein­setzt, herr­schen im Strand­haus ne­ben dem Spar­kas­sen­park be­reits tro­pi­sche Tem­pe­ra­tu­ren. Nur we­ni­ge Se­kun­den ver­ge­hen, da hat sich die knie­ho­he Büh­ne auf ei­nen Schlag in ei­nen Spiel­platz ver­wan­delt. Das, was kurz zu­vor mit sei­nem wei­ßen Stoff­ban­ner mit der blau­ge­pin­sel­ten Auf­schrift „Po­wer of Love“und dem aus­ran­gier­ten So­fa an die Ku­lis­se ei­ner Schü­ler­band er­in­ner­te, ist nun mit so vie­len Ab­sur­di­tä­ten ge­füllt, dass man gar nicht ge­nau weiß, wo man zu­erst hin­schau­en soll. Auf Por­ky, der ober­kör­per­frei mit wei­ßen Shorts und Ho­sen­trä­gern her­um­hüpft, auf Kryp­tic Joe, der sich mit ei­nem schwar­zen Um­hang mit ho­hem Kra­gen über die Büh­ne be­wegt, auf die et­was ei­gen­sin­ni­ge Kom­bi­na­ti­on von Ba­de­man­tel, Per­len­ket­te und Adi­let­ten oder auf die strub­be­li­gen Fell­män­tel, die im Hin­ter­grund um­her­sprin­gen. Noch be­vor man sich für ein De­tail ent­schei­den kann, er­tö­nen mit „Dei­ne El­tern sind auf ei­nem Ten­nis­tur­nier“die ers­ten Ver­se von „Rem­mi­dem­mi“, Sekt­kor­ken knal­len, Dau­nen flie­gen durch die Luft, ei­ne rie­si­ge Fah­ne schwingt um­her und wie aus dem Nichts fin­det sich ei­ne gel­be Hüpf­burg in der Men­ge wie­der.

Wer dach­te, dass die sechs Deich­kin­der bei ih­rem Club­kon­zert vor 250 glück­li­chen Kar­ten­ge­win­nern ei­nen Gang run­ter­schal­ten wür­den, merkt spä­tes­tens jetzt, dass er falsch liegt. Denn auch wenn al­les durch die Nä­he zu den Künst­lern et­was ge­müt­li­cher ist als sonst: Wie für die Band ty­pisch, gleicht die Li­ve­show ei­ner ein­zi­gen grel­len Par­ty. Zeit zur Ver­ar­bei­tung der vie­len Ein­drü­cke bleibt kaum, denn mit den Songs „Ich hab ei­ne Fah­ne“und „Krieg“- wird gleich wei­ter­ge­fei­ert. Schwirrt an­fangs noch die Fra­ge „Was pas­siert hier ei­gent­lich ge­ra­de?“durch den Kopf, wenn ei­nes der sechs Band­mit­glie­der zu „Auf­stand im Schla­raf­fen­land“Crowd­sur­fing macht, bei „Il­le­ga­le Fans“wie ein Klam­meräff­chen an ei­nem Holz­bal­ken hängt und den Fans Stem­pel mit der Auf­schrift „Il­le­gal“auf die Haut drückt, wun­dert sich am En­de kei­ner mehr so rich­tig, wenn mit dem Kon­fet­ti­re­gen auch gleich das gan­ze So­fa in sei­nen Ein­zel­tei­len durch das Strand­haus schießt. Und ob Do­mi­nik, der drei Mo­na­te lang an sei­nem ei­ge­nen Deich­kind-Hut ge­ar­bei­tet hat, Ja­ni­ne und Bar­ba­ra Weiß­ner, die sich für das Kon­zert in Müll­sä­cke ge­schmis­sen ha­ben, oder Pe­tra Schü­ler, die bis­her nur die Vi­deo­clips der Band kennt: Wenn es dar­um geht, die an die­sem Abend meist zy­ni­schen Tex­te der Band wie „Ar­beit nervt“mit­zu­sin­gen, sind sie al­le da­bei. So geht es zum Ab­schluss für ei­nen Teil des hem­mungs­los hüp­fen­den Pu­bli­kums zu „Li­mit“auf die Büh­ne, be­vor als Zu­ga­be ei­ne skur­ri­le In­ter­pre­ta­ti­on von Nir­va­nas „Li­thi­um“folgt.

„Erst war es ein biss­chen schüch­tern, aber dann ging’s steil“, lobt Kryp­tik Joe, ali­as Phil­ipp Grü­te­ring nach dem Fi­na­le um 22 Uhr. Mit Deich­kind ist da­mit aber noch lan­ge nicht Schluss. Wie­der in All­tags­klei­dung mi­schen sich die Band­mit­glie­der nach der Show un­ter die Gäs­te, tau­schen An­ek­do­ten mit Fans und ver­tei­len Au­to­gram­me, Bier und Hand­schlä­ge. Dass der Kör­per da­bei völ­lig mit Dau­nen, Stem­peln und Kon­fet­ti be­deckt ist, in­ter­es­siert nach die­sem Abend nie­man­den.

FO­TOS . SPAR­KAS­SEN­PARK

Ob Dau­nen, Sekt oder Kon­fet­ti: Wie für die spek­ta­ku­lä­ren Li­ve­shows von Deich­kind ty­pisch, wur­de auch beim Club­kon­zert wie­der mit al­ler­lei Ku­rio­si­tä­ten ge­wor­fen. Hier Phil­ipp Grü­te­ring (Kryp­tik Joe) mit schwar­zem Um­hang.

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