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Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - WIRTSCHAFT -

che Maß­nah­me je­doch nicht ab. Die Grü­nen-Bun­des­tags­frak­ti­on hat der Bun­des­re­gie­rung kürz­lich ei­nen Fra­gen­ka­ta­log ge­schickt, um die Maß­nah­men der gro­ßen Ko­ali­ti­on et­wa ge­gen zu frü­hen Ver­schleiß ab­zu­klop­fen.

Die Ant­wor­ten des zu­stän­di­gen Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums lie­gen un­se­rer Re­dak­ti­on nun vor. Dem­nach un­ter­stützt die Bun­des­re­gie­rung grund­sätz­lich „die Her­stel­lung und Kenn­zeich­nung von Elek­tro­ge­rä­ten mit ei­ner lan­gen Halt­bar­keit“und sol­chen, die sich leicht re­pa­rie­ren und gut re­cy­celn las­sen. Al­so ein La­bel für be­son­ders um­welt­scho­nen­de und ver­brau­cher­freund­li­che Pro­duk­te? So in et­wa, je­doch führt das der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär Flo­ri­an Pro­nold (SPD) in sei­nem Schrei­ben an die Grü­nen nicht ge­nau­er aus. Laut Um­welt­res­sort müss­ten in je­dem Ein­zel­fall An­for­de­run­gen für Pro­duk­te wie Telefone, To­as­ter oder Fern­se­her de­fi­niert wer­den, die „tech­nisch mach­bar, öko­lo­gisch sinn­voll und wirt­schaft­lich ver­tret­bar sind“. Auch über­prüf­bar müss­ten sie sein.

Doch da wird es für den ein­zel­nen Na­tio­nal­staat in der EU kom­pli­ziert bis un­mög­lich, al­lein vor­zup­re- schen. Der eu­ro­päi­sche Bin­nen­markt mit ei­ner Viel­zahl an Vor­schrif­ten setzt da­für en­ge Leit­plan­ken. Und so heißt es in der Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung nur all­ge­mein: „Um Res­sour­cen und Ener­gie ef­fek­tiv zu nut­zen, soll­ten Pro­duk­te nicht vor Er­rei­chen ih­rer tech­nisch mög­li­chen Le­bens­dau­er aus­fal­len.“

Neue Re­geln müss­ten auf EUEbe­ne er­las­sen wer­den. Die EUKom­mis­si­on, so ist die Ant­wort des Bun­des­um­welt­mi­nis­te­ri­ums zu in­ter­pre­tie­ren, sei be­reits da­bei, Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten zu un­ter­su­chen. Da­her ha­be man in Deutsch­land noch kei­ne Ge­set­ze an­ge­passt.

Gleich­wohl stellt das Res­sort von Mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Hend­ricks (SPD) den „Blau­en En­gel“als be­reits vor­han­de­nes La­bel für lang­le­bi­ge und re­pa­ra­tur­freund­li­che Pro­duk­te her­aus. Dar­an könn­ten Ver­brau­cher sol­che Pro­duk­te be­reits er­ken­nen. Auch der so­ge­nann­te „Bun­des­preis Ecode­sign“stel­le er­höh­te An­for­de­run­gen et­wa an Elek­tro­ge­rä­te, wo­bei auch Ge­schäfts­kon­zep­te oder Di­enst­leis­tun­gen da­mit aus­ge­zeich­net wer­den kön­nen.

Dar­über hin­aus hält die Bun­des­re­gie­rung die Ein­füh­rung ei­nes

Bun­des­re­gie­rung Min­dest­halt­bar­keits­da­tums (Her­stel­ler­ga­ran­tie­aus­sa­ge­pflicht) für Elek­tro­ge­rä­te für ein „ge­eig­ne­tes In­stru­ment“. Das Um­welt­res­sort er­kennt an, dass Initia­ti­ven zum Tei­len von Din­gen da­zu bei­tra­gen kön­nen, dass na­tür­li­che Res­sour­cen we­ni­ger in An­spruch ge­nom­men wer­den müs­sen. Und man ha­be seit 2013 ein Ab­fall­ver­mei­dungs­pro- gramm mit den Län­dern auf­ge­legt, in dem „Re­pa­ra­tur­netz­wer­ke“durch Län­der und Ge­mein­den emp­foh­len wer­den. Wie die­se kon­kret aus­se­hen und ar­bei­ten sol­len, geht aus dem Schrei­ben nicht her­vor.

Er­kennt­nis­se dar­über, wel­che Elek­tro­ge­rä­te aus wel­chen Grün­den früh­zei­tig ver­schlei­ßen, hat die Bun­des­re­gie­rung nach ei­ge­nen An­ga­ben nicht. Der­zeit soll das aber ein For­schungs­vor­ha­ben im Auf­trag der EU-Kom­mis­si­on her­aus­fin­den, heißt es.

Für die Grü­nen ist das längst nicht ge­nug. Ni­co­le Ma­isch, Spre­che­rin für Ver­brau­cher­po­li­tik, sag­te da­zu: „Es ist ein Ar­muts­zeug­nis, dass die Bun­des­re­gie­rung au­ßer Prüf­auf­trä­gen nichts zu bie­ten hat.“Dass Pro­duk­te viel zu früh ka­putt gin­gen, sei bei­lei­be kei­ne neue Er­kennt­nis. Da­mit müs­se Schluss sein. Ma­isch setzt sich da­für ein, dass es ein La­bel für halt­ba­re Ge­rä­te gibt. Auch der Chef des Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­ban­des, Klaus Mül­ler, un­ter­stützt das. „Lang­le­big­keit muss ein­fach und klar ge­kenn­zeich­net wer­den“, sagt Mül­ler. Ma­isch be­klagt zu­dem: „Es ist ab­surd, wenn ein­fa­che Re­pa­ra­tu­ren teu­rer sind als ei­ne Neu­an­schaf­fung.“Des­halb for­de­re sie ei­nen er­mä­ßig­ten Mehr­wert­steu­er­satz bei der Re­pa­ra­tur be­stimm­ter Pro­duk­te. Die Bun­des­re­gie­rung hält das je­doch für nicht ver­ein­bar mit EU-Recht.

„ Pro­duk­te soll­ten nicht vor Er­rei­chen ih­rer tech­nisch mög­li­chen Le­bens­dau­er aus­fal­len“

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