Hid­ding ope­riert auch im Ru­he­stand wei­ter – in Pe­ru

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE GESUNDHEIT - VON AN­GE­LA RIETDORF

Am schöns­ten war für ihn im­mer die Kin­der­sprech­stun­de. „Ich ha­be die Kin­der oft am ers­ten Tag nach der Ge­burt ken­nen­ge­lernt und sie dann re­gel­mä­ßig wie­der­ge­se­hen“, sagt Prof. Jo­han­nes Hid­ding, Chef­arzt für Mund-Kie­fer-Ge­sichts­chir­ur­gie am Ev. Kran­ken­haus Be­thes­da der Jo­han­ni­ter. Kin­der, die mit ei­ner Lip­pen-Kie­fer-Gau­men­spal­te ge­bo­ren wur­den, ei­ner der häu­figs­ten an­ge­bo­re­nen Fehl­bil­dun­gen beim Men­schen. Sie ist heu­te gut be­han­del­bar, er­for­dert aber mehr­fa­che Ope­ra­tio­nen und zwi­schen­zeit­li­che Kon­trol­len. Des­halb lernt der MKG-Chir­urg sei­ne klei­nen Pa­ti­en­ten in der Re­gel früh ken­nen und be­glei­tet sie bis zu Er­wach­se­nen­al­ter.

Die­se gro­ße Nä­he zu den Kin­dern war ei­ne be­son­de­re Er­fah­rung für den Chef­arzt Jo­han­nes Hid­ding, der jetzt nach sech­zehn­jäh­ri­ger Chef­arzt­tä­tig­keit am Be­thes­da in den Ru­he­stand ver­ab­schie­det wur­de. In den mehr als an­dert­halb Jahr­zehn­ten sei­ner Lei­tungs­tä­tig­keit hat sich sein Fach­be­reich deut­lich ver­än­dert. Tu­mo­ren wer­den bei­spiels­wei­se ra­di­ka­ler ent­fernt. In der Mund-Kie­fer­ge­sichts­chir­ur­gie ha­ben Mi­kro­chir­ur­gie und en­do­sko­pi­sche Chir­ur­gie ih­ren Ein­zug ge­hal­ten.

„Die Schnit­te wer­den im­mer klei­ner, die Tech­nik hat gro­ße Fort­schrit­te ge­macht“, er­klärt Hid­ding, der ei­ne Pro­fes­sur in Köln in­ne­hat­te, be­vor er ans Be­thes­da wech­sel­te. Der For­schung ge­hör­te auch wei­ter­hin sein En­ga­ge­ment. „Tüf­teln“nennt er das. 1600 sta­tio­nä­re Pa­ti­en­ten und über 6000 am­bu­lan­te Fäl­le pro Jahr pro­fi­tier­ten von sei­ner fach­li­chen Kom­pe­tenz, aber auch an­ge­hen­de Ärz­te, de­nen er in OPKur­sen die Fein­hei­ten sei­nes Fachs ver­mit­tel­te. Arzt war im­mer der Traum­be­ruf des ge­bür­ti­gen Nie­der­sach­sen. Und als MKG-Chir­urg hat er ei­ne be­son­ders lan­ge und an­spruchs­vol­le me­di­zi­ni­sche Aus­bil­dung hin­ter sich ge­bracht: Er hat nicht nur Hu­man­me­di­zin, son­dern auch Zahn­me­di­zin stu­diert und je­weils mit Pro­mo­ti­on ab­ge­schlos­sen. 16 Jah­re dau­ert die­ser Weg. Ob das nur mit der „Lust am Re­pa­rie­ren“zu er­klä­ren ist, wie er la­pi­dar fest­stellt? Da spielt wohl auch viel Lei­den­schaft für den Men­schen ei­ne Rol­le. Die zeigt sich in sei­nem ka­ri­ta­ti­ven En­ga­ge­ment. Über vie­le Jah­re ar­bei­te­te er mit der Ak­ti­on Frie­dens­dorf In­ter­na­tio­nal zu­sam­men und ver­sorg­te mehr als fünf­zig Kin­der aus Kri­sen­re­gio­nen wie Af­gha­nis­tan oder An­go­la ope­ra­tiv. Kin­der, die kei­ne Nah­rung mehr zu sich neh­men konn­ten, weil das Kie­fer­ge­lenk ge­bro­chen war oder ei­ne Gau­men­spal­te nicht be­han­delt wur­de.

Und wenn die Kin­der nicht nach Deutsch­land ka­men, reis­te er zu ih­nen – nach Viet­nam und nach Pe­ru. Al­lein acht­mal war er in Pe­ru, wo die Lip­pen-Kie­fer-Gau­men­spal­te be­son­ders ver­brei­tet ist, und ope­rier­te mit ei­nem eh­ren­amt­li­chen Be­thes­da-Team Kin­der, die sonst nicht be­han­delt wor­den wä­ren. „Ich wer­de wei­ter in Pe­ru ope­rie­ren“, sagt Hid­ding. Au­ßer­dem will er viel Sport trei­ben, Golf­spie­len ler­nen und wie­der mit dem Kla­vier­spie­len be­gin­nen. Al­les in al­lem klingt das eher nach Un­ru­he­stand.

FO­TO: KNAP­PE

Jo­han­nes Hid­ding (r.) wird auch im Ru­he­stand ope­rie­ren. Links sein Nach­fol­ger Da­ni­el Rotha­mel.

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