Be­cker ko­ope­riert mit In­sol­venz­be­hör­de

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON JO­CHEN WITT­MANN

Der Ex-Ten­nis­pro­fi muss al­le Ver­mö­gens­wer­te und Ver­bind­lich­kei­ten vor­le­gen.

LON­DON Nach­dem ein bri­ti­sches Ge­richt Bo­ris Be­cker für bank­rott er­klärt hat­te, hat­ten Be­ckers An­wäl­te an­ge­kün­digt, Ein­spruch ein­le­gen zu wol­len. Das be­freit den Lei­me­ner al­ler­dings nicht da­von, voll­stän­dig mit dem „In­sol­vency Ser­vice“ko­ope­rie­ren zu müs­sen. Denn es gilt vor­erst die Ent­schei­dung des „Ban­krupt­cy and Com­pa­nies Court“, nach der der Ten­nis-Star of­fi­zi­ell in­sol­vent ist. Wie ein Spre­cher der In­sol­venz-Be­hör­de mit­teil­te, kann Be­cker nur noch über das Geld ver­fü­gen, das er für sei­nen Le­bens­un­ter­halt braucht. „Selbst­ver­ständ­lich ko­ope­riert un­ser Man­dant mit der zu­stän­di­gen Be­hör­de“, sag­te Be­ckers An­walt Chris­ti­an-Oliver Mo­ser im TV-Sen­der „Sport1“und sprach von ei­ner Me­di­en­kam­pa­gne. Er be­ton­te, Be­cker sei we­der zah­lungs­un­fä­hig noch plei­te.

Der drei­ma­li­ge Wim­ble­don-Sie­ger kom­men­tiert zur Zeit für die BBC das Ten­nis­tur­nier in Lon­don. Vi­el­leicht wer­de er, mut­maß­te die „Dai­ly Mail“, sei­ne Tä­tig­keit un­ter­bre­chen müs­sen. Denn jetzt kommt auf den Lei­me­ner das zu, was die Vor­schrif­ten und Auf­la­gen für Bank­rot­teu­re vor­se­hen: Er muss ei­ne aus­führ­li­che und wahr­heits­ge­mä­ße Auf­stel­lung al­ler Ver­mö­gens­wer­te und Ver­bind­lich­kei­ten vor­le­gen. Er darf nicht mehr als Di­rek­tor ei­nes Un­ter­neh­mens agie­ren und kei­nen Kre­dit über 500 Pfund auf­neh­men, oh­ne zu ent­hül­len, dass er bank­rott ist. Sein Na­me wird in ei­nem In­sol­venz-Re­gis­ter er­schei­nen. Er muss den Wei­sun­gen des staat­lich be­stell­ten In­sol­venz-Ver­wal­ters fol­gen und al­le Do­ku­men­te und Auf­zeich­nun­gen, die mit sei­nem Be­sitz zu tun ha­ben, vor­le­gen.

Wie Mar­tin Gibbs, der Spre­cher des „In­sol­vency Ser­vice“be­stä­tig­te, ko­ope­riert Bo­ris Be­cker mit der Be­hör­de. Sämt­li­che Aus­ga­ben und Ein­nah­men müss­ten pro­to­kol­liert wer­den, und Be­cker selbst kann nur noch über we­nig mehr als ein Ta­schen­geld frei ver­fü­gen. „Herr

Be­cker hat kei­ne Kon­trol­le mehr über sei­ne Fi­nan­zen. Er be­kommt le­dig­lich Geld für sei­ne Le­bens­un­ter­halt­kos­ten“, so Gibbs. In ei­ner Hin­sicht je­doch ist es güns­ti­ger für Be­cker, in Groß­bri­tan­ni­en statt in Deutsch­land für bank­rott er­klärt zu wer­den: In der Re­gel ist im Kö­nig­reich schon spä­tes­tens nach drei Jah­ren die An­ge­le­gen­heit ab­ge­wi­ckelt. Dann darf man sich wie­der un­ter­neh­me­risch be­tä­ti­gen.

Sei­ne bri­ti­schen Schul­den hat Be­cker seit Ok­to­ber 2015 bei der Pri­vat­bank „Ar­buth­nott Lat­ham“, die den Kon­kurs­an­trag ge­gen ihn stell­te. Ar­buth­notts An­walt ar­gu­men­tier­te, dass die von Be­cker vor­ge­schla­ge­ne Re-Fi­nan­zie­rung sei­ner spa­ni­schen Fin­ca nicht schnell ge­nug von­stat­ten ge­hen wür­de. Der Ex-Pro­fi woll­te für sein An­we­sen auf Mallor­ca Hy­po­the­ken in Hö­he von sechs Mil­lio­nen Eu­ro auf­trei­ben. Die Rich­te­rin ur­teil­te, sein An­walt ha­be nicht glaub­haft ver­si­chern kön­nen, die Gel­der tat­säch­lich be­kom­men zu kön­nen. Sie sag­te über Be­cker: „Man hat den Ein­druck von ei­nem Mann, der den Kopf in den Sand steckt.“Be­ckers An­walt selbst hat­te zu­vor zu­ge­ge­ben, dass sein Man­dant „nicht sehr cle­ver“sei, „wenn es um Fi­nan­zen geht“.

FO­TO: DPA

Bo­ris Be­cker

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