Kon­struk­ti­ves aus der Samm­lung Et­zold

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR - VON IN­GE SCHNETTLER

Oh­ne die Samm­lung des Mo­er­ser Ehe­paars Et­zold wä­re das Mu­se­um Ab­tei­berg ziem­lich si­cher nie ge­baut wor­den. In ei­ner Aus­stel­lungs­tri­lo­gie wer­den gro­ße Tei­le dar­aus ge­zeigt. Die ers­te Prä­sen­ta­ti­on wird am Sonn­tag er­öff­net.

Es ist ei­ne stil­le Samm­lung. Farb­ge­wal­ti­ges, Tur­bu­len­tes oder gar Rei­ße­ri­sches fehlt. Die Samm­lung kon­kre­ter Kunst von Hans Joa­chim und Ber­nie Et­zold be­fin­det sich seit dem 3. Ok­to­ber 1970 als Dau­er­leih­ga­be im Mu­se­um Ab­tei­berg. Kurz zu­vor, von Mai bis Ju­li, hat­te der Köl­ner Kunst­ver­ein das Kon­vo­lut ge­zeigt. Der da­ma­li­ge Mönchengladbacher Mu­se­ums­di­rek­tor Jo­han­nes Cl­ad­ders war über­zeugt von der Qua­li­tät der Samm­lung und schnapp­te sie den Köl­nern vor der Na­se weg, in­dem er Kon­takt zu dem Mo­er­ser Ehe­paar auf­nahm. Ber­nie und Hans Joa­chim Et­zold ver­trau­ten Cl­ad­ders. So kam die be­deu­ten­de Samm­lung nach Mön­chen­glad­bach, und der Mu­se­ums­di­rek­tor hat­te ein un­schlag­ba­res Ar­gu­ment für die Not­wen­dig­keit, das neue Mu­se­um auf dem Ab­tei­berg zu bau­en, das das al­te an der Bis­marck­stra­ße er­set­zen soll­te.

Die Samm­lung wird in die­sem und in den bei­den fol­gen­den Jah­ren un­ter dem Ti­tel „Die Zu­kunft der Zeichnung“in drei Tei­len im Mu­se­um Ab­tei­berg ge­zeigt. Der ers­te heißt „Kon­struk­ti­on“und wird am Sonn­tag um 12 Uhr er­öff­net. „Die­ses Mu­se­um und die Samm­lung Et­zold bil­den ei­ne Ein­heit“, sagt Mu­se­ums­di­rek­to­rin Su­san­ne Titz. Denn ab 1970 bis zum frü­hen Tod von Hans Joa­chim Et­zold sechs Jah­re spä­ter, hat er in en­ger Ab­stim­mung mit Jo­han­nes Cl­ad­ders sei­ne Samm­lung er­wei­tert. „Et­zold hat in sehr kur­zer Zeit sehr viel Kunst ge­kauft.“

In der ers­ten Fol­ge der Aus­stel­lungs-Tri­lo­gie zeigt das Mu­se­um Ar­bei­ten der kon­struk­ti­vis­ti­schen Avant­gar­de und der Wie­der­kehr des Kon­struk­ti­ven so­wie der An­fang der Com­pu­ter­gra­fik der 1960er Jah­re zum The­ma. In der Vor­be­rei­tung hat Su­san­ne Titz viel Zeit in den Ma­ga­zin­räu­men des Mu­se­ums ver­bracht. „Ich ha­be Ar­bei­ten ge­fun­den, die ich vor­her noch nie ge­se­hen hat­te.“

Wun­der­ba­res hat sie ent­deckt – Zeich­nun­gen, Col­la­gen und Dru­cke von Alex­an­der Rodt­schen­ko, Was­si­ly Kand­ins­ky, Paul Klee, Kurt Schwit­ters, Alex­an­dra Ex­ter, El­la Berg­mann-Mi­chel, Ro­bert Mi­chel, Han­ne Dar­bo­ven, Hen­ryk Ber­le­wi. Wer­ner Graeff, Ka­si­mir Ma­le­witsch, Theo van Does­burg, Lasz­lo Mo­h­olyNa­gy, Ka­si­mir Ma­le­witsch und an­de­ren. Ver­sam­melt sind sie im Gra­phi­schen Ka­bi­nett des Mu­se­ums. Bei al­ler Abs­trak­ti­on ge­rät bei nä­he­rem Hin­se­hen man­ches in Be­we­gung. Zar­te Li­ni­en for­men Ge­gen­ständ­li­ches – ein Schiff, ei­ne Tän­ze­rin –, Ar­chi­tek­tur­ele­men­te und Haus­fas­sa­den­ge­stal­tun­gen kom- men in den Sinn. Kon­zen­trier­tes Hin­se­hen lohnt sich.

Ein paar Stu­fen hö­her – in dem wun­der­ba­ren amor­phen Raum – sind die jün­ge­ren Künst­ler ver­sam­melt: Josef Al­bers, Fran­cois Mo­rel­let, Karl Pe­ter Röhl, Nor­bert Tho­mas und an­de­ren. Ga­b­rie­le de Vec­chi ist mit ei­nem ki­ne­ti­schen Ob­jekt von 1964 ver­tre­ten. In der Dreh­be­we­gung er­zeugt ei­ne ge­bo­ge­ne Ple­xi­glas­schei­be li­nea­re Schat­ten. Skulp- tu­ra­le Ar­bei­ten von Kas­par-Tho­mas Lenk ste­hen auf So­ckeln.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.