„Wir sind noch in der Ge­nie­ßer-Spi­ra­le“

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - SPORT LOKAL -

Der Te­am­chef des Ten­nis-Bun­des­li­gis­ten Glad­ba­cher HTC spricht über die Rol­le als Ti­tel­ver­tei­di­ger, die neu­en Spie­ler und den Start in Kre­feld.

Herr Schmidt, wie im Vor­jahr zählt der Glad­ba­cher HTC zu ei­nem grö­ße­ren Kan­di­da­ten­kreis auf den deut­schen Meis­ter­ti­tel. In­wie­weit ist die Aus­gangs­la­ge aber nun ei­ne an­de­re, da Ihr Team am Sonn­tag als Ti­tel­ver­tei­di­ger in die neue Sai­son star­tet? SCHMIDT Es ist si­cher­lich so, dass wir spä­tes­tens jetzt nicht mehr ein biss­chen ernst, son­dern kom­plett ernst

Hen­rik Schmidt ge­nom­men wer­den. Denn die Kon­kur­renz hat im ver­gan­ge­nen Jahr ge­se­hen, dass wir in der La­ge sind, an je­dem Spiel­tag ei­ne star­ke Mann­schaft auf­zu­stel­len und zu­dem gut or­ga­ni­sier­te Heim­spiel­ta­ge aus­zu­tra­gen. Es ist rich­tig, dass wir er­neut zu den fünf, sechs Mann­schaf­ten zäh­len, die um den Ti­tel spie­len wer­den, aber wir sind jetzt kein Ge­heim­tipp mehr. Wie ver­än­dert sich da­durch die Er­war­tungs­hal­tung in der ei­ge­nen Mann­schaft? SCHMIDT Im ver­gan­ge­nen Jahr war es so, dass bis zum Sai­son­fi­na­le kei­ner über den Meis­ter­ti­tel ge­spro­chen hat. Jetzt kom­men in un­se­rer Whats­App-Grup­pe schon mal lus­ti­ge Kom­men­ta­re in Rich­tung Ti­tel­ver­tei­di­gung. Wir ha­ben eben ei­ne mo­ti­vier­te Trup­pe, der es gro­ßen Spaß macht, ne­ben den ATP-Tur­nie­ren auch noch Bun­des­li­ga zu spie­len. Aber wir ha­ben kei­ner­lei Druck, son­dern wir sind im­mer noch in der Ge­nie­ßer-Spi­ra­le. Denn wir kön­nen ein­schät­zen, dass es 2016 bes­ser ge­lau­fen ist, als wir es uns er­hofft hat­ten. Und auch jetzt ist es ab­so­lut rea­lis­tisch, dass wir trotz ei­ner gu­ten Sai­son vi­el­leicht nur Fünf­ter wer­den. Ihr Ka­der ist in den obe­ren Po­si­tio­nen un­ver­än­dert ge­blie­ben, ins­ge­samt ha­ben sie vier Spie­ler ver­lo­ren, vier neue sind hin­zu­ge­kom­men. So rich­tig schmerzt aber nur ein Ab­gang, oder? SCHMIDT Ja, das ist kor­rekt. Wäh­rend wir And­rey Golub­ev, Andrea Arnabol­di und Mar­cin Ga­w­ron kei­nen neu­en Ver­trag ge­ge­ben ha­ben, tat uns der Wech­sel von Da­ni­el Alt­mai­er nach Ber­lin so­wohl sport­lich als auch mensch­lich weh. Doch wir ha­ben uns im Po­si­ti­ven ge­trennt, und Da­ni­el ist bei Rot-Weiß in der Zwei-

Er ge­hör­te Bo­rus­si­as Auf­stiegs­mann­schaft 1964/65 an und war der ers­te dun­kel­häu­ti­ge Spie­ler des Ver­eins: Nun ist Wer­ner Wad­dey im Al­ter von 71 Jah­ren ver­stor­ben. Mit dem Fuß­ball be­gann Wad­dey bei Ger­ma­nia Vier­sen, ehe er 1961 zum 1. FC Mön­chen­glad­bach wech­sel­te und schon dort mit Gün­ter Net­zer zu­sam­men­spiel­te. In der Ju­gend-Na­tio­nal­mann­schaft wa­ren zu­dem Ber­ti Vogts und Franz Be­cken­bau­er sei­ne Mit­spie­ler. 1964 ging Wad­dey zur Bo­rus­sia und be­stritt als ein­zi­ger Spie­ler in der fol­gen­den Sai­son al­le 34 Re­gio­nal­li­ga-Par­ti­en. Mit Net­zer, Bernd Rupp, Her­bert Lau­men und Jupp Heynckes bil­de­te er den An­griff der Foh­len, die im Ju­ni 1965 den Sprung in die Bun­des­li­ga klar­mach­ten. In der deut­schen Eli­te­klas­se be­stritt Wad­dey 22 Spie­le für Bo­rus­sia. Sei­ne Kar­rie­re ließ er beim 1. FC Vier­sen aus­klin­gen, ehe vie­le Trai­ner-En­ga­ge­ments in sei­ner Hei­mat­re­gi­on folg­ten. to­gr ten Bun­des­li­ga gut auf­ge­ho­ben, um den nächs­ten Schritt zu ma­chen. Ich bin mir si­cher, dass er noch mal Bun­des­li­ga­spie­ler beim Glad­ba­cher HTC sein wird. Wor­auf ha­ben Sie bei den Zu­gän­gen ge­ach­tet? SCHMIDT Wir woll­ten dem Ka­der ein we­nig fri­sches Blut hin­zu­fü­gen und ha­ben un­se­re Top­spie­ler ge­fragt, wel­che be­freun­de­ten Kol­le­gen sie an­spre­chen könn­ten. Der mensch­li­che Aspekt war uns sehr wich­tig. Denn wir sind da­von über­zeugt, dass un­ser un­glaub­li­cher Te­am­geist und der vor­bild­li­che Cha­rak­ter un­se­rer Spie­ler letzt­lich da­für ver­ant­wort­lich wa­ren, dass wir es aus dem Kreis der Kan­di­da­ten wa­ren, die den Ti­tel ge­holt ha­ben. Im Be­zug auf un­se­re sport­li­che Qua­li­tät da­ge­gen wuss­ten wir, dass wir nicht viel ver­än­dern muss­ten. Was kön­nen Sie den­noch aus sport­li­cher Sicht zu den vier Neu­en sa­gen? SCHMIDT Im Slo­wa­ken And­rej Mar­tin und dem Tsche­chen Jan Sa­tral ha­ben wir zwei Spie­ler da­zu­be­kom­men, die so­wohl im Ein­zel als auch im Dop­pel ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Roman Je­ba­vy aus Tsche­chi­en ist hin­ge­gen un­ser ers­ter Top-100Spie­ler der Dop­pel-Welt­rang­lis­te, der für uns als Spe­zia­list in die­sem Be­reich ei­ne sehr gu­te Op­ti­on ist. Das ist so ein we­nig das i-Tüp­fel­chen auf un­se­re ge­ne­rel­le Ka­derQua­li­tät. Und Da­vid Te­sic ist un­ser aus­sichts­rei­cher Nach­wuchs­spie­ler, für den der Ka­der­platz mit Si­cher­heit ei­ne zu­sätz­li­che Mo­ti­va­ti­on sein wird. Wer am Sonn­tag zum Sai­son­start al­les da­bei sein kann, steht noch nicht fest. Was er­war­ten Sie grund­sätz­lich von der Auf­takt­par­tie beim HTC BlauWeiß Kre­feld? SCHMIDT Das wird gleich ein rich­ti­ger Grad­mes­ser, denn Kre­feld ist vi­el­leicht von al­len Ti­tel­kan­di­da­ten am höchs­ten ein­zu­schät­zen. Auf je­den Fall wer­den bei­de Mann­schaf­ten al­les da­für tun, in Best­be­set­zung auf­zu­lau­fen. Denn wer die­se Par­tie ge­winnt, der trinkt wohl schon ei­nen or­dent­li­chen Schluck aus der nächs­ten Meis­ter­pul­le.

Hen­rik Schmidt Kann Lo­kal­ma­ta­dor Tim Sand­kau­len die Rol­le von Da­ni­el Alt­mai­er über­neh­men, der im Meis­ter­jahr auch ei­ni­ge wich­ti­ge Punk­te im Ein­zel ge­holt hat? SCHMIDT Ja, ich den­ke schon, dass Tim die Rol­le über­neh­men kann. Er hat sich in sei­nem ers­ten Col­le­geJahr im ath­le­ti­schen Be­reich noch­mals deut­lich ver­bes­sert und spielt ein ag­gres­si­ves Po­wer-Ten­nis, das in der Bun­des­li­ga auch von­nö­ten ist, um dei­nen Geg­ner zu be­zwin­gen. Dar­über hin­aus ist Tim aber im Dop­pel fast noch stär­ker ein­zu­schät­zen und da­mit im­mer ei­ne Op­ti­on für ei­nen Ein­satz. Im Grun­de ist Andre­as Hai­der-Mau­rer, der ver­let­zungs­be­dingt die kom­plet­te Meis­ter­sai­son ver­pass­te, ein wei­te­rer Zu­gang. Kann er auch schon wie­der voll ein­grei­fen? SCHMIDT Andre­as ist ein Spie­ler­typ, der vie­le Mat­ches braucht, um gu­tes Ten­nis zu spie­len. Er ist jetzt seit drei Mo­na­ten wie­der voll be­last­bar, aber wahr­schein­lich wird er ver­stärkt in der zwei­ten Sai­son­hälf­te bei uns zum Ein­satz kom­men – zu­mal dann wahr­schein­lich un­se­re Top­spie­ler Al­bert Ra­mos und Phil­ipp Kohl­schrei­ber auf­grund der Hart­platz­sai­son in den USA wohl kaum noch zur Ver­fü­gung ste­hen. So blei­ben ihm noch ein paar Wo­chen, um noch Spiel­pra­xis zu sam­meln. Wie steht es um die Form ih­rer Top­leu­te Ra­mos und Kohl­schrei­ber? SCHMIDT Al­bert Ra­mos spielt auf Asche wahr­schein­lich die bes­te Sai­son sei­nes Le­bens. Er agiert vol­ler Selbst­ver­trau­en, was nicht zu­letzt bei sei­nem Sieg über den Welt­rang- lis­ten­ers­ten An­dy Mur­ray in Mon­te Car­lo zu se­hen war. Doch auch Phil­ipp ist stark ein­zu­schät­zen, auch wenn er in der Welt­rang­lis­te zu­letzt et­was zu­rück­ge­fal­len ist. Zu­dem ist er seit vie­len Jah­ren ein ta­del­lo­ser Bun­des­li­ga­spie­ler, der bei uns im Meis­ter­jahr auch ei­ne 4:0-Bi­lanz auf­zu­wei­sen hat.

„Wir zäh­len wie­der zu den Ti­tel­kan­di­da­ten, aber wir sind jetzt kein

Ge­heim­tipp mehr“

Wer­ner Wad­dey „Tim Sand­kau­len kann die Rol­le von Da­ni­el Alt­mai­er über­neh­men. Er ist im­mer ei­ne Op­ti­on.“

THO­MAS GRULKE FÜHR­TE DAS GE­SPRÄCH

FO­TO: GHTC

Größ­ter Er­folg der GHTC-Ten­nis­ab­tei­lung: Als die Deut­sche Meis­ter­schaft im ver­gan­ge­nen Au­gust per­fekt ist, geht Hen­rik Schmidt in die Luft. Spie­ler und Trai­ner las­sen ih­ren Te­am­chef hoch­le­ben.

FO­TO: KN

Wer­ner Wad­dey, et­wa 1965.

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