„Im Au­to hö­ren wir nur noch Kar­ne­vals­mu­sik“

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES -

Er ist Po­li­zist, sie ist Kauf­frau. Bei­de sind in der Rhe­ydter Prin­zen­gar­de ak­tiv – und bald das neue Prin­zen­paar der Stadt Mön­chen­glad­bach.

Herr Gauls, Sie sind im rich­ti­gen Le­ben Po­li­zist. Was sagt denn der Po­li­zei­prä­si­dent zu Ih­nen als „Mann in Strumpf­ho­sen“? GUI­DO GAULS Nach­dem wir uns ent­schie­den hat­ten, das Prin­zen­paar zu wer­den, ha­be ich am nächs­ten Mor­gen zu­erst den Chef in­for­miert. Er muss­te na­tür­lich zu­stim­men, das hat er auch gern ge­tan und mir volls­te Un­ter­stüt­zung zu­ge­sagt. Es kam auch nicht so ganz über­ra­schend für ihn, Bernd Go­the (MKV-Vor­sit­zen­der Anm. der Re­dak­ti­on) hat­te schon mal vor­ge­fühlt und den Po­li­zei­prä­si­den­ten ge­fragt, was er denn von ei­nem Po­li­zis­ten als Kar­ne­vals­prin­zen hiel­te. Und er fand die Idee su­per. Wie wird das lau­fen? Aus der Uni­form di­rekt ins Or­nat und wie­der zu­rück? Und dann viel­leicht die fal­sche Kopf­be­de­ckung tra­gen? GUI­DO GAULS Wie es im ein­zel­nen mit mei­nem Di­enst lau­fen wird, weiß ich noch nicht. Ich wer­de wohl ver­mehrt Ta­ges­dienst ha­ben. Es kann na­tür­lich schon sein, dass ich flott zwi­schen Uni­form und Or­nat wech­seln muss. Aber Feh­ler wer­den schon nicht vor­kom­men, dar­auf ach­ten schon die Kol­le­gen. Und der Hof­mar­schall. Sie sind Po­li­zei­haupt­kom­mis­sar. Wo­rin be­ste­hen im Di­enst Ih­re Auf­ga­ben? GUI­DO GAULS Ich bin Di­enst­grup­pen­lei­ter beim Schwer­punkt­dienst. Das ist ein sehr viel­fäl­ti­ges Auf­ga­ben­ge­biet. Un­ter an­de­rem un­ter­stüt­zen wir bei Be­darf die Wa­che. Und was hat Ihr Chef ge­sagt, Frau Gauls? VE­RE­NA GAULS Er woll­te wis­sen, über wie vie­le Mo­na­te wir re­den. Als ich sag­te, es ge­he um vier Wo­chen, re­agier­te er sehr ent­spannt. Die Ses­si­on ist ja kurz im nächs­ten Jahr. Sie bei­de als Prin­zen­paar der Stadt Mön­chen­glad­bach – geht da ein Traum in Er­fül­lung? GUI­DO GAULS Wir sind bei­de im Kar­ne­val sehr ak­tiv. Ich bin seit 1984 in der Gro­ßen Rhe­ydter Prin­zen­gar­de. 1985 war ich Kin­der­prinz. Gar­dist bin ich mit Leib und See­le, seit zwei Jah­ren bin ich Kom­man­dant. Da ha­ben wir in den letz­ten Jah­ren im­mer mal über­legt, wie es wä­re, das Prin­zen­paar zu sein. Wir sind auch im­mer wie­der an­ge­spro­chen wor­den, zu­letzt von Bernd Go­the und Dieter Bei­nes. Wir ha­ben aber noch mal zwei Ta­ge nach­ge­dacht, ehe wir zu­ge­sagt ha­ben. War­um fiel die Ent­schei­dung denn so schwer? VE­RE­NA GAULS Wir sind schon lan­ge im Kar­ne­val da­bei, ich ha­be bei den Wick­ra­ther Kreuz­her­ren be­gon­nen und bin jetzt bei den „Black & Whi­tes“, der weib­li­chen Ab­tei­lung der Gro­ßen Rhe­ydter Prin­zen­gar­de. Wir ken­nen den vol­len Ter­min­ka­len­der ei­nes Prin­zen­paa­res, denn wir sind ja im­mer nah ge­nug dran ge­we­sen. Wir wuss­ten, was auf uns zu kommt und ha­ben das gut über­legt. Es ist ei­ne kur­ze Ses­si­on, da ist al­les ge­ball­ter. GUI­DO GAULS Dass es ge­ball­ter ist, macht es leich­ter, fin­de ich. Je­den­falls freu­en wir uns jetzt mit je­dem Tag mehr auf die Ses­si­on. Wir ver­su­chen im­mer mal, abends von et­was an­de­rem zu re­den, aber nach zwei Mi­nu­ten lan­den wir wie­der beim Kar­ne­val. Und im Au­to hö­ren wir nur noch Kar­ne­vals­mu­sik. Sie ha­ben ei­ne elf­jäh­ri­ge Toch­ter. Wie hat sie auf die An­kün­di­gung re­agiert, dass Sie das kom­men­de Prin­zen­paar sind? VE­RE­NA GAULS Wir ha­ben die Ent­schei­dung ei­gent­lich zu dritt ge­fasst und un­se­re Toch­ter war sehr da­für. „Ma­ma, mach das doch“, hat sie im­mer ge­sagt. Sie ist ja auch im Kar­ne­val ak­tiv. Seit sie­ben Jah­ren ist sie in der Kin­der­prin­zen­gar­de. Sie fol­gen auf das star­ke Prin­zen­paar Nor­bert Bu­de und Bar­ba­ra Gers­mann. Vor- oder Nach­teil? GUI­DO GAULS We­der noch. Je­des Prin­zen­paar hat sei­nen ei­ge­nen Stil. Wir müs­sen nie­man­den ko­pie­ren. Was ist denn Ihr Stil? GUI­DO GAULS Kar­ne­val bringt Freu­de in die See­le. Wir wol­len die Freu­de von Saal zu Saal tra­gen. In je­dem Saal und bei je­der Ver­an­stal­tung herrscht ei­ne an­de­re Stim­mung, das ist sehr fas­zi­nie­rend. Wir wol­len je­den­falls Spaß ver­mit­teln. Gibt es Ter­mi­ne, auf die Sie sich als Prin­zen­paar be­son­ders freu­en? Sie ken­nen die Ver­an­stal­tun­gen doch gut. GUI­DO GAULS Die Kar­ne­vals­par­ty bei der Po­li­zei wird si­cher ganz be­son­ders, aber auch die Be­su­che in Ki­tas und Al­ten­hei­men fin­de ich sehr wich­tig. Man merkt, dass man die Men­schen aus dem All­tag raus­holt. Auf die Prin­zen­pro­kla­ma­ti­on freue ich mich sehr. Der Ein­marsch in die voll­be­setz­te Kai­ser-Fried­rich-Hal­le, das wird Gän­se­haut pur. Wie ge­fällt Ih­nen das Mot­to der Ses­si­on, „Im­mer zu zweit – Halt Pohl und All Rhe­ydt“? GUI­DO GAULS Das ist ein sehr schö­nes Mot­to, das man wun­der­bar in­ter­pre­tie­ren kann. Fak­tisch ha­ben wir vie­les zwei­mal in der Stadt, auch im Kar­ne­val. Aber wir sind das Prin­zen­paar für die gan­ze Stadt. Was für Ko­s­tüm­ty­pen sind Sie? Eher Prin­zes­sin? Mehr Cow­boy? VE­RE­NA GAULS Ich ha­be mich im­mer gern ver­klei­det, aber eher als Prin­zes­sin.

GUI­DO GAULS Ich war eher Cow­boy. Nicht Po­li­zist? GUI­DO GAULS Nein, ob­wohl das im­mer mein Be­rufs­wunsch war. Na ja, als Cow­boy trägt man ja auch ei­ne Waf­fe. Je­des Prin­zen­paar drückt der Ses­si­on ei­nen Stem­pel auf. Ha­ben Sie Plä­ne, was Sie an­ders ma­chen wol­len? VE­RE­NA GAULS Ich ha­be zu­min­dest beim Ko­s­tüm be­stimm­te Vor­stel­lun­gen, aber dar­über kann ich noch nicht re­den. Ich weiß noch nicht, ob das um­setz­bar ist. Aber die Prin­zes­sin hat schon ein biss­chen Spiel­raum bei der Gestal­tung. Wer­den Sie sin­gen? Oder tan­zen? GUI­DO GAULS Wir wer­den si­cher et­was Mu­si­ka­li­sches ma­chen, was ge­nau, ist noch ge­heim. Aber tan­zen wer­den wir de­fi­ni­tiv nicht. VE­RE­NA GAULS Wir ha­ben mal mit ei­ner Freun­des­grup­pe ei­nen Tanz­kurs ge­macht. Zum Schluss hat man uns Ein­zel­un­ter­richt emp­foh­len (lacht). GUI­DO GAULS Wir wol­len für den Wei­ßen Ring sam­meln, die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on für Kri­mi­na­li­täts­op­fer, die aus­schließ­lich spen­den­fi­nan­ziert ist. Hier wer­den auch Men­schen un­ter­stützt, die auf­grund von Straf­ta­ten kei­nen Kar­ne­val fei­ern kön­nen. Der Chef des Mön­chen­glad­ba­cher Kar­ne­vals­ver­bands, Bernd Go­the, denkt über Ver­bes­se­run­gen im Kar­ne­val und beim VDZ nach. Was wür­den Sie ihm emp­feh­len? GUI­DO GAULS Mön­chen­glad­bach ist im Kar­ne­val ei­gent­lich gut auf­ge­stellt, aber es gibt ei­ne Zeit zwi­schen 15 und 18 Jah­ren, da ge­hen die Ju­gend­li­chen dem Kar­ne­val oft ver­lo­ren. Es wird dar­über nach­ge­dacht, Kar­ne­vals­dis­cos oh­ne Al­ko­hol für Ju­gend­li­che zu ver­an­stal­ten. Das ist in Köln und Aa­chen sehr er­folg­reich. Auch für Mön­chen­glad­bach wä­re das ei­ne gu­te Sa­che. DAS GE­SPRÄCH FÜHR­TEN ANDRE­AS GRUHN, CHRIS­TI­AN LIN­GEN, DE­NI­SA RICH­TERS UND AN­GE­LA RIETDORF.

FO­TO: JÖRG KNAP­PE

Ve­re­na und Gui­do Gauls wer­den ab No­vem­ber die Je­cken als Prin­zen­paar durch die Ses­si­on brin­gen.

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