„Ein Hard­core-Typ wer­de ich nicht mehr“

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - SPORT LOKAL -

Der Schwei­zer spricht über Zie­le für sei­ne drit­te Sai­son bei Bo­rus­sia und er­zählt, von wem er sich et­was ab­schau­en kann als Ver­tei­di­ger.

Sie ha­ben of­fen­bar die nächs­te Stu­fe er­reicht: Im Trai­ning ge­hö­ren Sie nicht mehr zu den Jüngs­ten und müs­sen kei­ne Sa­chen mehr tra­gen. EL­VE­DI Das stimmt. Ich woll­te heu­te schon Ma­te­ri­al zu­sam­men­räu­men, da ha­be ich mich um­ge­schaut und ge­merkt: Ei­gent­lich sind ge­nug jün­ge­re Spie­ler da. Gibt es fes­te Ein­tei­lun­gen, wer was trägt? EL­VE­DI Nein, wenn wir raus­ge­hen, ste­hen die Sa­chen im­mer da. Ich neh­me auch noch et­was mit, nur auf­räu­men muss ich jetzt an­schei­nend nicht mehr. Sie ge­hen mit 20 Jah­ren in Ih­re vier­te Sai­son als Pro­fi. Ste­hen Sie vor dem be­rühm­ten nächs­ten Schritt? EL­VE­DI Ich ha­be mei­ne Er­fah­run­gen ge­sam­melt hier. Vor zwei Jah­ren hat­te ich kei­ne gro­ßen Er­war­tun­gen, als ich kam. Das ist jetzt schon ein we­nig an­ders. Den Durch­bruch ha­ben Sie rechts in der Drei­er­ket­te ge­schafft, Dieter He­cking sieht sie nun rechts in der Vie­rer­ket­te. Wo se­hen Sie sich? EL­VE­DI Ob rech­ter In­nen­ver­tei­di­ger oder au­ßen, ist egal. Hin­ten rechts ha­be ich ver­gan­ge­ne Sai­son vie­le Spie­le ge­macht und füh­le mich wohl. Die Ein­füh­rung der Drei­er­ket­te un­ter An­dré Schu­bert war Ihr gro­ßes Glück, da wur­den Sie in die Bun­des­li­ga ge­spült. Aber auch mit ei­ner Vie­rer­ket­te sind Sie gut im Ge­schäft. Was ist der An­spruch für die neue Sai­son? EL­VE­DI Ich möch­te spie­len, weiß aber, dass die Kon­kur­renz noch grö­ßer ge­wor­den ist. Wir hat­ten vie­le Ver­letz­te, da kam es vor, dass es fast kei­ne Kon­kur­renz gab. Ich muss mich erst­mal be­wei­sen, von al­lei­ne kommt nichts. Sie hat­ten auch ei­ni­ge Weh­weh­chen. Hing das mit der Be­las­tung zu­sam­men oder war es ein­fach Pech? EL­VE­DI Ver­let­zun­gen ge­hö­ren im Fuß­ball da­zu. Bei mir ka­men sie nicht bei ei­ner ein­zel­nen Be­we­gung, son­dern ha­ben sich eher auf­ge­baut, wie die Scham­bein­ent­zün­dung An­fang des Jah­res. In ers­ter Li­nie war das Pech. Aber ich bin jetzt be­schwer­de­frei. Bo­rus­sia hat 17- und 18-Jäh­ri­ge ver­pflich­tet. Wo se­hen Sie sich in der Al­ters­struk­tur? EL­VE­DI Vom Al­ter her ge­hö­re ich zwei­fel­los noch zu den Jün­ge­ren, aber ich bin wei­ter, was die Er­fah­rung an­geht. Da ver­su­che ich na­tür­lich auch, mal ein paar Tipps zu ge­ben. Fran­zö­sisch spre­che ich zwar nicht, aber Eng­lisch klappt ganz gut. Da über­setzt man schon mal ein paar An­wei­sun­gen für die Neu­en. Es ist na­tür­lich schwer, wenn du mit 18 kommst und die Spra­che nicht sprichst. Das war es so­gar bei mir, ob­wohl ich Deutsch kann. De­nis Za­ka­ria stößt am Mon­tag zur Mann­schaft. Nach­dem Dji­bril Sow weg ist, füllt er das Schwei­zer Kon­tin- gent wie­der auf. Er ist noch ein paar Mo­na­te jün­ger als Sie. EL­VE­DI Ich ken­ne ihn von der Na­tio­nal­mann­schaft, auch in der U-Na­tio­nal­mann­schaft ha­ben wir zu­sam­men ge­spielt. Er ist ein gu­ter Spie­ler. Ich bin froh, dass er die­sen Schritt ge­macht hat, und ha­be ein gu­tes Ge­fühl, dass er sich hier durch­set­zen wird. Kann man ihn mit Gra­nit Xha­ka ver­glei­chen? EL­VE­DI Von der Spiel­wei­se her ein biss­chen, er ist wie Gra­nit eher ein de­fen­si­ver Spie­ler, ist sehr dy­na­misch und zwei­kampf­stark. Nach vor­ne setzt er aber auch Ak­zen­te und hat ei­nen gu­ten Schuss. Die glei­chen Le­a­der­qua­li­tä­ten bringt er mit 20 viel­leicht noch nicht mit, aber so et­was muss sich ja ent­wi­ckeln. Was passt so gut zwi­schen Schwei­zern und Glad­bach? EL­VE­DI Der Ver­ein setzt auch sehr auf jun­ge Spie­ler, da leis­ten Bo­rus­sia und die Schweiz je­weils gu­te Ar­beit. Für gu­te Schwei­zer ist die Bun­des­li­ga der lo­gi­sche nächs­te Schritt und kann ein Sprung­brett sein, die Pre­mier Le­ague ist si­cher oft ei­ne Num­mer zu groß. Im Trai­nings­la­ger gibt es ein Wie­der­se­hen mit Lu­ci­en Fav­re. Macht man sich als heu­ti­ger Bo­rus­sia-Spie­ler noch vie­le Ge­dan­ken, dass er ei­nen gro­ßen An­teil hat­te an den Er­fol­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re? EL­VE­DI Bei mir war er ein Haupt­grund bei mei­nem Wech­sel. Lei­der ha­be ich ihn nicht lan­ge als Trai­ner hier er­lebt. Die Phi­lo­so­phie mit den Schwei­zern hat er in Glad­bach auf­ge­baut. Sein Ruf ist sehr gut, weil er viel mit jun­gen Spie­lern ar­bei­tet und sehr de­tail­ver­liebt ist. Nach ihm kam An­dré Schu­bert, der Sie be­son­ders ge­för­dert hat, dann Dieter He­cking. Spie­ler ver­glei­chen nicht ger­ne ih­re Trai­ner, aber was ist He­cking für ein Typ? EL­VE­DI Er spricht be­son­ders viel mit den Spie­lern, das ist su­per. Ge­ra­de als jun­ger Pro­fi wünscht man sich, dass er mal zu dir kommt und sagt, was man ver­bes­sern kann. Wer­den Sie lie­ber ge­lobt oder wol­len Sie knall­hart auf­ge­zeigt be­kom­men, was noch bes­ser wer­den muss? EL­VE­DI Bei­des, wür­de ich sa­gen. Si­cher­lich muss man mich ab und an et­was auf­we­cken, da­mit ich voll da bin. Ge­nau­so ger­ne hö­re ich aber auch Lob nach ei­nem gu­ten Spiel. Die Rol­le hin­ten rechts lässt sich sehr un­ter­schied­lich in­ter­pre­tie­ren. To­ny Jantsch­ke ist eher de­fen­siv, fast ein In­nen­ver­tei­di­ger auf au­ßen. Dann gibt es Ty­pen, die mehr als Au­ßen­stür­mer agie­ren. Wie se­hen Sie sich? EL­VE­DI Ich den­ke, das hat man in den letz­ten Spie­len ge­se­hen. An der Tor­pro­duk­ti­on könn­te ich mich noch mehr be­tei­li­gen. Ver­gan­ge­ne Sai­son hat­te ich kei­nen As­sist und kein Tor, das will ich na­tür­lich ver­bes­sern. Hin­ten gilt es na­tür­lich, si­cher zu ste­hen, kei­ne Ge­gen­to­re zu ver­schul­den. Be­schäf­tigt Sie so ei­ne Sze­ne wie ge­gen Wolfs­burg am vor­letz­ten Spiel­tag län­ger? Da hat Sie Ma­rio Go­mez sehr schlecht aus­se­hen las­sen. EL­VE­DI Bei mir ist das re­la­tiv schnell ab­ge­hakt. Nach dem Spiel wird so et­was ana­ly­siert, aber sol­che Sze­nen tra­ge ich ma­xi­mal ei­nen Tag mit mir her­um. Nach gu­ten Auf­trit­ten he­ben Sie nicht ab und von schlech­ten las­sen Sie sich nicht run­ter­zie­hen? EL­VE­DI Ge­nau. Ich bin schon ein bo­den­stän­di­ger Typ, so­wohl auf als auch ne­ben dem Platz. Nächs­tes Jahr fin­det die WM in Russ­land statt. Für die Schweiz sieht es in der Qua­li­grup­pe mit Eu­ro­pa­meis­ter Por­tu­gal sehr gut aus, in der Welt­rang­lis­te ist sie Fünf­ter. Sie sind re­gel­mä­ßig im Ka­der. Da muss die WMTeil­nah­me das Ziel sein, oder? EL­VE­DI Klar, aber erst ein­mal muss ich hier mei­ne Spie­le ma­chen. Dann wer­den die Chan­cen in der Na­tio­nal­mann­schaft schon kom­men. Ist es ein Vor­teil oder ein Nach­teil, in der kom­men­den Sai­son nicht in­ter­na­tio­nal zu spie­len? EL­VE­DI Das kann man so oder so se­hen. Für die Bun­des­li­ga ist es si­cher­lich gut, un­ter der Wo­che kei­ne Spie­le zu ha­ben. Aber es war na­tür­lich un­ser Ziel, wie­der nach Eu­ro­pa zu kom­men, weil man dort so wich­ti­ge Er­fah­run­gen sam­melt. Gibt es ei­nen Ver­tei­di­ger, den sie als Vor­bild be­zeich­nen wür­den? EL­VE­DI Ser­gio Ra­mos. Und wel­chen Au­ßen­ver­tei­di­ger? EL­VE­DI Da­ni Al­ves hat mich im­mer be­ein­druckt. Ser­gio Ra­mos und Da­ni Al­ves zäh­len auf je­den Fall zu den „Bad Boys“. Ist es das viel­leicht, was Sie sich noch vor­neh­men kön­nen? Mehr aus sich her­aus­zu­ge­hen? EL­VE­DI Da kann ich si­cher­lich noch zu­le­gen. Ich den­ke aber nicht, dass ich ein to­ta­ler Hard­core-Typ wer­de. Von Da­ni Al­ves müss­ten Sie sich die Tor­ge­fahr ab­schau­en. EL­VE­DI Da fehlt mir si­cher noch et­was, ein we­nig die letz­te Über­zeu­gung, der letz­te Pass. Ich muss auch mehr schie­ßen. KARS­TEN KEL­LER­MANN UND JAN­NIK SORGATZ FÜHR­TEN DAS GE­SPRÄCH.

FO­TO: ANDRE­AS KREBS

Wenn er fit war, zähl­te Ni­co El­ve­di zum Stamm bei Bo­rus­sia. Hier ist er im Du­ell mit Frank­furts An­te Re­bic.

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