Be­geis­te­rung beim letz­ten Sin­fo­nie­kon­zert

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALE KULTUR/LOKALES - VON HEI­DE OEHMEN

Wie in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ka­men auch bei der dies­jäh­ri­gen Prä­sen­ta­ti­on der Preis­trä­ger von „Büh­ne frei“(dies­mal wa­ren es aus­schließ­lich Gei­ger) die Kon­zert­be­su­cher in der Kai­ser-Fried­rich-Hal­le aus dem Stau­nen nicht her­aus. Da spiel­te der klei­ne Ra­pha­el Gis­bertz hin­ge­bungs­voll, mit bril­lan­ter Tech­nik und un­ge­küns­tel­ter Mu­si­ka­li­tät den „Früh­ling“aus den „Vier Jah­res­zei­ten“von An­to­nio Vi­val­di. Ei­gent­lich – so hat­te es der pfif­fi­ge Neun­jäh­ri­ge im Vor­feld er­zählt, hät­te er lie­ber die „Zi­geu­ner­wei­sen“ge­spielt, „doch das er­laubt mein Leh­rer noch nicht“.

Um die­se Er­laub­nis muss­te die 14-jäh­ri­ge Eva Ot­to nicht mehr bit­ten – sie be­wäl­tig­te sou­ve­rän, mit blü­hen­dem Ton und frap­pie­ren­der tech­ni­scher Über­le­gen­heit den ho­hen An­spruch des mit­rei­ßen­den Wer­kes von Pa­blo de Sa­ra­sa­te und riss das groß be­setz­te, von Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Mih­kel Küt­son mit über­schäu­men­dem Tem­pe­ra­ment ge­lei­te­te Orches­ter mit.

Till Stüm­ke (9) liebt Un­garn und die Mu­sik der Ma­gya­ren. Das er­klärt, war­um er of­fen­bar kei­ner­lei Schwie­rig­kei­ten hat­te, die we­nig ein­gän­gi­ge und hoch an­spruchs­vol­le Mu­sik Bé­la Bár­toks – Rh­ap­so­die Nr. 1 – bra­vou­rös und oh­ne er­kenn­ba­re Be­las­tung zu meis­tern.

Die zwölf­jäh­ri­ge Susanna Mar­ski, die neun­jäh­ri­ge Pau­la Wil­kes und der zehn­jäh­ri­ge Os­kar Ise­ke bil­den ein Vio­lin-Trio, das sich nicht nur durch Ton­schön­heit und tech­ni­schen Fein­schliff, son­dern vor al­lem durch ein vor­bild­li­ches Auf­ein­an­der­hö­ren aus­zeich­net. So wur­de der 1. Satz (Al­le­gro) aus dem Kon­zert für drei Vio­li­nen D-Dur BWV 1064 von Jo­hann Se­bas­ti­an Bach zum be­rü­cken­den Hör­ver­gnü­gen. Mih­kel Küt­son, sein ein­fühl­sam be­glei­ten­des Orches­ter und das be­geis­ter­te Pu­bli­kum fei­er­ten ge­mein­sam die völ­lig na­tür­lich und un­auf­ge­regt wir­ken­den jun­gen Mu­si­kan­ten.

Die „Gro­ße C-Dur“-Sin­fo­nie Nr. 8 von Franz Schu­bert füll­te den zwei­ten Kon­zert­teil – ein fast ein­stün­di­ges Meis­ter­werk, in dem der Kom­po­nist we­der Strin­genz noch Ziel­stre­big­keit ver­folgt, viel­mehr Rück­be­züg­lich­keit und Ver­wei­len in den Mit­tel­punkt sei­nes Schaf­fens stellt. Doch dank der reich dif­fe­ren­zier­ten, farb­in­ten­si­ven und von Spon­ta­nei­tät ge­präg­ten Wie­der­ga­be durch das Orches­ter und sei­nen Di­ri­gen­ten kam kein Ge­fühl von Lang­at­mig­keit auf. Strei­cher wie Blä­ser – al­len vor­an die ers­ten Pul­te der Holz­blä­ser – kos­te­ten die herr­li­chen Kan­ti­le­nen so ge­nuss­voll wie ge­konnt aus, und Mih­kel Küt­son ver­aus­gab­te sich trotz der Hit­ze in der KFH rest­los. Gro­ßer Bei­fall.

Statt der Preis­trä­ger­vor­trä­ge er­klang im ers­ten Teil des Kon­zer­tes am Mitt­woch im Kon­zert­saal des Thea­ters Jo­seph Haydns Sin­fo­nie Nr. 92 G-Dur. Wie ein leuch­ten­der Som­mer­mor­gen ent­fal­te­te sich das ein­lei­ten­de Ad­a­gio, das in ein wir­beln­des Al­le­gro mün­det. Sam­ti­ger Ge­sang der Gei­gen lei­te­te das Ad­a­gio ein, und nach ei­nem von Syn­ko­pen be­stimm­ten Al­le­gret­to schließt das weit­ge­hend un­be­schwer­te Opus mit ei­nem fröh­li­chen Pres­to, bei dem der Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor ein stram­mes Tem­po vor­gab. Ein Pa­ra­de­bei­spiel sorg­fäl­ti­ger Orches­ter­ar­beit.

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