Wann der Ver­mie­ter Nein sa­gen darf

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - BERUF & KARRIERE - VON SA­BI­NE MEUTER

Vie­le Mie­ter hal­ten Hun­de, Kat­zen oder Wel­len­sit­ti­che in ih­rer Woh­nung – mit­un­ter auch exo­ti­sche Tie­re wie Spin­nen, Ech­sen oder Schlan­gen. Der Ver­mie­ter darf hier al­ler­dings meist ein Wört­chen mit­re­den.

Haus­tie­re ge­hö­ren in vie­len Woh­nun­gen und Häu­sern zum Le­ben da­zu. Wäh­rend sich Haus­ei­gen­tü­mer we­nig Ge­dan­ken dar­über ma­chen müs­sen, ob die An­schaf­fung zu­läs­sig ist, soll­ten Mie­ter bes­ser vor­her ih­ren Ver­mie­ter fra­gen. Das gilt be­son­ders, wenn das Haus­tier exo­tisch ist. Wich­ti­ge Fra­gen und Ant­wor­ten: Dür­fen Tie­re in der Miet­woh­nung auf­ge­nom­men wer­den? Grund­sätz­lich ja. „Es kommt in ers­ter Li­nie dar­auf an, was zum The­ma Tier­hal­tung im Miet­ver­trag steht“, er­läu­tert Rei­ner Wild vom Ber­li­ner Mie­ter­ver­ein. So kann fest­ge­schrie­ben sein, dass Haus­tie­re nur mit Zu­stim­mung des Ver­mie­ters ge­hal­ten wer­den dür­fen.

Will ein Mie­ter sich ei­nen Hund oder ei­ne Kat­ze zu­le­gen, dann soll­te er bes­ser im­mer den Ver­mie­ter fra­gen. Die­ser muss im­mer die In­ter­es­sen al­ler Miet­ver­trags­par­tei­en und der Nach­barn ab­wä­gen. „Er darf aber nicht will­kür­lich sei­ne Zu­stim­mung zur Hun­de­und Kat­zen­hal­tung ver­wei­gern“, be­tont Wild und ver­weist auf ein Ur­teil des Bun­des­ge­richts­hofs (Az: VIII ZR 168/12). Muss der Ver­mie­ter bei al­len Tie­ren ge­fragt wer­den? Die Hal­tung von Hun­den oder Kat­zen darf durch­aus ein­ge­schränkt wer­den. Klei­ne Tie­ren wie Wel­len­sit­ti­che, Zier­fi­sche, Meer­schwein­chen oder (bü) Jah­res­ab­rech­nung Ei­ne Ei­gen­tü­mer­ver­samm­lung darf ei­ne vom Ver­wal­ter vor­ge­leg­te Jah­res­ab­rech­nung nicht un­ter dem Vor­be­halt ge­neh­mi­gen, dass dar­an noch Än­de­run­gen vor­ge­nom­men wer­den könn­ten. Ge­schieht das doch, so kön­nen Ei­gen­tü­mer trotz des Be­schlus­ses spä­ter er­ge­ben­de Nach­zah­lun­gen ver­wei­gern. Da­zu das Amts­ge­richt Lüneburg: „Ei­ne Be­schluss­fas­sung un­ter dem Vor­be­halt noch vor­zu­neh­men­der Än­de­run­gen ist in­halt­lich un­be­stimmt“und so­mit nicht er­laubt. (AmG Lüneburg, 39 C 295/15) Hams­ter darf ein Mie­ter aber in sei­ner Woh­nung hal­ten, oh­ne da­für vor­her ei­ne Ge­neh­mi­gung ein­ge­holt zu ha­ben. „Grund­sätz­lich muss aber die An­zahl der Tie­re im Ver­hält­nis Bal­kon Hat sich ein ur­sprüng­lich als Topf­pflan­ze auf ei­nem Bal­kon ei­ner Miet­woh­nung auf­ge­stell­ter Ahorn zu ei­nem rich­ti­gen Baum ent­wi­ckelt, der nun seit min­des­tens 15 Jah­ren „deut­lich nach au­ßen sicht­bar“wächst, so kann der Ver­mie­ter ver­lan­gen, dass er ent­fernt wird. Das gel­te ins­be­son­de­re, wenn der Baum nur noch mit Stahl­ket­ten und -spi­ra­len und mit star­ken Dü­beln an­ge­bohrt ge­si­chert wer­den kann. Ei­ne sol­che Kon­struk­ti­on je­doch „be­darf der Er­laub­nis des Ver­mie­ters“. (LG München I, 31 S 12371/16) zur Woh­nungs­grö­ße ste­hen“, sagt An­nett En­gel-Lind­ner vom Im­mo­bi­li­en­ver­band IVD. An­sons­ten droht dem Mie­ter nach vor­he­ri­ger Ab­mah­nung die Kün­di­gung.

Hält zum Bei­spiel ein Mie­ter in sei­ner Miet­woh­nung 80 Klein­vö­gel, dann ent­zieht er nach ei­nem Ur­teil des Amts­ge­richts Men­den (Az: 4 C 286/13) der Woh­nung ih­ren ei­gent­li- chen Zweck – dem Mie­ter kann frist­los ge­kün­digt wer­den. Nach ei­nem Ur­teil des Amts­ge­richts Span­dau ist auch die mo­na­te­lan­ge Hal­tung meh­re­rer Igel in Wohn­räu­men und auf dem Bal­kon nicht durch ei­ne Klein­tier­hal­tungs­klau­sel im Miet­ver­trag ge­deckt – auch die­ses Ver­hal­ten des Mie­ters recht­fer­tigt ei­ne frist­lo­se Kün­di­gung (Az: 12 C 133/14). Was ist mit exo­ti­schen Tie­ren? Schlan­gen wie Gift­nat­tern, Vi­pern und Gru­be­not­tern, aber auch Spin­nen, Skor­pio­ne oder Ech­sen gel­ten in Deutsch­land als exo­ti­sche Tie­re. „Wenn das exo­ti­sche Tier nicht ge­fähr­lich ist, es als klein ein­zu­stu­fen ist und von ihm kei­ne Stö­run­gen für die Nach­barn aus­ge­hen, spricht zu­nächst nichts ge­gen sei­nen Ein­zug in die Miet­woh­nung“, er­klärt Alex­an­der Wiech von Haus & Grund Deutsch­land. Wich­tig ist, dass das Tier in der Woh­nung art­ge­recht ge­hal­ten wer­den kann. Gilt hier der Zu­stim­mungs­vor­be­halt des Ver­mie­ters? Ja, un­be­dingt. Denn das Hal­ten von Gift­schlan­gen, gif­ti­gen Spin­nen oder Kro­ko­di­len muss er ei­gent­lich nicht hin­neh­men. Das gilt vor al­lem, wenn von den Tie­ren mög­li­cher­wei­se ei­ne Ge­fahr für an­de­re Mie­ter aus­geht. Selbst Frett­chen muss ein Ver­mie­ter nicht un­be­dingt dul­den. Schließ­lich geht von die­sen Tie­ren in der Re­gel ein in­ten­si­ver Ei­gen­ge­ruch aus, der nicht je­der­manns Sa­che ist und Nach­barn stö­ren kann. Kann ein Ver­mie­ter sei­ne Zu­stim­mung zur Tier­hal­tung wi­der­ru­fen? „Ja, aber da­für müs­sen trif­ti­ge Grün­de vor­lie­gen“, er­klärt Wiech. Das ist zum Bei­spiel der Fall, wenn sich an­de­re Mie­ter im Haus von dem Tier be­droht füh­len. Der Ver­mie­ter kann sei­ne Zu­stim­mung wi­der­ru­fen, wenn von dem Tier wie­der­holt er­heb­li­che Be­läs­ti­gun­gen aus­ge­hen. „Bei­spie­le wä­ren et­wa an­dau­ern­des Bel­len von Hun­den oder wie­der­hol­te Ve­r­un­rei­ni­gun­gen des Trep­pen­hau­ses“, sagt En­gel-Lind­ner. Was ist, wenn sich der Mie­ter nicht an das Nein des Ver­mie­ters hält? Dann hat der Ver­mie­ter die Mög­lich­keit, den Mie­ter ab­zu­mah­nen und zu ver­lan­gen, dass das ent­spre­chen­de Tier nicht mehr in der Woh­nung ge­hal­ten wird. „Re­agiert der Mie­ter dar­auf nicht, kann frist­los ge­kün­digt wer­den“, er­klärt Wiech. Wor­auf müs­sen Mie­ter mit Tie­ren in der Woh­nung grund­sätz­lich ach­ten? Die Grund­re­gel lau­tet: Rück­sicht auf an­de­re neh­men. Hun­de­be­sit­zer et­wa soll­ten dar­auf ach­ten, dass der Vier­bei­ner nicht Nach­barn an­springt oder an­bellt. „Steht zum Bei­spiel in der Haus­ord­nung, dass Hun­de und Kat­zen in den Au­ßen­an­la­gen nicht frei her­um­lau­fen dür­fen, muss dies auch ein­ge­hal­ten wer­den“, be­tont Wiech.

WOH­NEN & RECHT

FO­TO: ARMIN WEIGEL

Egal ob Le­gu­an oder Hund – wenn man den Ver­mie­ter vor­her um Er­laub­nis fragt, ist man auf der si­che­ren Sei­te.

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