Neue Ga­ra­ge für Trieb­wa­gen 26

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON ANDRE­AS GRUHN

Der letz­te er­hal­te­ne Mön­chen­glad­ba­cher Stra­ßen­bahn­wa­gen steht seit dem Wo­che­n­en­de im Mon­forts-Quar­tier. Am al­ten Stand­ort hat­ten sich mehr­mals Ran­da­lie­rer an dem his­to­ri­schen Ge­fährt aus­ge­tobt. Jetzt soll er re­stau­riert wer­den.

Als Trieb­wa­gen 26 am Sams­tag­mit­tag durch Mön­chen­glad­bach ge­fah­ren wird, zü­cken vie­le Glad­ba­cher ih­re Han­dys. Sie fo­to­gra­fie­ren und fil­men, was es seit 1969 in der Stadt ei­gent­lich nicht mehr gibt: ei­ne Stra­ßen­bahn. Der his­to­ri­sche Stra­ßen­bahn­wa­gen, den Pri­vat­leu­te im Sep­tem­ber 2014 zu­rück in die Stadt hol­ten, hat nun ei­ne neue Un­ter­kunft. Der Wa­gen steht jetzt in ei­ner Hal­le auf dem Mon­forts-Quar­tier. Am Wo­che­n­en­de brach­te ein Schwer­trans­por­ter das his­to­ri­sche Ge­fährt vom ehe­ma­li­gen Re­me-Ge­län­de in Lür­rip zu sei­nem neu­en Stell­platz. Ex­per­ten aus dem Stra­ßen­bahn­mu­se­um in Wup­per­tal hal­fen den Glad­ba­chern bei dem nicht

„Wir sind drin­gend auf Spen­den

an­ge­wie­sen“

Axel Lad­leif

Mit­grün­der des För­der­ver­eins für Trieb

wa­gen 26

all­täg­li­chen Trans­port. Der Schwer­trans­por­ter muss­te Um­we­ge über Kor­schen­broich und Schloss Rhe­ydt fah­ren, weil der Wa­gen nicht durch die Ei­sen­bahn­brü­cken im Stadt­ge­biet ge­passt hät­te.

Am al­ten Stand­ort hat­ten sich in die­sem Jahr mehr­mals Ran­da­lie­rer an dem his­to­ri­schen Ge­fährt aus­ge­tobt, die Fens­ter­schei­ben ein­ge­schla­gen und den Wa­gen mit Graf­fi­ti be­schmiert. „Lau­fend ist ein­ge­bro­chen wor­den“, sagt Stra­ßen­bahn-Ex­per­te Axel Lad­leif, der den Wa­gen vor drei Jah­ren nach Glad­bach hol­te. „Die letz­ten Tä­ter hat der Wach­dienst im­mer­hin er­wischt, aber es wur­de drin­gend Zeit, dass der Wa­gen wo­an­ders hin­kommt.“

Rein­hard Körs­mei­er, Ge­schäfts­füh­rer des Quar­tiers­be­trei­bers MQ Ma­nage­ment, bot Lad­leif und Thors­ten Ne­u­mann ei­ne un­ver­mie­te­te Hal­le auf dem Are­al ge­gen­über des Bus­de­pots der NEW kos­ten­frei an. „Die­ser Platz ist für uns ein gro­ßer Glücks­fall“, sagt Lad­leif. Dort wird der Wa­gen zwi­schen­ge­parkt, bis er zur Re­stau­rie­rung noch ein­mal trans­por­tiert und zu ei­nem Spe­zia­lis­ten ge­bracht wird. Die Kos­ten für die In­stand­set­zung lie­gen laut Lad­leif min­des­tens bei 50.000 Eu­ro.

Das Geld da­für will nun ein För­der­ver­ein sam­meln, der sich wohl in die­ser Wo­che grün­det. Die nö­ti­ge Sat­zung ist in Ar­beit, auch ei­ne Rei­he Mit­strei­ter ha­ben Lad­leif und Ne­u­mann be­reits um sich ge­schart. „Wir sind drin­gend auf Spen­den an­ge­wie­sen.“Die sol­len nun ge­sam­melt wer­den.

Trieb­wa­gen 26 war im April 1957 an die Stadt ge­lie­fert wor­den und fuhr fort­an elf Jah­re, bis Ok­to­ber 1968, durch die Stadt. Weil der Wa­gen hier nicht mehr ge­braucht wur­de, kauf­ten ihn die Aa­che­ner Stra­ßen­bah­ner. Dort war der Wa­gen in den 1970er Jah­ren in Be­trieb. An­schlie­ßend fuhr die Stra­ßen­bahn noch in Mainz und kehr­te nach Aa­chen zu­rück – als Aus­stel­lungs­stück auf dem Be­triebs­hof. Vor we­ni­gen Jah­ren soll­te der Wa­gen aus­ran­giert wer­den. Lad­leif er­fuhr da­von und holt den Wa­gen zu­rück nach Mön­chen­glad­bach. „Der Wa­gen hat ei­gent­lich ei­nen her­vor­ra­gen­den Ge- samt­zu­stand da­für, dass er so lan­ge drau­ßen stand“, sagt Lad­leif. Trotz­dem müs­sen et­wa auch Ble­che ge­tauscht wer­den, neue Fens­ter­schei­ben müs­sen ein­ge­setzt wer­den, Graf­fi­ti ent­fernt und der Wa­gen neu la­ckiert wer­den. Denn ei­gent­lich wa­ren die Stra­ßen­bahn­wa­gen in Mön­chen­glad­bach frü­her weiß la­ckiert mit blau­en Strei­fen. Nach der Au­f­ar­bei­tung soll der Wa­gen dann an ei­nem zu­gäng­li­chen Stand­ort end­gül­tig ge­parkt wer­den – im Ge­spräch ist der Hu­go-Jun­kers-Han- gar am Flug­ha­fen. Wo­mög­lich er­strahlt Trieb­wa­gen 26 zu ei­nem ganz be­son­de­ren Zeit­punkt im neu­en al­ten Glanz: 2019 ist das En­de des Stra­ßen­bahn­be­triebs in Mön­chen­glad­bach genau 50 Jah­re her.

FO­TO: DET­LEF ILGNER

Trieb­wa­gen 26 ist an­ge­kom­men: Der Schwertransport setzt den Wa­gen in ei­ner Hal­le am Mon­forts-Quar­tier ab.

FO­TO: REIN­HARD KÖRS­MEI­ER

Blick aus der Luft in den Wa­gen: Die Sit­ze sind ei­gent­lich gut er­hal­ten, aber der Bo­den ist über­sät mit Glas­split­tern der zer­stör­ten Fens­ter.

FO­TOS (2): ANGR

Der Schwertransport kommt am Mon­forts-Quar­tier an.

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