Glad­bach ist in bes­ter Schüt­zen­fest-Lau­ne

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - LOKALES -

In vier Stadt­tei­len lu­den die Bru­der­schaf­ten zu ih­rem Prunk­wo­chen­en­de ein. Mal wa­ren die Ma­jes­tä­ten über 75 Jah­re alt, mal ganz jung.

WICKRATHHAHN Es war sehr still, als die 16 Grup­pen der St.-Hu­ber­tusB­ru­der­schaft Wickrathhahn sich zur tra­di­tio­nel­len Ge­fal­le­nen­eh­rung ver­sam­mel­ten. Bru­der­meis­ter Heinz Rit­ters er­in­ner­te nicht nur an die Ge­fal­le­nen der Bru­der­schaf­ten in den bei­den Welt­krie­gen, son­dern ging auch auf den G20-Gip­fel in Ham­burg ein. Un­ver­ständ­lich sei ihm das Ver­hal­ten der Ran­da­lie­rer in der Han­se­stadt. Be­zirks­bun­des­meis­ter Horst Tho­ren setz­te den Ge­dan­ken fort. Rit­ters Er­wäh­nung des Gip­fels und der Aus­schrei­tun­gen auf­neh­mend, for­der­te er zu „ei­ner fried­li­chen De­mons­tra­ti­on der Freu­de“auf. Mit dem Sil­ber­nen Ver­dienst­kreuz wur­den Bernd Ko­wol­lik, Ul­rich Ho­hen­forst und Tim Qu­ack geehrt.

Und der Kö­nig? Wie fühlt es sich an, Schüt­zen­kö­nig zu sein? „Es ist geil!“, sag­te Ralf Mar­ren­bach. Sei­ne Mi­nis­ter Frank Kut­sch­in­ski und Hol­ger Radermacher nick­ten da­zu. „Wir sind ein Team“, er­klär­te Radermacher. Be­geis­tert er­zähl­ten sie von den Grup­pen der Bru­der­schaft: „Es gibt kei­ne dop­pel­te Grup­pe.“Die „Lüt­zow Husa­ren“, zu de­nen Kö­nig und Mi­nis­ter ge­hö­ren, fei­ern das 30jäh­ri­ge Be­ste­hen, des­we­gen stell­ten sie den Kö­nig. Ei­ne Be­son­der­heit des Schüt­zen­fes­tes sind die Klom­pen­pa­ra­den und der Klom­pen­ball heu­te Abend um 19 Uhr. Das hat ei­ne lan­ge Tra­di­ti­on. Sie­ben Klom­pen­grup­pen gibt es in Wickrathhahn. Die ers­te Grup­pe fei­ert jetzt 50-jäh­ri­ges Be­ste­hen. Ihr äl­tes­tes Mit­glied, Els­beth Si­mons, ist 81. Kom­man­de­u­se Hil­de­gard Hei­mes, Mar­got Spe­ckens, Schrift­füh­re­rin Do­ro­thee Win­gerath und Han­ne­lo­re En­gels er­zähl­ten, wie ei­ne Hand­voll Frau­en in dem nur für Män­ner zu­ge­las­se­nen Ver­ein mit­ma­chen woll­ten. Sie tra­fen sich, plan­ten ei­ne Grup­pe, be­sorg­ten sich Klom­pen, die die Män­ner eh schon tru­gen, ge­wan­de­ten sich in Dirndl oder Kleid und Schür­ze und schmug­gel­ten sich in die Pa­ra­de. Mitt­ler­wei­le sind sie fes­ter Be­stands­teil des Fest­zu­ges am Mon­tag.

Si­grid Blomen-Radermacher GÜNHOVEN Es war ein schö­nes Bild am Al­tar der Kir­che St. Mat­thi­as in Günhoven: der Pfar­rer, um­rahmt von Mit­glie­dern der St.-Mat­thi­asSchüt­zen­bru­der­schaft Günhoven und dem Kö­nigs­haus mit Kö­nig Da­vid do Va­le, den Mi­nis­tern Fa­bi­an Han­sen und Jo­nas Kart­je so­wie dem ers­ten Bru­der­meis­ter Hans Wil­le und dem zwei­ten Bru­der­meis­ter Franz-Jo­sef Zim­mer. Ob­wohl sich die Grü­nen Husa­ren erst 2009 grün- de­ten, stel­len sie mit Da­vid do Va­le be­reits zum drit­ten Mal den Kö­nig.

Beim mu­si­ka­li­schen Früh­schop­pen wur­de das Kö­nigs­haus mit gro­ßem Ap­plaus auf sei­nen Eh­ren­platz ge­lei­tet. Da­vid do Va­le hat den Zeit­punkt sei­ner Re­gent­schaft gut ge­wählt. An die­sem Tag ist es 40 Jah­re her, dass sein Groß­va­ter Schüt­zen­kö­nig war. 1977 wur­de er kurz nach sei­ner An­kunft in Voo­sen Schüt­zen­kö­nig. Das war ges­tern noch nicht al­les: Da­vid do Va­le fei­er­te sel­ber ei­nen run­den Ge­burts­tag. „Es passt al­les wun­der­bar zu­sam­men. Ich bin durch mei­ne Fa­mi­lie und die Ge­mein­schaft im Dorf zur Bru­der­schaft ge­kom­men. Wir fei­ern 2017 das bes­te Schüt­zen­fest al­ler Zei­ten“, sag­te er. Auch an­de­re Ju­bi­la­re hat­ten Grund zu fei­ern. Wolf­gang Han­sen, Franz-Jo­sef Wy­en, Ste­fan Brosch, Micha­el Fa­ber, Gün­ther Til­len wur­den für 40 Jah­re Mit­glied­schaft geehrt. Die Ju­bi­la­re Lam­bert Be­ckers und Hans Kem­pers sind 20 Jah­re län­ger da­bei und emp­fin­gen ih­re Ur­kun­den von Be­zirks­bun­des­meis­ter Horst Tho­ren. „Ich bin 45 Jah­re ak­tiv in der Bru­der­schaft ge­we­sen. Ich bin stolz, dass ich der Bru­der­schaft 60 Jah­re die­nen konn­te. Heu­te bin ich noch als pas­si­ves Mit­glied da­bei“, er­zähl­te Lam­bert Be­ckers und zeig­te stolz auf die Ur­kun­de, die ihm sei­ne Ka­me­ra­den ge­bas­telt ha­ben.

Eva Ba­ches HERMGES Han­ny Eier­manns lä­chel­te und ver­folg­te mit wa­chen Au­gen die Pa­ra­de, die sich eben am Pfarr­haus for­miert hat­te und nun im Marsch­schritt an ihr und ih­rem Ge­fol­ge vor­bei zog. Sie ist die Schüt­zen­kö­ni­gin der St. Jo­sef Pfarr­bru­der­schaft Hermges und stol­ze 85 Jah­re alt. Sie hat das Amt aus ei­nem ganz be­stimm­ten Grund an­ge­nom­men: „Ich ma­che das zum Ge­den­ken für mei­nen ver­stor­be­nen Mann. Er war lan­ge Zeit Mit­glied der Bru­der­schaft und hat sich im­mer ge­wünscht, Kö­nig zu sein. Aber es hat lei­der nie ge­klappt“, er­zähl­te sie. „Ich hat­te bis­her ein wun­der­schö­nes Schüt­zen­fest. Al­le ha­ben mit­ge­hol­fen. Es gab ei­ne Über­ra­schung nach der an­de­ren“, er­gänzt sie. Es war ei­ne spon­ta­ne Idee der Frau­en der Of­fi­ziers­grup­pe, das Kö­nig­haus in die­sem Jahr zu stel­len. Hans-Pe­ter Mün­ten hol­te mit dem 123. Schuss den Vo­gel von der Stan­ge und über­reich­te ihn Han­ny Eier­manns. An ih­rer Sei­te sind in die­sem Jahr gleich fünf Mi­nis­te­rin­nen: An­ge­li­ka Mün­ten, Chris­ta Ne­u­mann, Gi­se­la Mün­ten, Chris­tel Fie­seler und San­dra Buch­weitz.

Ei­ne Über­ra­schung ha­ben die Jung­man­nen ih­rer Kö­ni­gin be­rei­tet. Die Grup­pe hat sich 1968 ge­grün­det, und die­ses Mal hat­ten fünf der al­ten Mit­glie­der noch ein­mal ih­re al­ten Uni­for­men über­ge­streift und an der Pa­ra­de teil­ge­nom­men. „Das äl­tes­te Mit­glied ist seit 65 Jah­ren in der Bru­der­schaft“, er­zähl­te Oberst Frank Buch­weitz. Sie tru­gen noch ein­mal die al­ten grü­nen Rö­cke. Das Mot­to lau­te­te: Ei­ne für al­le, al­le für ei­ne! Schon vor der Pa­ra­de herrsch­te gu­te Stim­mung, man grüß­te und um­arm­te sich. Als dann die Pa­ra­de vor­bei zog, wink­te man den Schüt­zen zu, klatsch­te Bei­fall. So­gar Bra­vo-Ru­fe wa­ren zu hören, als die Fah­nen­schwen­ker ei­ne ar­tis­ti­sche Ein­la­ge zeig­ten. Das Pu­bli­kum fie­ber­te mit den Schüt­zen. Auch der Nach­wuchs ist ge­si­chert. Aus den Herm­geser Ströp­kes sind Schü­ler­prinz Till Buch­weitz und Jung­kö­ni­gin Ra­phae­la Lins­sen her­vor­ge­gan­gen.

Eva Ba­ches

So rich­tig gut ist Frie­del Mo­del nicht mehr zu Fuß un­ter­wegs. Mit sei­nen 79 Jah­ren muss er das auch nicht. Des­halb ließ er sich ges­tern beim Schüt­zen­fest der St.-Vi­tus-Mar­ti­nus­bru­der­schaft Ei­cken in ei­ner Kut­sche fah­ren. Das hat­te was. In Ei­cken ge­hö­ren Pfer­de zum ge­wohn­ten Bild, wenn sonn­tags die Pa­ra­de auf der Mar­tin­stra­ße an­tritt. Ges­tern wa­ren 22 Rös­ser da­bei. Bei der recht klei­nen Bru­der­schaft freu­te man sich, dass die Ei­cke­ner das Schüt­zen­fest wie­der bes­ser an­neh­men. „Als wir am Frei­tag­abend mit un­se­rer Mot­to­par­ty in der Mehr­zweck­hal­le ge­star­tet sind, war es vol­ler als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Das stimmt uns po­si­tiv“, er­zähl­te Prä­si­dent Uwe Büsch­kens ges­tern Mor­gen beim Emp­fang der Eh­ren­gäs­te. Frie­del Mo­del, der 1998 schon ein­mal Kö­nig der Ei­cke­ner Bru­der­schaft war, er­hielt da­bei als Ma­jes­tät tra­di­tio­nell ei­nen Geh­stock, auf dem sein Na­me steht.

Fa­mi­li­är geht es in der Bru­der­schaft zwar im­mer zu, doch in die­sem Jahr so rich­tig. Als Mi­nis­ter stan­den Frie­del Mo­del sein Sohn und sein Schwie­ger­sohn zur Sei­te. Grund zur Freu­de hat­ten aber auch noch ganz an­de­re. Pe­ter Ro­e­mer er­hielt den Ho­hen Bru­der­schafts­or­den. Gerd Schmitz freu­te sich über die Ju­bi­lä­ums­na­del für 25 Jah­re Mit­glied­schaft. Die Gro­ße Se­bas­tia­nus­na­del ging an Dag­mar Pont­zen, San­dra Schmidt und Rei­ner Bun­gar­ten. To­bi­as Büsch­kens wur­de zum Ma­jor be­för­dert.

Die Pa­ra­de auf der Mar­tin­stra­ße ver­folg­ten die Zu­schau­er nach dem Emp­fang aus zwei Per­spek­ti­ven. Die ei­nen stan­den am Stra­ßen­rand und hat­ten die­sel­be Blick­rich­tung wie die Schüt­zen, die an­de­ren sa­ßen auf ih­ren Bal­ko­nen und schau­ten sich das Schau­spiel von oben an.

Chris­ti­an Lin­gen

FO­TO: THO­REN RP-FO­TOS: RAUPOLD/ILGNER

Die Schüt­zen­kö­ni­gin Han­ny Eier­manns (3.v.l.) ist 85. Das Fo­to zeigt sie mit An­ge­li­ka Mün­ten, Chris­ta Ne­u­mann, Gi­se­la Mün­ten, Chris­tel Fie­seler und San­dra Buch­weitz. Eier­manns hat das Amt zum Ge­den­ken für ih­ren ver­stor­be­nen Mann an­ge­nom­men. Hoch zu Ross: In Ei­cken zo­gen 22 Bru­der­schaft­ler auf Pfer­den im Schüt­zen­zug mit (l.). In Hermges be­stimm­ten auch Schüt­zen­fah­nen die Sze­ne­rie (r.).

RP-FO­TO: KNAP­PE

In Wickrathhahn pa­ra­dier­ten die Bru­der­schaft­ler vor Kö­nig Ralf Mar­ren­bach und sei­nen Mi­nis­tern Frank Kut­sch­in­ski und Hol­ger Radermacher.

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