Ver­brau­cher­be­ra­tung gibt Tipps für Rei­sen­de

Rheinische Post Moenchengladbach-Land - - KULTUR - VON GA­BI PE­TERS

18.500 Eu­ro soll­te ein Mön­chen­glad­ba­cher be­zah­len, weil er im Aus­land im In­ter­net surf­te. Trotz neu­er Re­geln ist wei­ter Vor­sicht ge­bo­ten.

Der Fall ist ge­sche­hen, be­vor die so­ge­nann­ten Roa­ming-Ge­büh­ren in der EU ab­ge­schafft wur­den: Ein Mön­chen­glad­ba­cher hat­te nach ei­ner In­do­ne­si­en­rei­se ei­ne Han­dy­rech­nung über 18.500 Eu­ro er­hal­ten. Im aus­län­di­schen Ho­tel hat­te er sich im W-Lan ge­wähnt und ah­nungs­los im In­ter­net ge­surft. Seit dem 15. Ju­ni dür­fen für An­ru­fe, SMS oder die mo­bi­le Da­ten­nut­zung in­ner­halb der EU zwar kei­ne zu­sätz­li­chen Kos­ten mehr be­rech­net wer­den (Is­land, Liech­ten­stein und Nor­we­gen be­tei­li­gen sich frei­wil­lig), „den­noch könn­ten Smart­pho­nen­ut­zern noch di­cke Rech­nun­gen dro­hen“, sagt Se- bas­ti­an Drey­er, Lei­ter der Ver­brau­cher­be­ra­tungs­stel­le Mön­chen­glad­bach-Rhe­ydt. Er und sei­ne Kol­le­gen sind der Auf­fas­sung, dass die Ver­brau­cher nicht selbst ak­tiv wer­den müs­sen, da­mit der Ver­trag mit dem Mo­bil­funk­an­bie­ter auf EU-Recht um­ge­stellt wird, „aber O2 sieht das of­fen­bar an­ders“, sagt Drey­er. Des­halb sei sein Rat, vor An­tritt der Rei­se beim An­bie­ter ab­zu­fra­gen, wel­che Aus­lands­op­tio­nen be­ste­hen. Es ge­be bei­spiels­wei­se Bil­lig­an­bie­ter, die nur na­tio­na­le Ta­ri­fe an­bie­ten. „In dem Fall ist gar kein Roa­ming mög­lich“, so Drey­er. Au­ßer­dem gel­ten die neu­en Re­geln nur bei „an­ge­mes­se­ner Da­ten­nut­zung“. Über­schrei­ten Smart­pho­nen­ut­zer be­stimm­te

Se­bas­ti­an Drey­er Gren­zen, kann der Mo­bil­funk­an­bie­ter wei­ter­hin Roa­ming-Ge­büh­ren ver­lan­gen oder den Um­fang der Da­ten­nut­zung im Aus­land ein­schrän­ken. Au­ßer­halb der EU wie zum Bei­spiel in der Schweiz oder der Tür­kei müs­se wei­ter­hin mit zum Teil sehr teu­ren Auf­schlä­gen ge­rech­net wer- den. „Es gibt zwar ei­ne Kos­ten­brem­se bei 60 Eu­ro und vor­her muss da­vor ge­warnt wer­den“, be­rich­tet Drey­er. Vor­aus­set­zung sei aber, dass ei­ne „Echt­zeit­über­wa­chung“mög­lich sei. Dies ist laut Drey­er in man­chen asia­ti­schen Län­dern nicht der Fall. Vor­sicht sei auch auf Schif­fen und in Flug­zeu­gen ge­bo­ten. Denn dort gel­te die EU-Re­gel nicht. „Schnell kann man da bei vier Eu­ro Kos­ten pro Mi­nu­te lie­gen“, in­for­miert der Lei­ter der Ver­brau­cher­be­ra­tungs­stel­le. Sein Rat: Auf je­den Fall nach der Rei­se die Rech­nung prü­fen und bei über­höh­ten Kos­ten in­ner­halb von sechs Wo­chen ei­nen Rechts­an­walt oder die Ver­brau­cher­be­ra­tung ein­schal­ten.

Und wel­che Tipps gibt es noch für Rei­sen und Ur­laub? „Ei­ne Aus­lands­kran­ken­ver­si­che­rung ab­schlie­ßen“, sagt Ste­fan Klein, Ver­si­che­rungs­be­ra­ter der Ver­brau­cher­zen­tra­le. „Wer sich in den USA den Blind­darm ent­fer­nen las­sen muss, ist leicht 10.000 Eu­ro los.“Da loh­ne sich ei­ne Po­li­ce, die es be­reits ab acht Eu­ro im Jahr gibt. Doch Klein rät, sich vor­her ge­nau über die Kon­di­tio­nen zu in­for­mie­ren. Denn oft sei­en Vo­r­er­kran­kun­gen oder chro­ni­sche Er­kran- kun­gen vom Ver­si­che­rungs­schutz aus­ge­schlos­sen.

Ei­ne Rei­se­ge­päck­ver­si­che­rung lohnt sich laut Klein über­haupt nicht. „Geht Ge­päck beim Flug ver­lo­ren, zahlt die Flug­ge­sell­schaft. Im Ho­tel tritt die Haus­rat­ver­si­che­rung ein.“Auch den Ab­schluss ei­ner Un­fall- und ei­ner Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung soll­te man sich ge­nau über­le­gen. Ei­ne Un­fall­ver­si­che­rung loh­ne sich nur für Men­schen, die im Aus­land Ris­kan­tes un­ter­neh­men. „Ex­trem­sport­ar­ten sind aber oft vom Ver­si­che­rungs­schutz aus­ge­schlos­sen“, sagt Klein. Und auch bei der Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung wer­de für vie­le Fäl­le nicht ge­zahlt. „Was ist zum Bei­spiel, wenn die Pfle­ge­kraft der Mut­ter aus­fällt?“

Üb­ri­gens: Dem In­do­ne­si­en­rei­sen­den hat­te die Ver­brau­cher­be­ra­tung hel­fen kön­nen. Er muss­te die teu­re Rech­nung nicht zah­len.

„Auf dem Schiff und im

Flug­zeug gel­ten die neu­en Roa­ming-Re­geln

nicht“

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